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Coronavirus weltweit+++ Macron kündigt neuen Lockdown ab Freitag an +++ Deutschland beschliesst massive Einschränkungen

Mit Ausgangsbeschränkungen im ganzen Land verschärft Frankreich seinen Kampf gegen die zweite Welle der Pandemie. Deutschland zählt fast 15'000 neue Fälle. Internationale Corona-News im Ticker.

Das Wichtigste in Kürze:

  • In vielen Ländern grassiert Covid-19 so stark wie im Frühjahr, fast ein Drittel aller Neuinfektionen entfällt auf Europa.

  • Die USA bleiben mit über 8 Millionen Infizierten punkto Gesamtzahlen das am stärksten betroffene Land.

  • Weltweit haben sich bisher mehr als 43 Millionen Menschen mit Sars-CoV-2 angesteckt.

  • Mehr als eine Million Menschen sind an oder mit dem Virus gestorben.

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Macron gibt mehr als 36'000 Neuinfektionen bekannt

Mit strikten Ausgangsbeschränkungen im ganzen Land verschärft Frankreich seinen Kampf gegen die zweite Welle der Corona-Pandemie. Die Beschränkungen sollen von Freitag an gelten, kündigte Staatschef Emmanuel Macron am Mittwochabend in einer Fernsehansprache an.

Der 42-Jährige machte deutlich, dass die Beschränkungen weniger streng sind als im Frühjahr, als das öffentliche Leben des Landes weitgehend lahmgelegt wurde. So sollen die Schulen geöffnet bleiben. Bars, Restaurants und «nicht unentbehrliche Geschäfte» müssen jedoch schliessen. Die im Frühjahr üblichen Ausgangsbescheinigungen für Bürger sollen wiederkommen. Auch Reisen in andere Regionen des Landes sind nicht ohne Weiteres möglich – für die Rückkehr aus den Herbstferien soll es am Wochenende aber Ausnahmen geben.

Greift härter durch als andere europäische Länder: Frankreichs Präsident Emmanuel Macron.REUTERS/Pascal Rossignol
Greift härter durch als andere europäische Länder: Frankreichs Präsident Emmanuel Macron.REUTERS/Pascal Rossignol
Foto: Pascal Rossignol (Reuters)

Die Menschen sollen weiter arbeiten können, dabei hat die Heimarbeit Priorität. Die Massnahmen sind zunächst bis zum 1. Dezember befristet. «Bleiben Sie so weit wie möglich zu Hause. Respektieren Sie die Regeln», appellierte Macron an seine Landsleute. Er benutzte im Französischen den Ausdruck «confinement», was man auch mit Lockdown übersetzt werden kann.

Macron machte deutlich, dass die Lage dramatisch ist. «Wir werden von der Beschleunigung der Epidemie überrollt», sagte er. Die Entwicklung trifft auch andere europäische Länder. Er kündigte für Donnerstag eine Debatte und eine Abstimmung im Parlament an.

Die neuen Einschränkungen treffen die rund 67 Millionen Franzosen nicht unerwartet. Regierungssprecher Gabriel Attal hatte bereits vor der Rede des Staatschefs eine «neue Etappe» in Aussicht gestellt. «Die zweite Welle ist da», sagte der Sprecher nach einer Kabinettssitzung. Es müsse alles getan werden, um nicht von dieser Welle überrollt zu werden. Macron beriet zudem zwei Mal innerhalb von zwei Tagen in einem nationalen Sicherheitsrat über die Corona-Lage.

Die Anzahl der mit dem Coronavirus in Verbindung gebrachten Todesfälle stieg deutlich – am Dienstagabend meldeten die Behörden 523. Damit wurde wieder das hohe Niveau vom April erreicht. Am Mittwochabend sprachen die Behörden von 244 Toten, die Gesamtzahl liegt nun bei fast 35'800.

Lesetipp: 2. Welle: Schweiz im Europa-Vergleich – Deutschland reagiert heftig, Frankreich und Holland fahren runter

Massive Einschränkungen in Deutschland beschlossen

Bund und Länder haben sich in Deutschland bei ihrem Corona-Krisengespräch am Mittwoch auf vorübergehende massive Beschränkungen des öffentlichen Lebens verständigt.

