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FCB-Niederlage in LuzernDas passende Ende einer schlimmen rotblauen Woche

Der FC Basel verliert in Luzern mit 1:2 und ist dabei schwächer, als das Resultat erahnen lässt. Im Kampf um die Meisterschaft liegt man damit nun acht Zähler hinter YB und St. Gallen. Die Unruhe rund um den Club wächst weiter.

Der Gegner ist wacher und entschlossener: Der Luzerner Marvin Schulz mit, der Basler Samuele Campo ohne Ball.
Der Gegner ist wacher und entschlossener: Der Luzerner Marvin Schulz mit, der Basler Samuele Campo ohne Ball.
Foto: Urs Flüeler (Keystone)

Das Schlusswort gehört an diesem Tag Fabian Frei. Nicht unbedingt, weil er der Allerletzte in Reihen des FC Basel ist, der nach der 1:2-Niederlage beim FC Luzern etwas sagt. Sondern weil seine Worte noch ein bisschen nachhallen werden. Vor der Kamera des Schweizer Fernsehens steht der Mittelfeldspieler. Holt mehr als nur einmal tief Luft. Und sagt dann bemerkenswerte Sätze, die einem zu denken geben müssen.

«Es hat heute nicht gepasst – wie so oft leider», ist so ein Satz zu Beginn des Interviews. Zwei andere Sätze hören sich so an: «Heute haben so viele Sachen nicht gestimmt, die auch schon gegen Lausanne nicht gestimmt hatten. Dabei hätten wir genug Zeit gehabt, es abzustellen.» Und wieder zwei andere Sätze, die lesen sich so: «Spätestens in der Halbzeit ist es das Ziel, ein Mittel zu finden – wir haben keines gefunden. Ich hatte auch nicht das Gefühl, dass wir uns extrem gegen die Niederlage gewehrt haben.» Und schliesslich gibt es noch ein Resümee, das nüchtern klingt: «Im Moment spielen wir um Platz drei, und wir wissen alle, dass das nicht unser Anspruch ist.»

Harmlose FCB-Offensive

Punkt. Fertig. Schluss. Im Grunde ist alles gesagt, was gesagt werden muss nach einem Sonntagnachmittag, der dem FC Basel das passende Ende einer schlimmen Woche beschert hat. Nach all den Unruhen neben dem Platz, nach der jüngsten Entwicklung rund um die wirtschaftliche Misere, bei der sich die Muttenzerkurve zu Wort meldete und den Rücktritt praktisch aller Verwaltungsräte forderte, nach alledem hat nun auch die Mannschaft des FC Basel eine Reaktion gezeigt, die ins Gesamtbild passt: Sie spielt in Luzern schwächer, als es das Resultat vermuten lässt. Und sie verliert im Kampf um die Meisterschaft weiter Boden: Acht Punkte sind es nun auf den FC St. Gallen und den BSC Young Boys, die zuvor beide siegreich gewesen sind.

Marcel Koller mag das Geschehen rund um den Club nicht als Grund für die schwache Leistung sehen. «Es war schon vor dem Cupspiel in Lausanne unruhig – und da haben wir gegen einen guten Gegner gewonnen, also waren wir klar im Kopf», argumentiert der Trainer des FC Basel, dessen Vertrag sich bei einem Meistertitel um ein Jahr verlängern würde.

Dass dies geschieht, ist unwahrscheinlich. Die Corona-Pause ist eben erst vorbei, die Super League erst gerade angelaufen – und schon hat man das Gefühl, dass der FC Basel nichts mit dem Titel zu tun haben wird. Das liegt nicht nur an der Mathematik und auch nicht nur am Eindruck aus diesen 90 Minuten, zumal der FC Luzern in diesem Kalenderjahr ein starker Gegner ist, der auch die beiden Tabellenführer in die Knie gezwungen hat. Nein, es liegt auch daran, dass der FCB mit einem Kader antritt, das geschwächt und mit Fragezeichen versehen ist: Wenn Afimico Pululu und Samuele Campo die Flügelpositionen besetzen, weil Edon Zhegrova verletzt, Valentin Stocker gesperrt und Kevin Bua auf dem Absprung ist, dann ahnt der regelmässige Beobachter bereits, dass zumindest die rotblaue Offensive Mühe bekundet. Und weil sich zumindest bei Bua und Zhegrova vorerst nichts zum Guten entwickeln wird, dürften diese Probleme anhalten.

«Wir fanden in der Offensive keine Lösungen, konnten uns im Angriffsdrittel nicht behaupten», sagt Koller. Null Schüsse aufs Luzerner Tor unterstreichen dies. Null Torschüsse bis zur 86. Minute. Danach trifft Cabral zum Anschluss und macht der FCB das, was er zuvor 85 Minuten nicht gemacht hat: Er spielt Fussball. Silvan Widmer vergibt eine gute Möglichkeit (87.), Taulant Xhaka hämmert den Ball aus grosser Distanz an die Latte.

Margiotta macht den Anfang

Es kommt zu spät, weil zuvor nichts gekommen ist. Und weil der FC Luzern mit grösserem Einsatz und grösserer Konzentration eine insgesamt gute Leistung abgeliefert hat. Die genügt, um die rotblaue Defensive immer mal wieder in Verlegenheit zu bringen. Und um schliesslich jene zwei Treffer zu erzielen, die der FCB in seinen guten Schlussminuten nicht mehr wettmachen kann.

Dabei holt Margiotta in der 23. Minute nach, was er in der 9. verpasst hat: Frei stehend bringt er Luzern aus bester Position in Führung. Es folgt noch vor der Pause eine weitere Chance für Margiotta, nach der Pause eine gute Gelegenheit für Ndiaye (49.) und ein Abschluss von Males, den Jonas Omlin stark pariert (80.). Eine Luzerner Offensivszene später entwischt dieser Males dem Basler Innenverteidiger Omar Alderete, legt zurück auf den frei stehenden Eleke und hat der FC Luzern jene Zwei-Tore-Führung, die gut genug sein wird für weitere drei Punkte.

Der FC Luzern hat in der Rückrunde 16 Zähler aus sechs Partien geholt und ist nun Fünfter. Er liegt nur noch sechs Punkte hinter dem FC Basel. Und dazwischen, da ist noch Servette, mit zwei Zählern Rückstand auf Rotblau. Beides ist weniger als jene acht Punkte Rückstand, die der FCB auf die beiden Spitzenclubs aufweist. Wie sagt doch Fabian Frei: «Im Moment spielen wir um Platz drei.» Und weil das nicht dem Basler Anspruch entspricht, wird die Unruhe um diesen Club weiter wachsen.