Zum Hauptinhalt springen

Im Laden«Das Buch ist noch lange nicht ausgestorben»

Im Buchladen von Yvonne Peyer schweben Leseverrückte im siebten Himmel. Vor allem Junge greifen dort wieder vermehrt zu analogen Büchern.

Yvonne Peyer im Olymp & Hades bei ihrer liebsten Tätigkeit: Dem Lesen.
Yvonne Peyer im Olymp & Hades bei ihrer liebsten Tätigkeit: Dem Lesen.
Foto: Nicole Pont

«Leseratte» heisst gemäss Lexikon so viel wie «Vielleserin» oder «Büchernärrin»: Guten Gewissens könnte man als weiteres Synonym den Namen Yvonne Peyer anfügen. Sie ist die Definition einer Leseratte. So habe sie sich bereits als Kind tagelang weggeschlossen, um die neusten Bücher zu verschlingen. «Schon damals habe ich extrem gerne gelesen. Bücher haben mich fasziniert und tun es noch immer. Zu meinen Lieblingen gehört Effi Briest von Theodor Fontane», sagt die Buchhändlerin, die im Neubadquartier den Laden Olymp & Hades führt. «Ich habe es mehrmals gelesen – und das tue ich sonst nie.» «Effi Briest» aus dem Jahr 1896 gilt als Paradebeispiel für den deutschen Realismus, also für den möglichst objektiven Erzählstil. Nicht nur fasziniere sie das literarische Werk, sondern auch das Drumherum: «Die Zeit, in der Fontane gelebt hat, seine Biografie, die Gegend. Ich bin gar bei Brandenburg auf seinen Spuren gewandert, wollte alles über ihn und seinen Hintergrund erfahren.» Die damit gewonnenen Informationen eröffneten ihr eine neue Welt. «Wie eine Blume, die langsam aufgeht.»

Die Quartierbuchhandlung war nicht immer im Neubad verankert. «Vor 28 Jahren habe ich meinen Laden an der Gerbergasse in der Innenstadt eröffnet», erinnert sich Peyer. «Dort entstand auch der Name Olymp & Hades – denn der Laden zog sich von einem Obergeschoss über das Parterre bis in den Keller. Unten war der Hades, oben der Olymp. Der Name ist vor sieben Jahren mit uns umgezogen. Auch wenn wir hier nur auf einem Stockwerk Bücher verkaufen – und keine Mythologie», so Peyer mit einem Lachen. An der Gerbergasse wurde die Miete zuletzt immer teurer, darum entschloss sie sich, ins Neubad zurückzukehren. Dorthin, wo sie selber aufgewachsen war. Heute finden Bücherwürmer im Olymp & Hades internationale Literatur in Englisch, Französisch oder Deutsch, weiter auch Lyrik, Belletristik sowie Bücher für Kinder und Jugendliche. «Zudem helfen wir auf Wunsch, vergriffene oder antiquarische Bücher aufzutreiben», sagt Yvonne Peyer. Auch E-Books oder Hörbücher gibt es im Angebot. «Erstere sind bei Kunden, die in die Ferien gehen, besonders beliebt. Vor allem junge Leser greifen in meinem Laden hingegen lieber zu den klassischen Büchern.» Woran das liegt? «Vermutlich spielt sich bei den Jungen sonst schon so vieles online ab, dass sie zur Abwechslung in ihrer Freizeit lieber ein Buch lesen. Das Buch ist also noch lange nicht ausgestorben», sagt sie.

Natürlich habe sie ihr Sortiment an das Quartierleben anpassen müssen. «Heute verkaufen wir auch Papeterieware, Geschenkartikel oder Garten- und Familienbücher.» Und es bleibt – anders als in der Innenstadt – auch ab und zu Zeit für einen Schwatz mit den Kunden. «Hier im Quartier ist alles persönlicher und familiärer, die Kundschaft reicht vom Buschi bis zum Hochbetagten.»

Krimis gegen den Lesehunger

Welches Buch liegt denn auf Peyers eigenem Nachttisch? «‹Ich bleibe hiervon Marco Balzano. Es spielt zur Zeit des Zweiten Weltkriegs in Südtirol.» Die Hauptfigur Trina, eine Lehrerin, wird darin vor die Wahl gestellt, ob sie nach Deutschland auswandern oder als Bürgerin zweiter Klasse unter den Faschisten weiterleben will. Sie bleibt in ihrer Heimat, doch ihr wird das Arbeiten verboten. «Trina beginnt, im Geheimen zu unterrichten, und leistet Widerstand, als das Dorf für einen Stausee geflutet werden soll», umreisst Peyer den Plot des für den italienischen Literaturpreis Premio Strega nominierten Buches.

Zwischen solch literarische Kost quetsche sie jeweils ein, zwei Krimis; «zur Abwechslung», wie sie sagt. Was in ihrem Buchladen diesbezüglich besonders Anklang findet, sind Basler Krimis wie etwa der Kommissär Hunkeler oder aber die Bücher von Sandra Hughes, die im Tessin spielen.

Fünf- bis sechsmal im Jahr veranstaltet Peyer mit einer Kollegin einen Lesezirkel in der Buchhandlung. Interessierte können zum Preis von 20 Franken teilnehmen und über ein ausgewähltes Buch diskutieren, Apéro inklusive. So stillt Yvonne Peyer also nicht nur ihren eigenen Lesehunger, sondern auch jenen ihrer Kunden.

Olymp & Hades, Neubadstrasse 140, Basel. Geöffnet Mo–Fr 8.30–12 Uhr, 13.45–18.30 Uhr
und Sa 8.30
17 Uhr. https://www.olympundhades.ch/