Angesichts deutlich gestiegener Corona-Infektionszahlen sollen sich ab kommendem Montag in der Öffentlichkeit nur noch Angehörige des eigenen und eines weiteren Hausstandes mit maximal zehn Personen gemeinsam aufhalten dürfen, wie die Deutsche Presse-Agentur am Mittwoch aus den Beratungen von Kanzlerin Angela Merkel mit den Ministerpräsidenten der Länder erfuhr. Zuerst hatte die «Bild»-Zeitung über diese Einigung berichtet.

Will mit drastischen Kontaktbeschränkungen die massiv steigenden Corona-Infektionszahlen in den Griff bekommen: Bundeskanzlerin Angela Merkel.
Will mit drastischen Kontaktbeschränkungen die massiv steigenden Corona-Infektionszahlen in den Griff bekommen: Bundeskanzlerin Angela Merkel.
Foto: Kay Nietfeld (Keystone via DPA)

Gastronomiebetriebe sollen zudem vom 2. November an für den restlichen Monat schliessen, wie die dpa aus den Beratungen erfuhr. Zuerst hatte die Funke Mediengruppe darüber berichtet. Davon ausgenommen sein soll die Lieferung und Abholung von Speisen für den Verzehr zu Hause, Kantinen sollen offen bleiben dürfen.

Bundesliga ohne Zuschauer

Profisport, dazu zählt auch die Bundesliga, soll im November nur noch ohne Zuschauer stattfinden. Veranstaltungen, die der Unterhaltung und der Freizeit dienen, wollen Bund und Länder ab nächster Woche bis Ende November deutschlandweit weitgehend untersagen. Das betrifft etwa Theater, Opern oder Konzerthäuser. Die Regelung betreffe auch den Freizeit- und Amateursportbetrieb, Individualsport soll ausgenommen werden.

Offen bleiben sollen Schulen, Kindergärten sowie Gross- und Einzelhandel. Hintergrund für die geplanten Massnahmen ist die stark gestiegene Zahl der täglich festgestellten Neuinfektionen. Die Gesundheitsämter meldeten nach Angaben des Robert Koch-Instituts von Mittwochmorgen 14'964 Corona-Neuinfektionen binnen eines Tages.

Hier geht es zu unserem Corona-Dashboard mit allen Zahlen.

New Yorks Geschäfte dürfen auf Bürgersteige ausweichen

In der Coronavirus-Pandemie dürfen sich die Geschäfte in New York demnächst auch auf die Bürgersteige ausbreiten. Ab Freitag und zunächst bis zum Ende des Jahres dürften die Läden einen Teil der Bürgersteige davor für die Ausstellung und den Verkauf von Waren, für Warteschlangen oder zur Abwicklung der Bezahlung nutzen, teilte Bürgermeister Bill de Blasio am Mittwoch mit. Das solle sie in der Krise unterstützten.

Im Sommer hatte die Stadt bereits den Restaurants, Cafés und Bars erlaubt, Essen und Getränke vor der Tür zu servieren. Das Programm gilt als grosser Erfolg und soll bleiben. Die Millionenmetropole New York war im Frühjahr zum Epizentrum der Pandemie in den USA geworden. Inzwischen hat sich das Neuinfektionsgeschehen dort stabilisiert, war zuletzt aber wieder leicht angestiegen.

Fast 20'000 neue Positiv-Tests in Spanien – 168 weitere Tote

Spanien meldet 19'765 neue Positiv-Tests und damit etwas mehr als am Tag zuvor. Die Gesamtzahl steigt damit auf mehr als 1,136 Millionen, wie das Gesundheitsministerium mitteilt. Die Zahl der Todesfälle erhöht sich um 168 auf 35'466. Am Dienstag hatte es hier mit 267 Todesfällen den grössten Anstieg binnen eines Tages seit Beginn der zweiten Corona-Welle gegeben.

Fast 25'000 Corona-Neuinfektionen in Italien

In Italien hat die Anzahl der binnen eines Tages gemeldeten Corona-Neuinfektionen fast die Marke von 25 000 erreicht. Wie die Behörden in Rom am Mittwoch mitteilten, wurden 24 991 neue Corona-Fälle registriert. In dem Land mit seinen rund 60 Millionen Einwohnern starben in 24 Stunden zudem 205 Menschen mit oder an dem Virus. Erst am Sonntag war in Italien die Schwelle von 20 000 Neuinfektionen überschritten worden.

