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Coronavirus weltweit+++ Polizisten räumen volle Seine-Quais in Paris +++ Mehrere Demos gegen Corona-Massnahmen in Europa

Das Wichtigste in Kürze:

  • In einer Trendwende hat die Zahl der neuen Fälle von Covid-19 jüngst weltweit wieder zugenommen.

  • Die Lockerung von Gesundheitsmassnahmen, Corona-Müdigkeit und die Verbreitung mutierter Viren dürften damit zu tun haben.

  • Weltweit laufen gigantische Impfprogramme (Zum Vergleich).

LIVE TICKER

FDA skeptisch über Einmal-Impfungen

US-Wissenschaftler haben sich skeptisch gezeigt, dass eine einmalige Coronavirus-Impfung mit den Stoffen von Pfizer/BioNTech und Moderna ausreichen könnte. Dies geht aus einem Zeitungsbericht vom Samstag hervor.

Es sei wichtig, dass die Coronavirus-Impfstoffe nur so angewandt würden, wie sie von der Arzneimittelbehörde FDA zugelassen worden seien, sagte der hochrangige FDA-Vertreter Peter Marks dem «Wall Street Journal». Es gebe nicht genug Belege, dass durch eine einzige Coronavirus-Impfung mit diesen Mitteln ein langfristiger Schutz aufgebaut werde, hiess es weiter. Derzeit müssen zwei Dosen im Abstand von mehreren Wochen verabreicht werden.

Polizisten räumen volle Seine-Quais in Paris

Aufgrund des erneut grossen Andrangs bei schönem Wetter an den Ufern der Seine ist die Pariser Polizei am Samstagnachmittag eingeschritten. Da sich die meisten Menschen nicht an die Corona-Abstandsregeln hielten, mussten sie die Seine-Quais in der französischen Hauptstadt verlassen. Die Zugänge zum Ufer wurden nach der Räumung blockiert, so dass niemand mehr vor der ab 18 Uhr geltenden Ausgangssperre dorthin konnte.

Bereits an den vorangegangenen Wochenenden hatten sich zehntausende Menschen bei strahlender Sonne auf den Seine-Quais gedrängt. Daraufhin wurde am Freitag ein Alkoholverbot für die Uferpromenanden verhängt, um den Andrang an diesem Wochenende zu begrenzen. Doch auch wenn sich die meisten Menschen an das Alkoholverbot hielten, zog es sie dennoch an die Ufer der Seine.

Mehrere Demos gegen Corona-Massnahmen in Europa

In Wien haben am Samstag Tausende Menschen gegen Corona-Einschränkungen protestiert. Darunter waren nach einem Bericht des Senders ORF Leute, die mit Reisebussen aus der österreichischen Provinz gekommen waren sowie Rechtsextreme und Gruppen aus Deutschland.

Ein Transparent richtete sich gegen Bundeskanzler Sebastian Kurz. «Kurz muss weg», stand darauf. Rund 200 Gegendemonstranten kamen zu einer Fahrradrallye zusammen und fuhren mit lautem Geklingel durch die Strassen. Weil sich viele Teilnehmer der Demonstration nicht an das Abstandhalten und Masketragen hielten, wurden nach Polizeiangaben zahlreiche Anzeigen erstattet und einige Menschen festgenommen.

Unter anderem hatte die rechte Oppositionspartei FPÖ zu einer Kundgebung unter dem Motto «Demokratie, Grundrechte und Freiheit» aufgerufen. Der ehemalige Innenminister und Fraktionschef der FPÖ, Herbert Kickl, sprach von «Corona-Stahlhelmen in den Regierungsbüros». Die Regierung sei im Machtrausch und die EU-Gesundheitspolitik ein «gleichgeschaltetes Machtspiel».

Sechs Polizisten in Stockholm verletzt

Auch in der schwedischen Hauptstadt Stockholm haben Hunderte Menschen am Samstag gegen Corona-Massnahmen demonstriert. Nach Angaben der Polizei wurden sechs Polizisten im Zusammenhang mit der Demonstration verletzt, von denen einer in Krankenhaus behandelt wurde. Einer Person werde das Organisieren des ungenehmigten Protests vorgeworfen, zwei Menschen seien wegen anderer Verstösse festgenommen worden.

