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«Sie haben sich ihre eigene Subkultur geschaffen»

Drogenhandel und Territorialkämpfe: Der Zustand in der Dreirosenanlage hat sich in der letzten Zeit dramatisch verändert. Für Marc Moresi, der schon seit mehr als 13 Jahre im Jugendzentrum arbeitet, ist die Spitze des Eisberges erreicht.

Der Dreirosen-Kenner Marc Moresi kämpft für friedliche Stimmung im Park.
Der Dreirosen-Kenner Marc Moresi kämpft für friedliche Stimmung im Park.
Florian Bärtschiger

An diesem tristen Nachmittag ist die Dreirosenanlage nicht gut besucht. Nur ein Jogger macht an einem Fitnessgerät seine Übungen. Und in einer Ecke unter der Brücke lungern um die 20 Personen herum. Aus ihren Musikboxen dröhnt sehr laute Musik. Plötzlich verfolgt ein Mann aus ebendieser Richtung einen anderen: Vermutlich nur ein Spass unter Freunden, denken wir. Doch dann zückt der Verfolger ein Messer. Die beiden rennen durch den Park, als wären die wenigen Anwesenden Luft. Völlig ausser Atem zieht der Flüchtende einen Pfefferspray. Er dreht sich um und sprüht dem anderen ins Gesicht. Jetzt flieht dieser.

«So ist das bei uns jeden Tag», sagt Eren, der den Grossteil seines Alltags in diesem Park verbringt. Die Ecke unter der Brücke sei sein Zuhause. Dennoch erklärt er die Anlage zum gefährlichsten Ort in ganz Basel. «Es existieren eine Menge unterschiedliche Gruppierungen.» Täglich komme es zu «Territorialkämpfen». Es gebe so viele verschiedene Nationalitäten, man müsse aufpassen, wo man sich hinsetze. In seinen Erzählungen ist er völlig offen. Es stört ihn keineswegs, dass hinter ihm verschiedene Drogen verkauft und konsumiert werden.

«Auf euch alle schiessen»

Auch für Marc Moresi, den Leiter der Dreirosenhalle, sind solche Auseinandersetzungen Alltag. «Viele der Personen, die in diesen Gruppen sind, haben keine Skrupel.» Für ihn sei es unverständlich, dass das Jugendzentrum Dreirosen eine Bewilligung für eine Hüpfburg brauche und diese Typen sich ohne allzu grossen Widerstand darüber streiten können, auf welcher Treppen­stufe sie sitzen dürfen. Die Behörden würden der Situation nicht gerecht.

Am Donnerstag machte die Jugendarbeit Basel in einem offenen Brief auf die Gewalt und den Drogenhandel in der Anlage aufmerksam (die BaZ berichtete). Moresi sagt, es müsse unbedingt etwas geschehen: «Die zuständigen Instanzen müssen endlich richtig durchgreifen.»

Auch für die Angestellten der Stadtgärtnerei sei die Situation unerträglich. «Den Arbeitenden werden Hämmer und Schaufeln weggenommen.» Ein Gärtner hat die Verfolgung und den Kampf der beiden Männern auch mitverfolgt. Extrem genervt und aus der Wut heraus schreit er ihnen nach: «Einfach ein Gewehr nehmen und auf euch alle schiessen.» Zu seinem Glück hörten es die Beteiligten nicht.

Primarschüler werden zeugen von Gewalt

Neben dem Jugendzentrum befindet sich die Sekundarschule Theobald Baerwart und die Primarschule Dreirosen. Vor allem für die ganz kleinen Schüler sei die Situation im Park nicht zumutbar, da sie oft Zeugen der Gewalttaten werden. «Vor ein paar Tagen geriet eine Gruppe von Kleinkinder in eine Massenschlägerei», sagt Moresi besorgt. Eren und sein Kollege Ibrahim haben auch Kinder. «Meine Kinder gehen hier zur Schule, darum bin ich da und passe auf sie auf», sagt der aus der Türkei stammende Eren. Für Ibrahim seien die Vorfälle gravierend. «Ich bin auch oft hier, aber wenn es zu einer gefährlichen Situation kommt, verschwinde ich.»

Marc Moresi arbeitet seit mehr als 13 Jahren in dem Jugendzentrum. Gewalt habe schon immer eine grosse Rolle gespielt, aber seit eineinhalb Jahren habe sich die Lage dramatisch verschlimmert. «Sie haben ihre eigene Welt erschaffen, eine Subkultur, wenn man so will.» Die gewaltbereiten Personen, meist Männer, haben nichts mehr zu verlieren. Das Gefängnis sei für manche wie ein Hotel. «Als vor einiger Zeit einer verhaftet wurde, lachte er nur.» Unter Einfluss von Alkohol und Drogen bekriegen sie sich gegenseitig, bepöbeln fremde Frauen aufs Übelste oder legen sich mit der Polizei an.

Keine Nationalitätsfrage

Die meisten Aggressoren seien meist afrikanischer oder arabischer Herkunft. «Basels Nähe zu Deutschland und Frankreich spielt eine grosse Rolle.» Dennoch will Moresi auf keinen Fall Angehörige bestimmter Nationalitäten für die Taten verantwortlich machen, sondern die perspektivlose Lage, in der sich die meisten befinden.

Entgegen den Behauptungen der Linken, die laut Moresi meinen, dass man die Betroffenen verdrängen wolle, sei das Ziel lediglich, die Atmosphäre im Park wieder friedlicher zu gestalten. Kinder sollen sich nicht mehr fürchten. Die Anlage solle eigentlich von einer bunten Mischung verschiedener Nationalitäten genutzt werden. «Unser Ziel ist es, dass Parkbesucher wieder respektvoll miteinander umgehen», bringt es Moresi auf den Punkt.

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