Seit Beginn der Pandemie im Februar gab es in dem Mittelmeerland nun fast 590'000 bestätigte Infektionen mit dem Virus Sars-CoV-2. Die Zahl der Corona-Toten stieg auf 37 905.

Die Regierung hatte unlängst verschärfte Schutzmassnahmen wie der Schliessung aller Lokale am 18.00 Uhr abends verfügt. Kinos und Theater bleiben seit Montag zu. Wirtschaftliche Ausfälle bei Firmen und Beschäftigten sollen mit neuen Milliardenhilfen gemildert werden. Gegen die Politik der Mitte-Links-Regierung von Ministerpräsident Giuseppe Conte gibt es vielerorts im Land Proteste.

Schweden meldet Rekordwert bei Neuinfektionen

In Schweden melden die Gesundheitsbehörden 1980 neue Corona-Fälle. Das ist der höchste Wert Zahl seit Ausbruch der Pandemie. Die Zahl der Corona-Toten steigt um neun auf 5927.

Experte: Schon tausend Corona-Tote pro Tag in Europa

Die Anzahl der Toten wegen Corona hat in Europa nach Aussage eines Experten drastisch zugenommen. «Letzte Woche lag die Zahl um ein Drittel höher als in der Vorwoche, das bedeutet, dass rund 1000 Menschen jeden Tag an Covid sterben», sagte Peter Piot, Sonderberater der EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen bei der Bekämpfung des Coronavirus, am Mittwoch in Brüssel. «Die Lage ist sehr ernst und sie droht, noch schlimmer zu werden, wenn wir nicht dringende und drastische Massnahmen ergreifen», fügte er hinzu.

Piot forderte, dass noch viel mehr Menschen in Europa einen Mund-Nasen-Schutz tragen. «Wir müssen bei rund 95 Prozent statt jetzt 60 Prozent ankommen; das kann Hunderttausende Leben retten, wenn wir das tun», sagte er.

Langfristige Anstrengungen seien notwendig im Kampf gegen die Pandemie. Es müsse ein sicherer Impfstoff in ausreichender Menge entwickelt werden. Man dürfe auch nicht Gesundheitsschutz und Wirtschaft gegeneinander ausspielen. Nur wenn die Pandemie besiegt werde, könne die Wirtschaft florieren.

Lage in Russland verschlimmert sich

In Russland verschlechtert sich die Lage des Gesundheitssystems nach Einschätzung der Regierung wegen der rasch steigenden Infektionszahlen immer mehr. In 16 Regionen sei die Situation kritisch, sagt Vize-Ministerpräsidentin Tatiana Golikowa bei Beratungen von Regierungsmitgliedern und Präsident Wladimir Putin.

Dort seien die Krankenhausbetten zu 90 Prozent belegt. Das Verteidigungsministerium hat angekündigt, es werde Mediziner der Armee in den Ural schicken, um dort den überlasteten Ärzten zu helfen.

Ein Impfstoff auf der Insel vor Weihnachten?

In Grossbritannien könnte noch vor Weihnachten ein Corona-Impfstoff eingeführt und einigen Menschen zur Verfügung gestellt werden. Ein Start der Impfungen Anfang kommenden Jahres sei aber wahrscheinlicher, sagt Kate Bingham, die für die Beschaffung von Impfstoffen zuständig ist, der BBC. «Wenn die ersten beiden Impfstoffe oder einer von beiden zeigen, dass sie sicher und wirksam sind, ist es möglich, dass ihre Ausgabe vor Weihnachten beginnt.» Wenn nicht, sei die Einführung Anfang 2021 realistischer.

Neuer Tagesrekord in Polen

In Polen hat die Zahl der täglichen Neuinfektionen mit dem Coronavirus erstmals die Marke von 18'000 überschritten. Innerhalb von 24 Stunden kamen 18'820 neue Fälle hinzu, die meisten davon (rund 2800) in der Region Grosspolen im Westen das Landes. Das teilte das polnische Gesundheitsministerium am Mittwoch mit. Im gleichen Zeitraum starben 236 Menschen in Zusammenhang mit dem Virus.