Die Polizei forderte die Menschen mehrmals zum Auflösen der Demonstration auf, da Zusammenkünfte von mehr als acht Menschen nicht erlaubt seien. Organisiert hatte den Protest eine Gruppe, die die Beschränkungen als unbegründet bezeichnete.

Hunderte demonstrieren in irischer Stadt Cork

Dicht gedrängt und zumeist ohne Mund-Nasen-Masken haben in der irischen Stadt Cork mehrere Hundert Menschen gegen die Lockdown-Regeln in dem EU-Staat demonstriert.

Anders als bei einem Protest in der Hauptstadt Dublin vor einer Woche habe es keine Zwischenfälle gegeben, berichtete der Sender RTÉ am Samstag. Ein Sprecher der Anti-Lockdown-Initiative sagte, zahlreiche Menschen seien von der Polizei abgewiesen worden. In Irland sind wegen der Corona-Pandemie derzeit keine Massenversammlungen erlaubt.

Ansturm auf Corona-Selbsttests in Deutschland

Der Verkaufsstart von Corona-Tests für den privaten Gebrauch bei den Discountern Aldi und Lidl ist bei Verbraucherinnen und Verbrauchern in Deutschland auf enormes Interesse gestossen. «Die Selbsttests waren aufgrund der hohen Nachfrage in vielen unserer Filialen bereits nach kurzer Zeit ausverkauft», teilte ein Sprecher von Aldi Nord mit. Von Aldi Süd hiess es ebenfalls, dass die Tests bereits am Vormittag in den meisten Filialen «erwartungsgemäss ausverkauft» gewesen seien. Bei Lidl, das die Schnelltests zunächst über seinen Onlineshop verkaufte, war die Website bereits kurz nach Verkaufsstart nicht mehr erreichbar – wohl wegen der hohen Nachfrage.

Aldi und Lidl verkaufen Corona-Schnelltests zum Selbertesten
In Deutschland sind bei den beiden Discountern die Schnelltests für Privatpersonen ab Samstag erhältlich. Auch Drogerien bieten die Selbsttests bald an.
Grosskonzert in Barcelona innert Stunden ausverkauft

Erstmals seit Beginn der Corona-Pandemie soll es in Barcelona wieder ein grosses Popkonzert mit 5000 Zuschauern geben. Die Eintrittskarten für den Auftritt der spanischen Indie Popband Love of Lesbian am 27. März waren binnen Stunden ausverkauft, wie die Veranstalter auf Twitter mitteilten. «Vielen Dank für die unglaubliche Antwort auf dieses Vorhaben. Die Kultur ist sicher und jetzt mehr denn je notwendig», schrieben die Verantwortlichen beim Festivals per la Cultura Segura am Samstag.

Bei dem Konzert in der für bis zu 24 000 Gästen ausgelegten Mehrzweckhalle «Palau de Sant Jordi» müssen die Fans erstmals keinen Sicherheitsabstand mehr halten. Allerdings gelten strenge Schutzmassnahmen.

So müssen alle, die überhaupt eine Eintrittskarte ergattert haben, am Tag des Konzerts in einem von drei speziellen Testzentren zwischen 08.00 Uhr und 16.00 Uhr einen Schnelltest machen, der negativ sein muss. Eingelassen werden nach Angaben der Veranstalter zudem nur registrierte Besucher im Alter zwischen 18 und 65 Jahren, die ein Smartphone mit mindestens IOS 11 oder Android 7 besitzen, um ein Programm für den Corona-Schnelltest herunterladen zu können.

Beim Eintritt in den Palau wird die Körpertemperatur gemessen und es werden FFP2-Masken verteilt werden, die während des Konzerts zu tragen sind. Für den Zuschauerbereich, der in drei Zonen unterteilt ist, soll es je eigene Eingänge, Barbereiche und Sanitäranlagen geben. Die Zuschauer dürfen dabei nicht von ihrer Zone in eine andere wechseln. Für eine besonders starke Belüftung solle gesorgt werden, betonten die Veranstalter.

