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«Das ist doch bloss noch pitoyabel»

«Auf pubertäre Weise kaputtgemacht.» Die No-Billag-Initiative sei eine Bieridee libertärer Jungspunde, sagt Publizist Roger Schawinski.

BaZ: Roger Schawinski, wer sind Sie?

Was meinen Sie mit pubertär?

Weil sie das auch nicht beabsichtigte.

Das stimmt so nicht.

Es stimmt nicht, weil die SVP die No-Billag-Initianten noch darauf hingewiesen hat, die Initiative nicht so extrem zu formulieren.

Fakt ist, dass aus dieser Bieridee etwas geworden ist, das laut Umfragen zwischenzeitlich von 50 Prozent der Bevölkerung, jetzt noch von über 40 Prozent als gute Sache betrachtet wird.

Sie finden, das Volk sollte nicht mehr über Gebühren abstimmen dürfen, weil es zu dumm ist?

Sollen wir also die SRG, etwa wie die Landwirtschaft, subventionieren?

Wollen Sie die Schweizer entmündigen, indem Sie ihnen vorwerfen, sie könnten die Dinge nicht mehr selber beurteilen? Das Volk hat schon über weit komplexere Themen abgestimmt, über die Landwirtschaft, die Krankenkassen.

Ja.

Sie reden jetzt vom politischen Establishment. Das erklärt aber nicht die hohe gesellschaftliche Akzeptanz von No Billag.

Sie sagen, das Schweizer Fernsehen sei ein schützens- und erhaltenswertes. Ist es auch ein gutes?

In Ihrem Buch ist viel die Rede von verkrusteten Strukturen, Machtverhältnissen, Protektionismus und so weiter. Weniger wird die Qualität der SRG thematisiert, aber gerade die Qualität könnte doch ein Faktor sein, der die Leute dazu bringt, ernsthaft zu überlegen, der SRG das Geld zu entziehen?

Das Schweizer Fernsehen hat kein Qualitätsproblem?

Ist es nicht so, dass die SRG ein Programm hauptsächlich für ältere und ländliche Zuschauer macht?

Deshalb wissen wir auch, dass es praktisch unmöglich ist, die Gruppe der 20- bis 30-Jährigen zu gewinnen. Diese Gruppe zieht woanders hin, in die Social Media und so weiter.

Aber gerade eine Lauberhornabfahrt hätte auch bei 3 plus oder Tele Bärn eine gute Quote.

Das heisst aber nicht, dass die Privaten in einem neuen gebührenfreien Umfeld das nicht könnten.

Gerade im Fussball funktioniert mittlerweile Pay-TV ganz erfolgreich.

Die Frage stellt sich, welchen Preis wir für unser Fernsehen bereit sind zu bezahlen.

Das klingt gut. Aber 3+ mit «Bachelorette» etwa macht da mehr.

In jener, die die SRG nicht mehr hat.

Angenommen, die Gebühren würden erhöht, hätten wir dann ein besseres Programm?

Könnte die SRG das? In Ihrem Buch schreiben Sie, das grösste Problem der Branche sei die Kreativität.

Wäre nicht das Einzige, was die SRG aus Ihrer Monopol-Starre befreien würde, eine Wettbewerbssituation?

60:40 – wie würde man so etwas durchbekommen?

Wenn die Initiative keine 40 Prozent schaffen sollte, wird sich wohl gar nichts verändern. Ausser dass die Gebühr ab 2019 auf 365 Franken sinken wird. Und auch die SVP wird wohl mit keinem 200-Franken-Vorschlag kommen.

Wäre die Annahme nicht deshalb ein Gewinn, weil die Schweizer Fernsehlandschaft heute schon gezwungen wäre, auf ein Szenario zu reagieren, das spätestens in 20 Jahren ohnehin Realität sein wird?

Wäre eine Medienlandschaft ohne Gebühren nicht eine Chance für eine neue Generation von «jungen Rogers», von jungen Menschen mit frischen Visionen?

Und 60 Prozent Marktanteil belegen die ausländischen Sender. Könnte man da nicht etwas zurückgewinnen?

Herr Schawinski, haben Sie noch eine Frage?