Der bisherige Rekordwert war mit 16 '300 Fällen erst am Dienstag erreicht worden. Seit Beginn der Pandemie gab es in Polen 4851 Todesfälle in Verbindung mit einer Covid-19-Erkrankung. Das Land hat rund 38 Millionen Einwohner.

Alarmierende Zahlen in Deutschland

Die deutschen Gesundheitsämter haben nach Angaben des Robert Koch-Instituts von Mittwochmorgen 14'964 Corona-Neuinfektionen binnen eines Tages gemeldet – das ist ein Rekord seit Beginn der Pandemie.

Die Werte sind mit denen aus dem Frühjahr allerdings nur bedingt vergleichbar, da inzwischen deutlich mehr getestet wird und dadurch auch mehr Infektionen entdeckt werden. Am Mittwoch vor einer Woche hatte die Zahl bei 7595 gelegen. Am Samstag war mit 14'714 Neuinfektionen der bisherige Höchstwert seit Beginn der Corona-Pandemie in Deutschland verzeichnet worden.

Die Gesamtzahl der Corona-Fälle in Deutschland wurde auf der Homepage des Robert Koch-Instituts zunächst nicht aktualisiert. Am Dienstag lag sie bei 449'275. Die Zahl der Todesfälle wurde ebenfalls nicht aktualisiert, sie lag mit Stand Dienstag bei 10'098.

Die Zahl der Ansteckungen pro 100'000 Einwohner in den vergangenen sieben Tagen lag bundesweit am Dienstag bei 87. In der Woche zuvor (20.10.) hatte das RKI eine Inzidenz von 48,6 Fällen gemeldet. Nach RKI-Angaben haben rund 70 Prozent der Kreise eine Inzidenz von über 50, acht Kreise liegen nach diesen Angaben sogar bei über 200.

Die Reproduktionszahl, kurz R-Wert, lag in Deutschland laut RKI-Lagebericht vom Dienstag bei 1,17 (Vortag: 1,37). Das bedeutet, dass zehn Infizierte knapp 12 weitere Menschen anstecken. Der R-Wert bildet jeweils das Infektionsgeschehen etwa eineinhalb Wochen zuvor ab.

Macron spricht zur Nation

Im Kampf gegen die zweite Welle der Corona-Epidemie will die französische Regierung die Schraube weiter anziehen Neue Massnahmen seien unerlässlich, teilte Premierminister Jean Castex am Dienstagabend auf Twitter mit. Ins Detail ging er dabei nicht. Staatschef Emmanuel Macron werde sich am Mittwochabend an seine Landsleute wenden, hiess es in Kreisen des Élyséepalastes ohne weitere Einzelheiten.

In Frankreich wird über eine mögliche Ausweitung der bereits geltenden nächtlichen Ausgangssperre in 54 Départements oder einen Lockdown spekuliert, also eine weitere Einschränkung des öffentlichen Lebens – entweder auf nationaler Ebene oder in einzelnen, besonders betroffenen Regionen. Regierungschef Castex kündigte für Donnerstag eine Erklärung im Parlament an.

Emmanuel Macron wird sich einmal mehr im TV an die Nation wenden.
Emmanuel Macron wird sich einmal mehr im TV an die Nation wenden.
Foto: Guillaume Horcajuelo (Keystone/Archiv)

Die Corona-Lage verschlechtert sich in dem Land mit 67 Millionen Einwohnern seit Wochen dramatisch. Die Zahl der Neuinfektionen erreichte in der vergangenen Woche mehrmals Spitzenwerte. Auch die Zahl der mit dem Coronavirus Infizierten Todesopfer binnen 24 Stunden stieg stark an – am Dienstagabend meldeten die Behörden 523. Damit wurde wieder das hohe Niveau vom April erreicht. Die Gesamtzahl der Todesopfer liegt nun bei 35'500. Am Sonntagabend wurden erstmals seit Beginn der grossflächigen Testungen mehr als 52'000 Ansteckungen innerhalb von 24 Stunden erfasst. Es gilt bereits eine nächtliche Ausgangssperre für rund zwei Drittel der Einwohner, also rund 46 Millionen Menschen.