Das Konzert findet im Palau Sant Jordi statt - im Bild die italienische Sängerin Laura Pausini bei einem früheren Auftritt an gleicher Stätte
Das Konzert findet im Palau Sant Jordi statt - im Bild die italienische Sängerin Laura Pausini bei einem früheren Auftritt an gleicher Stätte
Foto: Keystone
Konzert mit Geimpften in Tel Aviv

Dank der Massenimpfungen gegen das neuartige Coronavirus hat in Israel ein Konzert mit hunderten Zuschauern stattgefunden. Rund 500 gegen Covid-19 geimpfte Menschen mit Masken kamen am Freitag in Tel Aviv in einem Stadion zusammen, das Platz für bis zu 30'000 Zuschauer bietet. Sie durften sich ein Konzert des israelischen Popsängers Ivri Lider anhören.

«Das ist echt cool. Ich bin so froh», sagte Konzertbesucherin Reut Gofer bei ihrer Ankunft im Stadion. «Ich hoffe, das ist der Beginn einer Zeit, in der wir zu unserem normalen Leben zurückkehren.» Das Konzert am Freitag war das erste von vier derartigen Musik-Veranstaltungen, die die Stadtverwaltung von Tel Aviv organisiert hat.

Erfolgreiche Impfkampagne

Nach einem dritten Lockdown zur Eindämmung der Corona-Pandemie hatte Israel im Februar mit schrittweisen Lockerungen der Restriktionen begonnen. So durften bereits Einkaufszentren, Fitnessstudios, Schwimmbäder, Hotels und einige kulturelle Einrichtungen wieder öffnen. In den meisten Fällen ist der Besuch aber Menschen vorbehalten, die gegen das neuartige Coronavirus immunisiert sind und daher ihre Einstufung in die Kategorie «grün» nachweisen können.

Israels Impfkampagne ist äusserst erfolgreich. Schon mehr als die Hälfte der neun Millionen Einwohner haben bereits beide Dosen des Corona-Impfstoffs von Biontech/Pfizer erhalten.

Verschärfte Wochenend-Regelungen in Frankreich

Ab Samstag treten in weiteren französischen Corona-Hotspots Ausgangsbeschränkungen in Kraft. Betroffen sind nun auch rund 1,5 Millionen Bürger im nordfranzösischen Département Pas-de-Calais mit der Hafenstadt Calais. Sie dürfen ihre Häuser am Wochenende nur noch aus triftigem Grund verlassen, etwa zum Einkaufen oder Joggen. Auch sehr grosse Geschäfte müssen schliessen.

In der Region am Ärmelkanal breitet sich die britische Coronavirus-Variante rapide aus. Im benachbarten Dünkirchen und an Teilen der Côte d’Azur gelten bereits Ausgangssperren an Wochenenden. Zudem gilt landesweit eine nächtliche Sperrstunde ab 18 Uhr. In anderen Risikogebieten wie dem Pariser Grossraum oder im Mosel-Gebiet an der deutschen Grenze sollen ab diesem Wochenende stark frequentierte Zonen gesperrt werden.

Arras im Norden Frankreichs.
Arras im Norden Frankreichs.
AFP
Italiens Region Kampanien wird Rote Zone

Die italienische Region Kampanien wird zur Roten Zone mit verschärften Corona-Sperren. Das teilte das Gesundheitsministerium in Rom am Freitagabend mit. In den Gebiet, zu dem Neapel und die Amalfiküste gehören, gelten nach der Anordnung von Gesundheitsminister Roberto Speranza wegen der erhöhten Infektionswerte ab Montag (8. März) die strengsten Corona- Schutzregeln. Bisher sind schon die Basilikata im Süden und die kleine Adria-Region Molise solche Roten Zonen. In diese Gebieten müssen alle Schulen zu sein, die Menschen sollen ihre Wohnungen möglichst selten verlassen.

