Spitalstrategie Baselland: Was bedeutet sie für Patienten und Steuerzahler?

Die wichtigsten Fragen und Antworten zum neuen Konzept «Fokus» der Baselbieter Regierung.

Im Bruderholzspital wird die Zahl der Betten von 300 auf 150 reduziert. Foto: Keystone.

Im Bruderholzspital wird die Zahl der Betten von 300 auf 150 reduziert. Foto: Keystone.

Thomas Dähler

Was ändert sich für mich als Patient mit der Umsetzung der neuen Strategie beim Angebot des Kantonsspitals Baselland?
Auch in Zukunft kann man sich an die heute bestehenden Standorte begeben. In Liestal und auf dem Bruderholz wird es immer noch eine Notfallstation und ein ambulantes Zentrum geben, in Laufen im ambulanten Gesundheitszentrum eine Permanence und ein Sprechstundenangebot. Doch für die Behandlung wird man je nachdem verlegt oder an ein anderes Spital verwiesen, denn das stationäre Angebot ­umfasst nicht mehr überall alle medizinischen Bereiche.

Was passiert mit dem ­Bruderholzspital?
Das Bruderholzspital wird verkleinert und hat künftig nur noch 150 statt der heutigen 300 Betten. Neben Notfall und ambulantem Zentrum beschränkt sich das Bruderholzspital auf den Bewegungsapparat, auf die Rehabilitation, die Altersmedizin und die Schmerzklinik.Im Bereich des Bewegungs­apparats jedoch wird das Spital dank der Zusammenarbeit mit der Hirslanden-Gruppe zur Topadresse.

Muss ich mich auf eine weniger gut ausgebaute ­Gesundheitsversorgung in der Region Basel einstellen?
Nein. Mit dem auf Schwerpunkte konzentrierten Kantonsspital und der neuen Spitalliste soll aber das Angebot insgesamt eingeschränkt werden, sodass weniger unnötige Behandlungen oder Operationen erfolgen. Heute sind die im Landesvergleich hohen Gesundheitskosten zu einem erheblichen Teil auf unnötige medizinische Leistungen zurückzuführen. Offen ist aber, wie sich private Anbieter oder ­öffentliche Spitäler anderer Kantone neu positionieren.

Was hindert mich nach dem Leistungsabbau daran, künftig in ein Spital eines benachbarten Kantons auszuweichen?
Nichts. Im Krankenversicherungsgesetz ist die freie ­Spitalwahl ­verankert. Die Grund­versicherung und der Wohnkanton finanzieren weiterhin alle ­medizinisch ­notwendigen Behandlungen in Schweizer ­Spitälern, die über einen entsprechenden Leistungsauftrag verfügen. Den Patienten ist es freigestellt, sich in den Spitälern von Basel, Dornach oder ­Delémont behandeln zu lassen.

Profitiere ich davon, dass das Kantonsspital Baselland jetzt mit der privaten Hirslanden-Gruppe zusammenarbeiten will?
Ja. Die beiden Partner können im Bruderholzspital ein um­fassendes stationäres und ­ambulantes Angebot im Bereich des Bewegungsapparats, der Alters­traumatologie und der muskuloskelettalen Rehabilitation ­anbieten. Mit der Kooperation wollen sich das Bruderholz­spital und die Klinik Birshof als eine der besten orthopädischen Kliniken der Schweiz positionieren.

Kann ich als Baselbieter mit sinkenden ­Krankenkassen­prämien ­rechnen?
Nein. Wenn es aber gelingt, mit dem verringerten Angebot und der restriktiveren Spitalliste die unnötigen Leistungen zu ­reduzieren, werden die Prämien weniger rasant als zuletzt ­wachsen.

Was kostet mich als ­Steuerzahler die Sanierung der ­Spitalbauten?
Nichts. Das Kantonsspital Baselland muss die Investitionen in neue Spitalbauten aus eigenen Mitteln finanzieren.

Muss ich mich jetzt auf einen verschärften Wettbewerb zwischen den Spitälern der Kantone Basel-Stadt und ­Baselland einstellen?
Ja. Zwar werden die beiden ­Basel künftig ihre Spitallisten aufeinander abstimmen, wie es die vereinbarte Kooperation verlangt. Doch in weiten Teilen des medizinischen Angebots kämpfen die öffentlichen Spitäler in beiden Kantonen – in manchen Bereichen auch die Privatspitäler – um die gleichen potenziellen Patienten. Die von den Stimmberechtigten in Basel-Stadt abgelehnte Fusion der Spitäler der beiden Kantone zwingt die Spitäler zum Wettbewerb, wollen sie über­leben.

Gelingt es mit der Strategie «Fokus» auch die ­Hochschulmedizin in der Region Basel zu sichern?
Vielleicht. Das Universitätsspital Basel bleibt das kleinste Universitätsspital der Schweiz und wird in einigen medizinischen Bereichen in Zukunft um die geforderten Fallzahlen kämpfen müssen. Die medizinische Forschungsarbeit des Kantonsspitals Baselland wird auch in Zukunft an die Universität Basel angebunden sein, auch mit eigenen Lehraufträgen. Die Kooperation zwischen dem Spital Bruderholz und der Hirslanden-Gruppe wird ebenfalls dazu beitragen, dass die universitären Leistungen gestärkt werden.

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