Zum Hauptinhalt springen

FCB-Sieg in NeuenburgDas Team der Stunde

Die Basler zeigen sich im Vergleich zur Niederlage in Luzern verbessert und gewinnen 2:1 gegen Neuchâtel. Sie verkürzen den Rückstand auf die Young Boys in der Tabelle damit auf fünf Punkte.

Die Spieler des FC Basel bejubeln das Siegtor zum 2:1 gegen Neuchâtel Xamax.
Die Spieler des FC Basel bejubeln das Siegtor zum 2:1 gegen Neuchâtel Xamax.
Foto: Urs Lindt (Freshfocus)

Ein letzter Ball noch. Hoch, weit. Hauptsache weg. Dann ist das Spiel beendet und die Spieler des FC Basel in erster Linie erleichtert. Die ganz grosse Freude ist nicht zu erkennen gleich nach dem Schlusspfiff. Das mag an den hohen Temperaturen auf dem Kunstrasen von Neuenburg liegen. Aber sicher auch daran, dass die Basler ganz genau wussten, dass für sie im Spiel gegen Xamax nur ein Sieg zählt. Und den haben sie dank einem 2:1 erreicht.

Es sind drei Punkte, die vorerst Ruhe bringen. Zumindest für die nächsten vier Tage. Aber längere Pausen werden Marcel Koller und seine Mannschaft bis zum Ende dieser Saison ohnehin nicht mehr bekommen. Die Freude über Siege ist in dieser Phase ebenso kurz wie der Frust nach einer Niederlage.

Der FCB hat in dieser Woche wieder mal bewiesen, was man bei ihm schon vor der Corona-Pause diagnostiziert hat: nämlich dass er in dieser Saison über eine Mannschaft verfügt, die mit den richtigen Spielern an den richtigen Stellen gern auch mal einen Bundesligisten wie Frankfurt 3:0 besiegen kann. Ohne die entsprechenden Stützen wird es für die Basler allerdings gegen jeden Gegner schwer.

Gegen Xamax konnte Marcel Koller wieder auf Valentin Stocker sowie Raoul Petretta und damit auf eine komplett erneuerte Flügelzange setzen. Besonders der erste Einsatz des Captains nach über 100 Tagen Pause zahlte sich für die Basler aus. Nachdem der ehemalige FCB-Spieler Musa Araz die Gastgeber früh in Führung gebracht hatte (11.), glich Stocker nur acht Minuten später mit einem sehenswerten Treffer aus knapp 20 Metern aus.

Es war nicht so, dass der FCB im Vergleich zum Wochenende überhaupt nicht mehr wieder zu erkennen war. Erst recht nicht vor der Halbzeit. Da waren noch immer Nervosität und Anspannung zu spüren. Es wurde auf und neben dem Rasen geredet, angetrieben, motiviert. Und trotzdem waren da mehr Emotionen. Es war schon früh erkennbar, dass die Basler nicht streckenweise ihre Arbeit einstellen würden, wie das gegen Luzern zum Teil der Fall war.

Man kann nur spekulieren, woran das gelegen hat. Allein an der Rückkehr des Captains? An der Niederlage der Young Boys am Dienstagabend gegen Thun? Oder vielleicht doch an der Tatsache, dass die Basler flächendeckend aus dem Rennen um die Meisterschaft verabschiedet wurden? In jedem Fall zeigte das Team eine verbesserte Leistung und gewann am Ende verdient mit 2:1.

Nach der Pause hatten die Basler mehrere Möglichkeiten, die Führung zu erzielen. Kurz nach dem Wechsel kam Kemal Ademi im Strafraum zu Fall, der Schiedsrichter entschied jedoch nicht auf Elfmeter. Dann hatte Stocker nach einem Distanzschuss von Taulant Xhaka die Möglichkeit für sein zweites Tor. Und dann war es halt, wie es immer ist in den letzten Wochen: Arthur Cabral entschied das Spiel mit seinem Treffer (75.).

Wegen Problemen an der Hüfte hatte der Brasilianer zu Beginn nur auf der Bank gesessen. Doch mit seinem Treffer unterstrich er abermals seine Wichtigkeit für die Basler.

Marcel Koller war nach dem Spiel zufrieden. «Es war nicht einfach heute», sagte der Trainer. Aber im Vergleich zur Niederlage in Luzern habe man die Zweikämpfe jederzeit angenommen und sich nach der Halbzeit noch gesteigert. «Wir wollten nach der Pause mehr provozieren», sagte Koller. Dass der FCB den Rückstand auf YB verkürzt hat, das wollte er nicht gross kommentieren. Koller ist im Wir-müssen-jetzt-auf-uns-schauen-Modus. Aber auch er kennt die Tabelle und kann sich nicht gegen die Feststellung wehren, dass die Basler so was wie das Team der Stunde sind.

Weniger wegen ihrer Position in der Meisterschaft. Es ist weiterhin kaum damit zu rechnen, dass der FCB noch ernsthaft in den Kampf um den Titel eingreifen wird. Zu oft hat die Mannschaft in dieser Saison schon Punkte liegen lassen, wenn niemand damit gerechnet hat. Das Team der Stunde sind sie vielmehr, weil sie in der Zusammensetzung vom Mittwochabend erstmals seit der Wiederaufnahme des Spielbetrieb Anzeichen der Besserung gezeigt haben.

In den kommenden Spielen geht es nun darum, sowohl Personal als auch die sportliche Verfassung beizubehalten. Aber allein das wird schwer genug: Mit Omar Alderete fehlt gegen Sion bereits ein zentraler Spieler gesperrt. Und bei dem dicht getakteten Programm wird jedes Team in der Liga irgendwann Probleme mit der Konstanz bekunden.

Die Basler können sich also zumindest für ein paar Stunden freuen, so was wie das Team der Stunde zu sein. Denn nach dem nächsten Spiel kann das alles schon wieder ganz anders aussehen.