Italiens Regierung kämpft seit Herbst 2020 mit dem Instrument einer regionalen Einteilung in mehrere Risikozonen gegen die Pandemie. Am Montag werden in diesem System weitere Gebiete wegen steigender Werte hochgestuft zu Orangen Zonen. Darunter ist Venetien im Norden. Die benachbarte, wirtschaftsstarke Lombardei, wo rund zehn Millionen Menschen leben, gehört ohnehin schon zu der mittleren Risikozone. Dort führte die Regionalregierung in Mailand von sich aus am Freitag noch weiterreichende Sperren ein.

Belgien kündigt Lockerungen an

Belgien stellt seinem Volk spürbare Lockerungen der Virus-Massnahmen in Aussicht. Schritt für Schritt sollen von März bis Mai Kontaktbeschränkungen gelockert, Aktivitäten im Freien zugelassen und Gaststätten sowie Hotels wieder geöffnet werden. Konkret sollen sich von Montag an zehn statt bislang vier Menschen treffen dürfen, kündigte Ministerpräsident Alexander De Croo nach Angaben der Nachrichtenagentur Belga am Freitag an. Ab April könnten dann Kulturveranstaltungen und Gottesdienste mit bis zu 50 Menschen zugelassen werden, vorausgesetzt es werden Masken getragen und es wird Abstand gehalten.

Belgiens Premierminister Alexander De Croo bei einer Medienkonferenz in der Haupstadt Brüssel.
Belgiens Premierminister Alexander De Croo bei einer Medienkonferenz in der Haupstadt Brüssel.
Foto: Olivier Matthys (Keystone/5. Februar 2021)

Wenn alle vorher und nachher getestet werden, können über die Osterferien auch Ferienlager für Kinder und Jugendliche mit bis zu 25 Teilnehmern organisiert werden, wie De Croo weiter ausführte. Sollte es das Infektionsgeschehen zulassen, werden ab Mai auch Gaststätten und Hotels wieder Kunden begrüssen dürfen.

Zahl der Neuinfektion hat sich erhöht

Allerdings wird das Verbot von Auslandsreisen bis über die Osterferien hinaus verlängert. Statt bis zum 1. April gelte das Verbot nicht notwendiger Reisen ins Ausland nun vorerst bis zum 18. April, teilte De Croo weiter mit. Für Berufspendler gilt das Verbot nicht. Die EU-Kommission hatte die Massnahme als «unverhältnismässig» kritisiert.

Das verhältnismässig kleine Belgien mit seinen rund 11,5 Millionen Einwohnern hatte die vergangenen Monate einigermassen stabile Infektionszahlen trotz weitgehend geöffneter Geschäfte. Die Zahl der Neuinfektionen hat sich seit zwei Wochen jedoch um knapp 20 Prozent erhöht auf rund 2330 täglich. Die Todesrate sank im gleichen Zeitraum um 35 Prozent auf gut 27 Fälle. Im Herbst verzeichnete Belgien zeitweise pro Kopf die höchsten Corona-Infektionszahlen in Europa. Täglich kamen 15'000 neue Infektionen oder mehr hinzu. Strikte Beschränkungen hatten die Ausbreitung gebremst.

England verhängt bei Ausreisen ohne triftigen Grund hohe Bussen

Reisende, die England ohne triftigen Grund verlassen wollen, riskieren hohe Geldstrafen. Passagiere müssen ab kommenden Montag in einem Formular den Grund ihrer Ausreise angeben und dieses mit sich führen, wie das britische Verkehrsministerium am Freitag mitteilte.

Die akzeptieren Gründe für Auslandsreisen sind unter den aktuellen Corona-Beschränkungen nur wenige – dazu gehören Arbeit, Bildung oder Beerdigungen.

Die Beschränkungen gelten für Einheimische und Ausländer, die sich derzeit in England aufhalten. Fluglinien sollen die Formulare kontrollieren. Passagieren könne gegebenenfalls die Beförderung verweigert werden, hiess es. Auch die Polizei kontrolliere stichprobenartig an Häfen und Flughäfen. Die Geldstrafen wegen des Bruchs der Lockdown-Regeln reichen von 200 bis zu 6400 Pfund (8222 Franken).