Mehr als 43,7 Millionen Infizierte auf der Welt

Weltweit haben sich mehr als 43,72 Millionen Menschen nachweislich mit dem Coronavirus angesteckt. Das ergibt eine Reuters-Erhebung auf Basis offizieller Daten. Demnach starben mehr als 1,16 Millionen Menschen in Zusammenhang mit dem Virus. Bei den Infektionen sind die USA bezüglich der Gesamtzahl am stärksten betroffen, gefolgt von Indien, Brasilien und Russland.

Lockdown in Victoria aufgehoben

Der Bundesstaat Victoria im Südosten Australiens hat nach mehreren Monaten seinen Corona-Lockdown aufgehoben. Seit Mittwoch dürfen Geschäfte, Bars, Cafés und Restaurants wieder öffnen. Die strengen Auflagen galten seit Anfang August. Auch dürfen die Bürger wieder ohne grössere Auflagen ihre Häuser verlassen. Das gilt für die rund 4,9 Millionen Bürger der Hauptstadt Melbourne zunächst jedoch nur eingeschränkt: Sie dürfen sich nun in einem Umkreis von 25 Kilometern um ihr Zuhause bewegen – diese Beschränkung soll erst am 8. November aufgehoben werden. Zuvor waren es nur fünf Kilometer.

Die Ausgangsbeschränkung für die Menschen in Melbourne zählte zu den weltweit am längsten dauernden: Sie war bereits Anfang Juli eingeführt worden und galt damit 112 Tage. Damals waren fast 200 Neuinfektionen pro Tag registriert worden. Die Zahl stieg dann im August auf 700, bevor im Bundesstaat der Notstand ausgerufen wurde. Die Zentralregierung in Canberra hatte die extrem strengen Regeln, unter anderem ein zwei Monate geltendes nächtliches Ausgehverbot, scharf kritisiert. Erst Ende vergangener Woche hatten Hunderte Menschen in Melbourne gegen die Einschränkungen protestiert. Dabei kam es auch zu Zusammenstössen mit der Polizei.

Spanien meldet höchste Zahl an Corona-Toten seit Monaten

In Spanien sind innerhalb eines Tages so viele Todesfälle nach einer Infektion mit dem Coronavirus erfasst worden wie seit einem halben Jahr nicht mehr. Binnen 24 Stunden seien aus den Regionen insgesamt 267 Todesfälle in Zusammenhang mit dem Virus Sars-CoV-2 gemeldet worden, teilte das Gesundheitsministerium am Dienstagabend in Madrid mit. Die höchste Werte waren in Spanien Ende März und Anfang April mit zum Teil deutlich mehr als 900 Toten innerhalb eines Tages registriert worden.

Die Gesamtzahl der Todesopfer im Zusammenhang mit Covid-19 belief sich auf 35'298. Die Zahl der nachgewiesenen Infektionen kletterte unterdessen um 18'418 auf gut 1,1 Millionen.

Wegen der rapide steigenden Infektionszahlen hatte die Regierung am Sonntag den nationalen Notstand ausgerufen und praktisch im gesamten Land eine nächtliche Ausgangssperre verhängt. Lediglich die im Kampf gegen Corona zuletzt erfolgreichen Kanarischen Inseln sind davon ausgenommen. Der Notstand gilt zunächst für zwei Wochen. Die linke Regierung will am Donnerstag im Parlament gleich eine Verlängerung um sechs Monate beantragen. Gegen einen so langen Notstand haben sich unterdessen neben der konservativen Opposition auch Regionalparteien und Unternehmerverbände ausgesprochen.

Erwägt Frankreich einmonatigen Lockdown?

Angesichts steigender Coronavirus-Fallzahlen und einer drohenden Überlastung des Gesundheitswesens erwägt die französische Regierung einem Medienbericht zufolge einen einmonatigen Lockdown. Dieser könne ab Mitternacht am Donnerstag greifen, berichtete der Sender BFM TV am Dienstagabend. Dabei würden jedoch weniger strenge Einschränkungen gelten als im März. Zuvor hatte das Büro von Emmanuel Macron angekündigt, der Präsident werde sich am Mittwochabend in einer Fernsehansprache an das Volk wenden. Zum Inhalt wurde zunächst nichts bekannt. Allerdings wurden in der Vergangenheit bei derartigen Gelegenheiten neue Beschränkungen bekanntgeben.

