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Geldberater: Der Marktschrei(b)erDas Geschäft von Lonza läuft auf Hochtouren

Comet hebt ab +++ Emmi ist mehr als Joghurt +++ Bucher erhält einen Schub +++ SGS wird unterschätzt.

Lonzafabrik in Visp: Die Walliser sind führend bei biotechnologisch hergestellten Wirkstoffen und mischen nun auch bei Zell- und Gentherapien ganz vorne mit.
Lonzafabrik in Visp: Die Walliser sind führend bei biotechnologisch hergestellten Wirkstoffen und mischen nun auch bei Zell- und Gentherapien ganz vorne mit.
Foto: Christian Pfammatter

Lonza: Kaufen

Die Aktien von Lonza waren im vergangenen Jahr mit einem Kursanstieg von rund 60 Prozent die grössten Gewinner im Leitindex SMI. Vor acht Monaten hatte ich sie hier bereits zum Kauf empfohlen. Damals waren sie mit einem für 2020 geschätzten Kurs-Gewinn-Verhältnis von 33 gleich teuer wie heute auf Basis der Gewinnschätzung für das laufende Jahr. Seither sind ein paar Aufträge für Corona-Impfstoffe und -Medikamente hinzugekommen, und auch sonst läuft das Geschäft auf Hochtouren. Lonza ist weltweit die grösste Auftragsfertigerin für die Pharmaindustrie und profitiert unter anderem von einem Trend zur Auslagerung der Produktion. Sie ist seit längerem führend bei den biotechnologisch hergestellten Wirkstoffen, mischt nun auch bei Zell- und Gentherapien ganz vorne mit und investiert massiv in die Kapazitäten. Das hat die Profitabilität gegen Ende Jahr etwas gedrückt. Einige Investoren sind deshalb ausgestiegen. Die Aktien haben 4 Prozent verloren. Das lässt sich für einen Zukauf nutzen. Kaufen

Comet: Halten

Halbleiterchips sind gefragt wie nie. Mittlerweile kommt es zu Lieferengpässen, die die Produktion von Spielkonsolen und Mobiltelefonen verzögern. Die Halbleiterhersteller bauen daher Kapazitäten auf. Das ist eine ausgesprochen gute Entwicklung für das Technologieunternehmen Comet, das auf prozesskritische Komponenten für die Produktion von Halbleitern spezialisiert ist. Das Geschäftsjahr 2020 endete für das Unternehmen aus Flamatt FR mit einem kräftigen Umsatzplus in Lokalwährungen. Der Gewinn lag mit 131 Prozent über dem Vorjahr, was eine gute Kostenkontrolle widerspiegelt. Ein Ende der allumfassenden Digitalisierung ist nicht in Sicht. Daher wird die Nachfrage nach Halbleitern weiter steigen und dem ­Zulieferer Comet weitere Wachstumschancen bieten. Dessen Valoren, die in den letzten zwölf Monaten um rund zwei Drittel zulegten, werden immer attraktiver. Die Bewertung ist allerdings mit einem Kurs-Gewinn-Verhältnis von 46 für das laufende Jahr sehr hoch, sollte aber mit steigender Profitabilität in durchschnittlichere Regionen zurückkommen. Halten

Emmi: Dosiert kaufen

Wer diese Kolumne regelmässig liest, weiss, Emmi gefällt mir. Das Unternehmen arbeitet im eigentlich langweiligen Geschäft der Milchverarbeitung und schafft es dennoch, sich seit Jahren ständig zu verbessern. Viel davon schreibe ich dem Management rund um Chef Urs Riedener zu. Er scheint mit Marken wie Caffè Latte oder Kaltbach nicht nur ein Gespür für den Markt zu haben. Er und sein Team sorgen offenbar auch für ein angenehmes Arbeitsumfeld. Das allein macht natürlich nicht erfolgreich – insbesondere nicht in einem so umkämpften Markt wie jenem von Milchprodukten. Doch die Luzerner sind sehr breit aufgestellt. Einerseits punkten sie bei Produkten in Nischen wie Ziegenkäse und Biomilch, andererseits geografisch, also über den Heimmarkt Schweiz hinaus. In Letzterem erwirtschaftet Emmi mittlerweile klar weniger als die Hälfte des Umsatzes. Das hat das Unternehmen gut durch die Krise gebracht. Der starke Absatz in den Supermärkten konnte das Minus im schwierigen Foodservice­geschäft mehr als kompensieren. An der Börse ist der Erfolg kein Geheimnis geblieben, die Aktien sind nicht mehr günstig, aber langfristig eine gute Inves­tition. Dosiert kaufen

Bucher: Abwarten

Auch die Aktien von Bucher habe ich immer etwas im Auge. Die Industriegruppe mit Schwergewicht Landmaschinen hat im zweiten Halbjahr eine rasante Erholung hingelegt. Das Minus von 20 Prozent im Auftragseingang per Mitte Jahr konnte bis Ende Jahr auf 6 Prozent verringert werden. Bereinigt um Währungseinflüsse und Akquisitionen schaffte es Bucher gar, fast den Vorjahresstand zu erreichen. Der Auftrieb im zweiten Halbjahr ging vor allem von der Landtechniksparte Kuhn Group aus, die für das Gesamtjahr ein Bestellungsplus von 13 Prozent (bereinigt gar +22 Prozent) verzeichnet. Damit kamen gar mehr Bestellungen herein als im bisherigen Spitzenjahr 2013. Der Schub zeigt, dass die Agrarwirtschaft nach mehreren Jahren Flaute einen kräftigen Aufschwung erfährt, angetrieben auch durch die seit Herbst deutlich gestiegenen Preise für wichtige Feldfrüchte wie Soja, Mais und Weizen. Dennoch bleibt Bucher vorsichtig für 2021 und erwartet nur eine leichte Margensteigerung. Die Aktien haben seit Anfang 2020 rund 25 Prozent zugelegt und notieren damit deutlich höher als vor Corona. Abwarten

SGS: Kaufen

Anders beim Prüf- und Inspektionskonzern SGS. Er erhält an der Börse nicht immer die Beachtung, die er eigentlich verdient. Im vergangenen Jahr nahmen Umsatz und Gewinn im erwartet deutlichen Ausmass ab. Im Dezember kehrte aber das Wachstum zurück, und das positive Momentum setzte in allen Divisionen ein. In der Region Asien/Pazifik, die am frühesten aus der coronabedingten Rezession herausfand, resultierte auf Jahresbasis ein nur geringes Umsatzminus. Wichtige Märkte wie China, Taiwan, Korea oder ­Vietnam entwickelten sich sogar positiv. Damit hebt sich SGS noch nicht heraus, denn manche Gesellschaften rapportieren einen ähn­lichen Geschäftsverlauf. Im Unterschied zu vielen anderen gelang es dem Branchenprimus jedoch, die operative Marge trotz weniger Geschäft auf dem Vorjahresniveau zu halten. Davon leite ich ab, dass die Ertragskraft bei anziehendem Geschäft ausgeweitet werden kann. Gleichzeitig besteht Spielraum für weitere Zukäufe, die das Management für das laufende Jahr auch in Aussicht stellt. Alles Indizien, dass die Aufmerksamkeit der Anleger zunehmen könnte. Kaufen

Diese Kolumne wird von den Redaktorinnen und Redaktoren der «Finanz und Wirtschaft» verfasst. Sie haben sich verpflichtet, nicht in den entsprechenden Titeln aktiv zu sein. Wer die Tipps dieser Kolumne umsetzt, tut das auf eigenes Risiko. Die SonntagsZeitung übernimmt keine Verantwortung.