Bis Ende März gilt in England noch die strikte «Stay at Home»-Regel: Bürger und Bürgerinnen sollen ihr Zuhause nur zum Einkaufen, Sport und aus wenigen anderen Gründen verlassen.

Abflug nur noch bei triftigem Grund: England hat im Rahmen der Pandemie-Massnahmen die Ausreise eingeschränkt.
Abflug nur noch bei triftigem Grund: England hat im Rahmen der Pandemie-Massnahmen die Ausreise eingeschränkt.
Foto: Steve Parsons (PA Wire/DPA/Keystone/Symbolbild)
EU-Bericht: Corona zerstört Fortschritte bei Gleichberechtigung

Die Corona-Pandemie hat einem Bericht der EU-Kommission zufolge verheerende Auswirkungen auf die Gleichberechtigung von Frauen. «In Europa und darüber hinaus hat die Pandemie die bestehenden Ungleichheiten zwischen Frauen und Männern in fast allen Lebensbereichen verschärft und hart erkämpfte Fortschritte der vergangenen Jahre wieder zunichte gemacht», teilte die Brüsseler Behörde am Freitag mit. Zudem wird bemängelt, dass es in Corona-Krisenstäben einen «eklatanten» Mangel an Frauen gebe. Eine Studie, die auch 17 EU-Länder betrachtet, habe ergeben, dass mehr als 85 Prozent dieser Gremien hauptsächlich männlich besetzt seien.

«Obwohl Frauen die überwiegende Mehrheit der Beschäftigten im Gesundheitswesen in der EU ausmachen, werden Frauen von Führungspositionen im Gesundheitssektor zurückgehalten», heisst es. Rund 25 Prozent der beschäftigten Frauen arbeiteten mit Blick auf die Corona-Pandemie in Hochrisikosektoren, bei den beschäftigten Männern seien es 20 Prozent.

Auch wie sich bestehende Ungleichheiten zwischen Männern und Frauen durch die Pandemie wieder verschärfen, beschreibt der Bericht. So seien es eher Frauen, die ihre Arbeitszeit reduzierten oder sogar kündigten, um sich um Kinder zu kümmern, heisst es unter Berufung auf eine US-Studie. Konkrete Zahlen für die EU werden nicht genannt. «Diese Muster haben die traditionellen Geschlechterrollen gestärkt», steht in dem Bericht.

Auch allgemein trifft die Pandemie Frauen am Arbeitsmarkt härter als Männer. So sei die Arbeitslosigkeit bei Frauen laut Eurostat zwischen April und September 2020 von 6,9 auf 7,9 Prozent angewachsen, bei Männern von 6,5 auf 7,1 Prozent im selben Zeitraum. Dies könne – etwa mit Blick auf Renten – auch Auswirkungen weit in der Zukunft haben und die Ungleichheit zwischen Männern und Frauen für Jahrzehnte erweitern. Zudem habe die Pandemie zu mehr häuslicher Gewalt gegen Frauen geführt.

Paris weitet Alkoholverbot wegen Virus aus

Die Stadt Paris hat wegen der Corona-Lage das Alkoholverbot auf öffentlichen Plätzen massiv ausgeweitet. So ist Alkoholkonsum ab sofort zum Beispiel an den Ufern der Seine, des Canal Saint-Martin, auf der berühmten Place du Tertre nahe der Basilika Sacré-Coeur und an vielen weiteren Orten der Stadt verboten, wie die Polizeipräfektur am Freitag mitteilte. Ausserdem müssen Nicht-Lebensmittel-Läden, die grösser als 10 000 Quadratmeter sind, schliessen.