Die französischen Behörden gaben am Dienstag 523 weitere Todesfälle bekannt – grob doppelt so viele wie am Vortag. Zum Vergleich: Das Robert-Koch Institut (RKI) hatte in der Nacht zuvor für Deutschland 42 tödliche Verläufe verzeichnet bei einer grösseren Bevölkerung. Zudem wurden in Frankreich zuletzt 33'417 Neuinfektionen verzeichnet. Abgeordnete berichteten von einem Gespräch mit Ministerpräsident Jean Castex, in dem er vor einer Überfüllung der Krankenhäuser gewarnt habe, wenn keine neuen Massnahmen ergriffen würden. Die Situation sei besonders ernst, sagte Andre Chassaigne nach dem Treffen. «Wenn wir die Kurve nicht abflachen können, können unsere Krankenhäuser in 15 Tagen keine Patienten mehr behandeln.»

Gewalt und Festnahmen bei Protesten in Italien

Bei Protesten gegen die Regierungsmassnahmen zur Eindämmung der Corona-Pandemie in Italien hat es gewalttätige Zusammenstösse zwischen Demonstranten und der Polizei gegeben.

In Rom gerieten am Dienstagabend auf der zentralen Piazza del Popolo mehrere Hundert Menschen – darunter Anhänger der neo-faschistischen Partei Forza Nuova – mit der Polizei aneinander. Wie die Nachrichtenagentur Ansa berichtete, zündeten Demonstranten Mülleimer an und beschädigten geparkte Fahrräder und Motorroller, die Polizei setzte Wasserwerfer ein.

Polizisten und Protestierende in Rom.
Polizisten und Protestierende in Rom.
Foto: Keystone

Nach Ausschreitungen in Mailand und Turin in der Nacht zum Dienstag wurden mindestens sechs Menschen festgenommen, wie Ansa meldete. Dutzende wurden Polizeiangaben zufolge abgeführt. Bei den Ausschreitungen seien mindestens elf Beamte verletzt worden. Bei den Protesten Hunderter Menschen gegen die Corona-Beschränkungen in den beiden norditalienischen Städten hätten Demonstrierende unter anderem mit Steinen, Flaschen und Molotow-Cocktails geworfen, meldete Ansa. Auch Schaufenster von Geschäften wurden zerstört. Die Polizei setzte demnach Tränengas ein.

Auch in weiteren Städten wie Neapel und Triest gingen Menschen auf die Strasse. Bereits am Wochenende war es in Neapel und in Rom zu Gewalt bei Demonstrationen gekommen. Grund für die Proteste sind unter anderem neue Massnahmen der Regierung angesichts der zuletzt stark angestiegenen Neuinfektionszahlen.

Lesen Sie dazu von unserem Italien-Korrespondenten: In Italien droht ein Aufstand

Am Dienstag meldete Italien 21'994 bestätigte Neuinfektionen innerhalb eines Tages – ein Rekord. Innerhalb eines Monats hat sich die Zahl der täglichen Infektionen etwa verzehnfacht. Der bisherige Höchstwert war erst am Sonntag mit 21'273 Fällen in 24 Stunden registriert worden. Die Gesamtzahl der Infektionen seit Beginn der Pandemie stieg auf mehr als 564'000. Binnen eines Tages starben zuletzt 221 Menschen in Verbindung mit dem Virus, seit Beginn der Pandemie zählte Italien 37'700 Tote. Italien hat rund 60 Millionen Einwohner.

In ganz Italien müssen seit Montag alle Restaurants und Bars um 18.00 Uhr für Gäste schliessen. Auch Kinos, Theater, Fitnessstudios, Bäder, Skiresorts und Konzerthallen dürfen nicht mehr öffnen. Ein Grossteil der Gymnasialschüler wird vorerst online unterrichtet.

Italien hatte zu Beginn der Pandemie zu den am stärksten getroffenen Ländern in Europa gehört und einen der weltweit längsten Lockdowns verhängt. Die neuen Einschränkungen sorgen angesichts düsterer Konjunkturprognosen bei vielen Italienern für Unmut. Die Regierung beschloss am Dienstag Hilfen im Umfang von 2,4 Milliarden Euro für Unternehmen und Mitarbeiter, die von Zwangsschliessungen betroffen sind.

