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Wessels’ Wille und Lampugnanis Vision

Baudirektor Hans-Peter Wessels möchte im Klybeck und in Kleinhüningen neue Hochhäuser, Strassen und einen Stadtpark entstehen lassen. Architekt Vittorio Lampugnani träumt derweil davon, die Quartiere im Norden zum Rhein hin zu öffnen.

Entwarf 2001 den Masterplan für den Novartis-Campus und plant jetzt das neue Kleinhüningen: Architekt Vittorio Magnago Lampugnani.
Entwarf 2001 den Masterplan für den Novartis-Campus und plant jetzt das neue Kleinhüningen: Architekt Vittorio Magnago Lampugnani.
Urs Jaudas

In ein paar Jahren bis Jahrzehnten werden die Quartiere Klybeck und Kleinhüningen ein anderes Gesicht haben. «Klybeck wird sich zu einem durchlässigen Quartier zwischen den Flüssen Wiese und Rhein entwickeln», ist Kantonsbaumeister Beat Aeberhard überzeugt. Der Kleinhüninger Westquai soll zum «facettenreichen, pulsierenden Hafenquartier» aufgewertet werden.

So steht es im «städtebaulichen Konzept» für Basels nördlichsten Stadtteil rechts des Rheins. Das Bau- und Verkehrsdepartement (BVD) hat das Dokument am Mittwoch zusammen mit dem Stadtteil-Richtplan Kleinhüningen-Klybeck der Öffentlichkeit präsentiert. Der Richtplan ist eine Art baupolitischer Wegweiser, ein verbindliches Versprechen für die Zukunft. Bevölkerung, Grundeigentümer, Firmen dürfen dabei ein Wörtchen mitreden. Anschliessend muss der Grosse Rat den Plan und den Planungskredit in der Höhe von 5,8Millionen Franken gutheissen.

Städtebauliche Vision

Beteiligt am Konzept sind unter anderen das Zürcher Büro Baukontor Architekten sowie der international bekannte Architekt und emeritierte ETH-Professor für Geschichte des Städtebaus, Vittorio Magnago Lampugnani. Der gebürtige Italiener entwarf 2001 den Masterplan für den ­Novartis-Campus. Er verdeutlichte in seinen Ausführungen, dass der Richtplan nicht bloss ein papieriges Monster ist, sondern auch eine städtebauliche Vision.

«Wir stellen uns vor, dass am Klybeck-Quai in erster Linie ein Wohnquartier entsteht», sagte Lampugnani. Vorgesehen sind Häuser mit Wohnungen, aber auch Geschäften. Im städtebaulichen Konzept heisst es dazu: «Es wird eine markante, bis zu 30 Meter hohe Uferfront gebildet.» Kritiker sprechen deshalb auch gerne von «Rheinhattan».

Am Westquai – der Halbinsel nördlich der Wiese, auf der heute das Dreiländereck steht – soll laut Lampugnani «ein Arbeits- und Wohnquartier auch mit Kleinindustrie entstehen, das von Kontrasten lebt, mit höheren Häusern, aber auch sehr niedrigen, loftartigen Bauten». Die «wunderbare Hafenatmosphäre» mit den monumentalen Getreidespeichern solle nicht zerstört werden.

Auf dem Gelände der heutigen Hafenbahn wollen die Planer eine «grosszügige öffentliche Grünfläche» schaffen. Einen Namen haben sie schon gefunden: Gleispark. Querstrassen, etwa die Mauerstrasse, wollen sie bis ans Rheinufer verlängern.

Fussgänger und Cargovelos

Dabei werden neue Plätze, etwa der «Inselplatz», der «Wiesenkopf» oder der «Uferplatz», entstehen, an deren Rand auch Hochhäuser bis zu 65 Meter in den Himmel wachsen sollen.

Die Kleinbasler Rheinpromenade möchten die Planer zudem bis zum Dreiländereck verlängern. In ihrem Wunschkatalog haben sie auch eine neue Tramlinie zum Dreiländereck, eine neue Fähre sowie eine Rheinbrücke für Fussgänger.

Zu Diskussionen Anlass geben wird bestimmt auch das Verkehrskonzept. Die Planer wollen nämlich, dass «möglichst viele Wege innerhalb des Quartiers oder zu den benachbarten Quartieren zu Fuss oder mit dem Velo zurückgelegt werden».

Der Motorfahrzeugverkehr soll «durch geeignete Massnahmen begrenzt» werden. Und die «Zahl der Parkplätze wird beschränkt». Dafür sollen «Cargovelos für die Verteilung von ­Gütern auf der letzten Meile» zum Einsatz kommen.

Baudirektor Hans-Peter Wessels bekundete gestern Mittwoch den Willen, dass die Neugestaltung zwar ohne Zeitdruck und «in Abstimmung mit der Entwicklung des Hafens», aber doch möglichst zügig in Angriff genommen werde. Erste Architekturwettbewerbe sollen bereits 2020 starten.

Keine «Retortenstadt»

Kantonsbaumeister Aeberhard versprach, es werde «keine neue Retortenstadt» entstehen. Das künftige Stadtquartier, das eine Fläche von rund 70 Fussballfeldern umfasst, soll dereinst Raum für 14000 Menschen sowie 9000 Arbeitsplätze bieten.

Zusammen mit dem Bau der S-Bahn werde Basel «als Zentrum einer trinationalen Metropolitanregion gestärkt», hofft Wessels.

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