Am vergangenen Wochenende hatten zahlreiche Menschen das gute Wetter an der frischen Luft genossen. Stellenweise war es vor allem an den Seine- und Kanalufern der französischen Hauptstadt sehr voll. Paris gehört zu den 23 Départements, für die Premier Jean Castex eine erhöhte Corona-Warnstufe ausgerufen hatte. Einen Wochenend-Lockdown wie in Nizza, Dunkerque (Dünkirchen) oder im Département Pas-de-Calais im Norden des Landes gibt es in der Metropole allerdings nicht.

Menschen am Ufer der Seine in Paris.
Menschen am Ufer der Seine in Paris.
Foto: Lewis Joly (AP/Keystone/Symbolbild)

Die Pariser Bürgermeisterin Anne Hidalgo hatte einen solchen Teil-Lockdown als «unmenschlich» bezeichnet. Vorher hatte ihr Vize allerdings einen kurzen harten Lockdown für einige Wochen ins Spiel gebracht – mit der Perspektive, danach wieder Restaurants oder Kultureinrichtungen öffnen zu können. Nach heftiger Kritik ruderte er allerdings wieder zurück. Die Zahl der Neuinfektionen pro 100'000 Einwohner binnen einer Woche lag in Paris zuletzt bei knapp 322. In ganz Frankreich liegt die Zahl bei rund 220. Generell gilt in Frankreich seit Wochen eine strenge Ausgangssperre ab 18 Uhr.

Umfrage: Impfbereitschaft in den USA gestiegen

Die Impfbereitschaft in der Pandemie hat in den USA nach einer Umfrage seit dem vergangenen September deutlich zugenommen, wie das Institut Pew am Freitag in Washington mitteilte.

Insgesamt sagten 69 Prozent, sie hätten entweder schon eine Impfung gegen eine Covid-19-Erkrankung erhalten oder würden sich wahrscheinlich oder definitiv impfen lassen, so das Institut weiter. Im November lag die Zahl derjenigen, die sich definitiv oder wahrscheinlich impfen lassen wollten, bei 60 Prozent, zwei Monate zuvor bei 51 Prozent. Im Mai vergangenen Jahres hatten allerdings noch 72 Prozent ihre Bereitschaft bekundet, sich impfen zu lassen.

Nach der Impfung: Eine Patientin präsentiert ihren Impfausweis im South Shore University Hospital in Bay Shore im US-Bundesstaat New York.
Nach der Impfung: Eine Patientin präsentiert ihren Impfausweis im South Shore University Hospital in Bay Shore im US-Bundesstaat New York.
Foto: Mark Lennihan (AP/Keystone/DPA)

Von denjenigen, die eine Impfung ablehnten, gaben in der aktuellen Umfrage 89 Prozent als einen Grund dafür die Sorge vor Nebenwirkungen an. 68 Prozent sagten, sie glaubten nicht, dass sie eine Impfung benötigten, 57 Prozent lehnten Impfungen generell ab.

Viel mehr Pandemie-Tote in Russland als offiziell gemeldet

Seit Beginn der Pandemie sind in Russland nach Angaben des nationalen Statistikamtes Rosstat rund 200'000 Menschen mit dem Virus gestorben. Die am Freitag veröffentlichte Zahl ist damit mehr als doppelt so hoch wie in der offiziellen Statistik der Regierung, in der von rund 88'200 Corona-Toten die Rede ist. Dort werden lediglich Fälle aufgelistet, bei denen Covid-19 als Todesursache bestätigt wurde. An dieser Zählweise gab es immer wieder Kritik.

Russland hat seit Jahresbeginn mit Verweis auf eine verbesserte Infektionslage und laufende Impfkampagnen schrittweise verschiedene Corona-Einschränkungen gelockert. In der Hauptstadt Moskau etwa verkündete Bürgermeister Sergei Sobjanin am Freitag nach fast einem halben Jahr das Ende der verpflichtenden Selbstisolation für alte und chronisch kranke Menschen.

Experten sehen in der Pandemie den Hauptgrund dafür, dass die russische Bevölkerung im vergangenen Jahr um rund eine halbe Million Menschen schrumpfte – so stark wie seit 15 Jahren nicht mehr. Zuletzt zählte das Riesenreich 146,2 Millionen Einwohner.