New Yorker sollten über Feiertage nicht verreisen

New Yorks Bürgermeister Bill de Blasio hat die Bewohner der Millionenmetropole aufgefordert, wegen der Coronavirus-Pandemie über die in den kommenden Monaten anstehenden Feiertage nicht zu verreisen. «Wir haben eine echte Bedrohung einer zweiten Welle hier in New York und wir kämpfen dagegen, aber wir dürfen das nicht auf die leichte Schulter nehmen», sagte der demokratische Politiker am Dienstag bei einer Pressekonferenz. «Ich hasse es, das sagen zu müssen, aber ich rufe alle New Yorker auf, den Bundesstaat über die Feiertage nicht zu verlassen.»

Damit könne man sich selbst und seine Familie in Gefahr bringen, sagte de Blasio weiter. «Es werden harte Entscheidungen gefällt werden müssen, und jeder wird seine eigene Entscheidung treffen.» Wer unbedingt verreisen müsse, solle sich testen lassen und sich an Quarantäne-Regeln halten. Im November und Dezember reisen normalerweise sehr viele Amerikaner für Feiertage wie Thanksgiving und Weihnachten zu ihren Familien.

Der Bundesstaat New York und die darin gelegene gleichnamige Metropole an der US-Ostküste waren im Frühjahr zum Epizentrum der Pandemie in den USA geworden. Inzwischen hat sich das Neuinfektionsgeschehen dort stabilisiert, ist zuletzt aber wieder leicht angestiegen.

Drosten ist für Mini-Lockdown

Der bekannte Virologe Christian Drosten hat sich für einen zeitlich begrenzten Lockdown in Deutschland ausgesprochen. «Dieses Virus lässt nicht mit sich verhandeln. Dieses Virus erzwingt bei einer bestimmten Fallzahl einfach einen Lockdown», sagte der Wissenschaftler in einem Podcast von NDR-Info. Am Montag hatte die lange mit Drosten zusammenarbeitende Isabelle Eckerle angesichts der aktuellen Situation in der Schweiz einen sofortigen Lockdown gefordert. Diese ist zurzeit deutlich schlechter als in Deutschland. Dort war SPD-Politiker Karl Lauterbach der erste, der am Dienstag einen Mini-Lockdown (in seinen Worten ein «Wellenbrecher-Shutdown») ins Spiel brachte.

Rekordwert in Schweden

In Schweden melden die Gesundheitsbehörden 1870 neue Corona-Fälle. Das ist die höchste Zahl seit Ausbruch der Pandemie. Der bisherige Spitzenwert lag bei 1698 neuen Positiv-Tests binnen 24 Stunden und datiert von Ende Juni. Nach Auskunft der Behörden dürften die Höchstwerte im Frühling allerdings viel höher gewesen sein, weil sie mangels ausreichender Tests nicht erfasst wurden. Schweden fährt einen international stark beachteten Sonderweg in der Corona-Krise mit deutlich geringeren Einschränkungen des öffentlichen Lebens. Die Totenzahl im Verhältnis zur Bevölkerungsstärke ist viel höher als in den skandinavischen Nachbarländern, aber niedriger als in grossen europäischen Ländern wie Spanien und Grossbritannien.

sda/reuters/red

2236 Kommentare
    Boris Fray

    Ganz Deutschland kämpft gegen Virus, Ganz Bayern kämpft gegen Corona. Was aber, wenn der einziger!!! Indikator, der Corona-Test, plötzlich fehleranfällig wird. Ein massiver Testfehler in einer bayerischen Klinik wirft Fragen auf, meldet AP/dpa. Die Corona-Zahlen in Bayern steigen stetig - Jedoch wird auch wesentlich mehr getestet als im Frühjahr 2020.Eine Test-Panne bei mehreren bayerischen Kliniken wirft Fragen im Hinblick auf die Zuverlässigkeit auf. In Taufkirchen waren von ursprünglich 60 positiv Getesteten nachträglich von 58 Personen die Befunde falsch weil die Leute ganz genau wissen wollten. Wie zuverlässig sind PCR-Tests, fragen sie sich jetzt die Deuchen. Was wird damit erzwungen? Wie sieht es auch mit anderen Kliniken? Muss man alle Test wieder untersuchen, um die Wahrheit zu bekommen...es ist die Sache von Freiheit.