Zum Hauptinhalt springen

Sozialistendämmerung in Südamerika

Nach 14 Jahren ist der sozialistische Spuk in Bolivien vorbei. Bei anderen sozialistischen Diktaturen macht sich Angst breit.

MeinungSerkan Abrecht
Antisozialistischer Widerstand: In Boliviens Verwaltungshauptstadt La Paz feiern die Menschen den Rücktritt von Präsident Evo Morales.
Antisozialistischer Widerstand: In Boliviens Verwaltungshauptstadt La Paz feiern die Menschen den Rücktritt von Präsident Evo Morales.
EPA

Bolivien hat sich gegen Präsident Evo Morales erhoben. Diesen Vorzeigesozialisten indigener Abstammung, den die internationale Linke immer so lobte. Gegen den Mann, der scheinbar alles richtig gemacht habe mit der Verstaatlichung der bolivianischen Wirtschaft. Nach 14 Jahren ist der sozialistische Spuk in Bolivien endlich vorbei. Morales tritt zurück und spricht von einem Putsch gegen ihn, der die Macht nicht abgeben wollte, auch wenn er ein Referendum gegen die gesetzlich vorgeschriebene Amtszeitbegrenzung verlor.

Der Mann, der gemäss der Kommission der Organisation Amerikanischer Staaten (OAS) die Wahlen manipulierte, ja, dieser Mann spricht von einem Putsch – unter anderem von der Bevölkerung oder der Polizei und dem Militär, die sich weigerten, gegen die Zivilbevölkerung vorzugehen. Gegen Menschen, die den Wahlbetrug des Sozialisten Morales nicht goutieren wollten.

Dass jetzt die Sozialisten auf der ganzen Welt ebenfalls von einem «Putsch» sprechen – entweder vonseiten des Militärs oder eben dem Volk – zeugt von deren Ohnmacht. Seien es nun der antisemitische Marxist Jeremy Corbyn oder Kubas kommunistischer Staatsführer Miguel Díaz-Canel.

Dass ein weiteres sozialistisches Experiment gescheitert ist, schürt ganz offensichtlich Angst unter den autoritären Linken auf dieser Welt – und lässt hingegen demokratische Kräfte in Südamerika wieder hoffen. Von einem «Staatsstreich» sprechen sozialistische und auch andere Diktatoren wie Nicolas Maduro in Venezuela oder Nicaraguas Daniel Ortega.

Ein Signal für den Kontinent

Letzterer bewies unlängst, dass er seine Macht anscheinend nur halten kann, wenn er auf protestierende Studenten einprügeln und auf sie schiessen lässt. Doch Morales’ Niedergang, der Niedergang eines Sozialisten, der an der Demokratie gescheitert ist, lässt die demokratischen Bewegungen in Kuba, Nicaragua oder Venzuela wieder hoffen. Noch immer wird ihre laute Stimme mit Gewalt unterdrückt, und viele gaben, wie auch viele Bolivianer, schon die Hoffnung auf, dass eine Rückkehr zum demokratischen Rechtstaat möglich wäre.

Doch die Proteste der Bolivianer haben gezeigt, dass es möglich sein kann. Ein Signal für den ganzen Kontinent. In einem letzten Anlauf versuchen Morales’ Anhänger wieder zu übernehmen. Sie attackierten die Feiernden und zündeten Häuser von Oppositionellen an. Doch es ist zu spät. In Bolivien ist die Sozialistendämmerung angebrochen. Hoffentlich erreicht sie auch den Rest des Kontinents.

Dieser Artikel wurde automatisch aus unserem alten Redaktionssystem auf unsere neue Website importiert. Falls Sie auf Darstellungsfehler stossen, bitten wir um Verständnis und einen Hinweis: community-feedback@tamedia.ch