Mehr als drei Millionen Infizierte in Italien

Italien hat bei der Gesamtzahl der offiziell mit Corona infizierten Menschen die Drei-Millionen-Schwelle überschritten. Die Gesundheitsbehörden in dem Mittelmeerland zählten am Freitag über 24 000 Neuinfektionen innerhalb von 24 Stunden. Damit gibt es in Italien, wo die Pandemie seit Februar 2020 mit einer ersten grossen Welle um sich gegriffen hatte, bisher offiziell 3,02 Millionen Virus-Infizierte. In Europa hatten Grossbritannien, Frankreich und Spanien diese Marke nach Zahlen der Johns-Hopkins-Universität (USA) schon vorher überschritten.

Bei den Opfern steuert das 60-Millionen-Einwohner-Land auf bald 100 000 registrierte Corona-Tote zu. Am Freitag wurden 297 Covid-19-Tote in 24 Stunden gezählt.

Insgesamt verschlechtert sich die Infektionslage in vielen Teilen Italiens stark. Es wurde erwartet, dass Gesundheitsminister Roberto Speranza mehrere Regionen ab nächster Woche zu neuen Roten Zonen erklärt, in denen ein Teil-Lockdown mit strengen Bewegungseinschränkungen und Schulschliessungen gilt.

Arbeitslosigkeit in den USA sinkt überraschend

In den USA ist die Arbeitslosigkeit im Februar leicht gesunken. Die Arbeitslosenquote fiel gegenüber Januar um 0,1 Prozentpunkte auf 6,2 Prozent, wie das US-Arbeitsministerium am Freitag in Washington mitteilte. Experten hatten mit einer unveränderten Quote von 6,3 Prozent gerechnet. Trotz des Rückgangs liegt die Arbeitslosigkeit immer noch wesentlich höher als vor der Corona-Krise. Im Februar 2020 hatte die Quote 3,5 Prozent betragen, was faktisch als Vollbeschäftigung galt.

Die Beschäftigung stieg im Februar deutlich stärker als erwartet. Ausserhalb der Landwirtschaft seien 379 000 Stellen hinzugekommen, teilte das Arbeitsministerium mit. Experten hatten lediglich mit einem Zuwachs von 200 000 Jobs gerechnet. Zudem sind in den beiden Vormonaten insgesamt 38 000 Stellen mehr geschaffen worden als bisher festgestellt.

In der Corona-Krise war die Beschäftigung im Frühjahr 2020 mit Rekordtempo eingebrochen. Seitdem erholt sich der Arbeitsmarkt. Nur im Dezember kam es noch einmal zu einem Rückgang der Beschäftigung.

Bolsonaro: «Schluss mit dem Gejammere»

Trotz der rasanten Ausbreitung des Coronavirus hält der brasilianische Präsident Jair Bolsonaro nichts von Ausgangsbeschränkungen im Kampf gegen die Pandemie.

«Ihr seid nicht zu Hause geblieben. Ihr seid nicht feige gewesen», sagte Bolsonaro Medienberichten zufolge bei der Einweihung eines Teilstücks einer Eisenbahnlinie in São Simão im Bundesstaat Goiás am Donnerstag zu den Arbeitern. «Schluss mit dem Gejammere.» Diejenigen, die die Regierung zum Kauf von Impfstoffen auffordern, hatte er bei einer anderen Veranstaltung zuvor als «Idioten» bezeichnet.

Brasilien, das im Januar mit Impfungen begann, ist eines der am stärksten von der Pandemie betroffenen Länder. 10'793'732 Menschen haben sich im grössten Land in Lateinamerika mit dem Coronavirus infiziert – nur in den USA und in Indien sind die Zahlen noch höher. 260'970 Menschen sind im Zusammenhang mit Covid-19 gestorben.

Lesen Sie auch: Coronavirus in Brasilien – Das Schlimmste kommt noch

USA: Erstmals seit Oktober weniger als 40'000 Fälle

Erstmals seit vergangenem Oktober haben die USA weniger als 40'000 Corona-Neuinfektionen binnen eines Tages gemeldet.

