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Schweizer IndustriegeschichteDas Krokodil kehrt heim

Die Elektrolokomotive Ce 6/8 II der SBB ist 100 Jahre alt. Eines der letzten Exemplare steht jetzt als Denkmal in Zürich-Oerlikon.

15. Juni 2020: Einzug unter Einbezug der Öffentlichkeit bei der früheren MFO (Maschinenfabrik Oerlikon).
15. Juni 2020: Einzug unter Einbezug der Öffentlichkeit bei der früheren MFO (Maschinenfabrik Oerlikon).
Foto: Daniel Wipf

Wie zwei grosse Schnauzen wirken die Motorenkasten des legendären Krokodils. Deshalb wohl auch der liebevoll gemeinte Kosename. Korrekter wäre die Typenbezeichnung Ce 6/8 II. Sie ist eine Art Code. Das grosse C steht für eine Maximalgeschwindigkeit von 65 km/h. Das kleine e weist daraufhin, dass es sich um eine Elektrolokomotive handelt. Und mit den beiden Zahlen 6 und 8 wird angezeigt: acht Achsen, davon sind sechs angetrieben.

Das Krokodil wurde für die Gotthardstrecke entwickelt. Da diese nach dem Ersten Weltkrieg rasch elektrifiziert wurdeStichwort: Kohleknappheit –, mussten Maschinen her, die präzise Vorgaben bezüglich Zuverlässigkeit, Tempo, Zugkraft und Belastbarkeit erfüllen konnten.

Da die Kurvenradien am Gotthard eng sind, kamen die Ingenieure auf die Idee, Gelenklokomotiven zu bauen. In der Mitte eine Kabine mit der Steuerung und den beiden Führerständen, links und rechts davon die Antriebe. Die Kraft wurde mit Gelenkstangen übertragen, ein System, wie man es noch von den Dampfloks kannte.

Die anderen Tiere dieser Art…

Das Krokodil erfüllte seine Aufgabe derart effektiv, dass die Bauart kopiert wurde. Es gab sowohl ein deutsches (Baureihe E 94) als auch ein österreichisches Krokodil (BBÖ 1100). Und im Luzerner beziehungsweise im aargauischen Seetal fuhr das sogenannte Seetal-Krokodil (De 6/6). Und auch die Rhätische Bahn hatte ein vergleichbares Modell: die braunen Loks mit der Typenbezeichnung Ge 6/6 I, gebaut ab dem Jahr 1921.

Die SBB entwickelten denselben Lok-Typ weiter. Daraus wurden dann die Ce 6/8 III. Nach Umbauten ab 1941 konnte die Maximalgeschwindigkeit der Ce 6/8 II erhöht werden. Aus dem grossen C am Anfang wurde ein B.

Heute sind von den Original-Krokodilen der SBB noch sieben Stück erhalten. Nur eines mit der Nummer 14253 ist noch betriebsfähig. Jenes, das unser Bild zeigt, stand lange in Erstfeld, am Nordfuss der Gotthardstrecke, als Denkmal. Ohne Schutz. Den Elementen ausgesetzt. Nun hat man es restauriert, frisch bemalt, auf einen Tieflader geschoben und letzte Woche nach Zürich-Oerlikon gebracht. Seine Heimat. Dorthin, wo es vor exakt 100 Jahren hergekommen ist.

Es erinnert an die grossen Zeiten der Schweizer Maschinenindustrie. Als Elektrolokomotiven aus heimischer Produktion weltweit bewundert und kopiert wurden. Tempi passati. Streckenlokomotiven für den schweren Güterzugverkehr werden in der Schweiz seit Jahren nicht mehr gebaut. Auch nicht bei Stadler.