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Heizpilze gesucht wie nieCorona hält den Sonnenkönig auf Trab

Armin Schmid ist mit seiner Firma Sonnenkönig einer der wichtigsten Hersteller und Importeure von Aussenheizungen in der Schweiz. Sein Umsatz hat sich verdoppelt.

Retter der Gastrobranche? Wirte wünschen sich die Aufhebung von Heizpilz-Verboten.
Retter der Gastrobranche? Wirte wünschen sich die Aufhebung von Heizpilz-Verboten.
Foto: Tamedia

Nachdem Corona das Geschäft der Hersteller von Schutzmasken und Desinfektionsmitteln angekurbelt hat, sind jetzt die Heizpilze an der Reihe. Armin Schmid, Chef und Inhaber der Schweizer Firma Sonnenkönig, freut sich: Im Vergleich zum Vorjahr hat er bisher mehr als doppelt so viele Aussenheizungen verkauft. «Alle Modelle laufen gut», sagt Schmid, «die elektrischen, aber auch die gasbetriebenen.»

Abnehmer der Wärmestrahler sind Restaurants, Bars und Clubs, die ihre Gäste in der kalten Jahreszeit draussen coronasicher bewirten wollen. Es fragen auch Firmen nach Heizpilzen, die ihre Pausenräume nach aussen verlegen. Privatkunden, die ihr Sozialleben mit Freunden und Nachbarn in ihre Gärten, Terrassen und Innenhöfe verlegen, um Ansteckungen zu vermeiden.

Er ist der Sonnenkönig: Armin Schmid, Unternehmer im Toggenburg, zuständig für alles, was mit Heizen und Klimatisieren zu tun hat.
Er ist der Sonnenkönig: Armin Schmid, Unternehmer im Toggenburg, zuständig für alles, was mit Heizen und Klimatisieren zu tun hat.
Foto: zvg

Der gute Geschäftsgang des Sonnenkönigs spiegelt den internationalen Trend. «Ich bin seit 55 Jahren im Geschäft, aber ich habe noch nie eine solche Nachfrage erlebt wie in den letzten drei Monaten», sagte Pete Arnold, Chef eines kalifornischen Heizpilzlieferanten, zur «Financial Times». Eine Umfrage der Zeitung bei Lieferanten in den USA, England, Australien und Asien zeigt, dass die Rekordnachfrage nach Aussenheizungen die Hersteller auf die Probe stellt. Hersteller von gasbetriebenen Modellen in China warnen vor schnell steigenden Wartezeiten bis zur Lieferung. Es kann nun Monate dauern statt Wochen.

Noch gibts genug

«Im Moment können wir genug und schnell liefern», sagt Armin Schmid am Telefon vom Hauptsitz seiner Firma im Toggenburg aus. Wer kein bestimmtes Modell in einer bestimmten Ausführung oder Farbe wünscht, kann mit schneller Lieferung rechnen.

Schmids Sonnenkönig ist einer der grössten Hersteller und Importeure von Aussenheizungen in der Schweiz. 1957 begann Schmids Vater in Uster mit dem Bau und Vertrieb von Infrarot-Heizstrahlern. 1972 zügelte das Unternehmen nach Ulisbach bei Wattwil. Dort stellt die Firma mit 30 Angestellten immer noch Infrarot-Heizstrahler her. Andere werden nach Plänen des Sonnenkönigs im Ausland hergestellt.

Der heute 56-jährige Sohn hat das Geschäft zudem stark ausgeweitet: von Klimaanlagen, Luftbefeuchter, Eismaschinen, Saunas bis zu Weinklimaschränken. Also praktisch alles, was mit Heizen, Kühlen und Klima in Haushalten und Betrieben zu tun hat. Vom Toggenburg aus wird vor allem die Schweiz beliefert, Standbeine hat der Sonnenkönig aber auch in Deutschland und Österreich.

«Dekadenter Klimakiller»

Corona hat den Wärmestrahlern ein unerwartetes Comeback bereitet. Greenpeace setzt sich seit Jahren für ein landesweites Verbot der «dekadenten Klimakiller» ein. «Energetisch ist das ein Schwachsinn, man heizt im Wesentlichen die Atmosphäre», sagt der ETH-Klimatologe Reto Knutti.

Die schwer gebeutelte Gastrobranche dagegen kämpft gegen die Verbote, wie Gastro-Suisse-Präsident Casimir Platzer kürzlich im Schweizer Radio sagte.

Die rechtliche Situation ist in der Schweiz aber nach wie vor uneinheitlich: In Zürich etwa sind Heizstrahler im Freien verboten, sofern sie nicht mit erneuerbarer Energie betrieben werden. Verbote gelten auch in Baselland und Bern. Basel-Stadt hat ein Einsehen: Dort sind Heizstrahler im Freien ausnahmsweise bis zum 30. April erlaubt.

Auch Armin Schmid findet, die Energieeffizienz von Heizpilzen könne «kritisch hinterfragt» werden. «Die Forderung der wirtschaftlich angeschlagenen Gastronomie kann ich nachvollziehen», sagt er diplomatisch. «Es ist aber am Bund und den Kantonen, die epidemiologische Situation im Verhältnis zu der Energieeffizienz zu beurteilen und entsprechende Entscheide zu fällen.»

2 Kommentare
    Hans Bodmer

    Corona darf also alles: Heizpilze sind wieder erlaubt obwohl die eine katastrophale Ökobilanz haben, es werden zu Hunderten Milliarden Zellulosetüchlein verkauft, die dann dann nach einem Tag im Müll landen oder noch schlimmer - im Reisfeld in ärmerem Gebieten der Welt und plötzlich sind auch mögliche zukünftige Impfungen gegen das neue Virus bei den Grünen (vehemente Gen-Food-Gegner) en vogue, obwohl die am allerbesten wissen sollten, wie die Gefahren sind, bei solch massiven Eingriffen ins Erbgut mit genetischen Impfstoffen. Corona hat es irgendwie einfach geschafft, alles vorher vernünftige Denken auszuschalten und einer kopflosen Herde zu folgen.