Die Zahl der Neuinfektionen mit dem Coronavirus in den USA ist in den letzten Wochen stark gesunken. US-Präsident Joe Biden (links) ist auf Kurs. (Archivbild)
Die Zahl der Neuinfektionen mit dem Coronavirus in den USA ist in den letzten Wochen stark gesunken. US-Präsident Joe Biden (links) ist auf Kurs. (Archivbild)
Foto: Alex Brandon (Keystone)

Die Johns-Hopkins-Universität registrierte am Freitag den tiefsten Stand seit fünf Monaten und einen starken Rückgang seit dem bisherigen Höchstwert von fast 300'000 Neuinfektionen binnen 24 Stunden am 8. Januar. Auch die Todesfälle und Spitaleinweisungen sind weiter rückläufig.

Bei der Impfkampagne der USA, dem weltweit am stärksten von der Pandemie betroffenen Land, gab es ebenfalls gute Nachrichten. Bei dem Vorhaben, in den ersten einhundert Tagen der Amtszeit Bidens einhundert Millionen Menschen impfen zu lassen, liegen die Behörden derzeit vor ihrem Zeitplan.

Eine Aufhebung von Corona-Beschränkungen in den US-Bundesstaaten Texas und Mississippi hatte jedoch zuletzt für Streit gesorgt. Texas hatte angekündigt, nahezu alle Corona-Beschränkungen aufheben zu wollen. US-Präsident Joe Biden hatte den Schritt verurteilt und als «Neandertaler-Denken» kritisiert.

WHO lehnt EU-Impfpässe ab

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) lehnt die von der EU-Kommission geplanten Impfpässe ab. «Wir verstehen, dass Regierungen mit der politischen Realität konfrontiert sind. Trotzdem gibt es ernste Bedenken», sagte Europas WHO-Regionaldirektor Hans Kluge.

Laut Kluge ist die für den Sommer angekündigte Einführung eines Impfpasses vermutlich unvermeidlich, aber keine Empfehlung der WHO. Es sei unsicher, wie lange eine Immunität anhalte, sagte Kluge in einem Vorabbericht der deutschen Tageszeitung «Die Welt».

Auch könne ein Impfstoff nicht unbedingt die Ansteckung anderer Menschen verhindern, so der WHO-Regionaldirektor. Seiner Ansicht nach ist die Corona-Pandemie in rund zehn Monaten zu Ende. Das würde nicht bedeuten, dass das Virus dann weg sei, aber es bräuchte wohl keine Interventionen mehr, sagte Kluge der Tageszeitung.

Viele Corona-Fälle im Ballett der Mailänder Scala

An der Mailänder Scala, einem der berühmtesten Opernhäuser der Welt, ist es zu einem grösseren Corona-Ausbruch gekommen. Im Ballett der Scala seien 35 Mitglieder der Tanztruppe positiv getestet worden. Hinzu kamen drei Mitglieder des Leitungsteams, wie die italienische Nachrichtenagentur Ansa am Donnerstag schrieb. Da es auch positive Corona-Tests bei Sängern gegeben habe, seien Proben ausgesetzt worden, hiess es.

Für das Publikum sind die Theater in Italien zum Corona-Schutz geschlossen. Doch die Häuser arbeiten mit ihren Künstlern und Künstlerinnen oft weiter, um Aufführungen zu streamen und ins Netz zu stellen. Die Regierung in Rom hatte diese Woche angekündigt, dass die Häuser in Regionen mit moderatem Virus-Ansteckungsrisiko (Gelbe Zonen) Ende März wieder für das Publikum öffnen dürfen.

Das Mailänder Opernhaus La Scala.
Das Mailänder Opernhaus La Scala.
Foto: Antonio Calanni (Keystone)

SDA/AFP/red

4035 Kommentare
    Patrick Baum

    In Wien demonstrierten heute 15000 leute....Wo bleibt die Schlagzeile ?

    Nicht relevant?