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Taulant Xhaka und die Sache mit den Emotionen

Der Mittelfeld-Fighter weckt seine Mitspieler – aber ganz anders, als er will.

Ein Arbeiter, ein Kämpfer. Taulant Xhaka soll Emotionen ins Team bringen, muss den Platz aber frühzeitig verlassen.
Ein Arbeiter, ein Kämpfer. Taulant Xhaka soll Emotionen ins Team bringen, muss den Platz aber frühzeitig verlassen.
Keystone

Im ersten Moment ist da natürlich Empörung. So wie Empörung bei einem Pfiff gegen die eigene Mannschaft ja ohnehin im Fussball fast schon zum Standardprogramm gehört. Und dass ein bisschen mehr Empörung ist, wenn es ein Entscheid von einer gewissen Tragweite ist, kommt auch nicht überraschend.

Der Erste, der zetert, ist der Direktbetroffene: Taulant Xhaka kann nicht verstehen, dass ihm Referee Lionel Tschudi die Gelbe Karte gezeigt hat – und erst recht nicht, dass er dies zum Ende der ersten Halbzeit schon zum zweiten Mal tut, worauf auch der rote Karton inklusive Platzverweis folgt.

Dann beansprucht auch Fabian Frei noch die Aufmerksamkeit des Schiedsrichters. Wie ein Tourist, der in einem exotischen Land in einer ihm gänzlich unbekannten Sprache kommunizieren müsste, versucht der Captain des FC Basel, dem Unparteiischen mit Händen und Füssen zu verstehen zu geben, dass das vorangegangene Kopfball-Duell Xhakas mit Basil Stillhart wohl so etwas wie eine Allerwelts-Situation und damit folglich schlimmstenfalls ein Allerwelts-Foul gewesen sei.

Und dann? Dann geht Xhaka einfach in Richtung Senftube und verlässt das Spiel. Ohne weiteres Gezeter. Ohne Gesten. Nur in Gedanken versunken. Weil er weiss, dass er seinen Gegenspieler mit dem Ellbogen am Kopf getroffen hat. Weil er weiss, dass dies gemäss Regelwerk eine Gelbe Karte zur Folge hat und er sich in Anbetracht seiner vorangegangenen Verwarnung nicht eben clever verhalten hat. Weil er weiss, dass es da auch keine Rolle spielt, dass es schon oft Refs gab, die in diesen Situationen trotzdem nicht Gelb zückten. Und weil er weiss, dass er an diesem Tag seinen Job irgendwie so gemacht hat, wie das gedacht war – und irgendwie auch ganz und gar nicht.

Schmerzlich vermisst

Taulant Xhaka ist kein filigraner Mittelfeldspieler. Er ist kein Naturtalent. Sondern er ist ein Arbeiter. Ein Kämpfer. Ein Mann der Emotionen. Und Männer mit Emotionen sind am Donnerstag bei der kapitalen 0:1-Niederlage gegen Apollon Limassol in den Playoffs der Europa League schmerzlich vermisst worden. Xhaka hat 90 Minuten von der Bank aus zugeschaut. Und dass er nach den Erfahrungswerten aus jener Partie wieder in die Startformation rutschen würde, war vorhersehbar.

Taulant Xhaka soll im Heimspiel gegen den FC Thun Emotionen bringen. Taulant Xhaka soll die Mitspieler wecken. Und Taulant Xhaka tut, wozu er bestimmt ist – einfach nicht ganz so, wie er sich das vorgenommen hat.

Schon nach 19 Minuten holt er sich mit einem harten Foul gegen Marvin Spielmann die erste, diskussionslose Verwarnung dieser Partie. Und dann, in der Nachspielzeit der ersten Halbzeit, ist das Mass an Xhaka-Emotionen übervoll, als er in der Luft seinen Arm ausfährt und sein Ellbogen trifft. Typisch Xhaka, denken gewiss nicht wenige – und werden sich an den einen oder anderen Platzverweis des bissigen Aufbauers erinnern. Und vergessen dabei, dass es für Xhaka-Verhältnisse beachtlich lange her ist, seit er letztmals des Feldes verwiesen wurde: Es ist fast eineinhalb Jahre her, als er im Cup gegen den FC Zürich Gelb-Rot sah – es war sein einziger direkter Ausschluss in den vergangenen zwei Spielzeiten.

Gar nicht vermisst

Der FC Basel hat eine Minute zuvor das 1:1 erzielt. Er hat sich gegen Ende einer harzigen ersten Hälfte also die Basis geschaffen, um sich in Umgang zwei den wichtigen Heimsieg zu holen. Und nun scheint alles vergebens.

Die Vorahnung erweist sich als halber Trugschluss. Der FC Basel wird diese Partie nicht gewinnen. Aber der FC Basel macht in Unterzahl das, was man vom FC Basel in dieser Saison noch nicht oft gesehen hat: eine komplette Halbzeit lang ein gutes Spiel. Thun findet nie ein Rezept, um die numerische Überlegenheit in ein optisches Übergewicht umzumünzen. Und schon gar nicht findet Thun weitere Torchancen. Ganz im Gegenteil: Diese findet der FCB, auch wenn er nicht mehr reüssiert.

Als alles vorbei ist, da fragt man sich, warum das so ist. Warum jetzt dieser Xhaka mit seinen Emotionen in der zweiten Halbzeit gar nicht so wirklich gefehlt hat, nachdem man ihn doch in der Partie zuvor so sehr vermisst hat. Warum es in Unterzahl besser geht als mit elf Spielern. Warum es offenbar einen Platzverweis gegen einen Mitspieler braucht, damit die anderen im rotblauen Trikot aufwachen. Kämpfen. Mutig spielen. Den Sieg suchen.

Und man fragt sich auch, was nun wirklich das Potenzial dieser Mannschaft ist – und wie lange es geht, bis man darauf die Antwort kennt.

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