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Keine Entschädigung für gebuchte Italien-Ferien

Der Bund verzichtet auf länderspezifische Reisewarnungen und schafft Probleme für die Reisebranche und die Kunden.

Die Versicherungen werden keine Entschädigungen zahlen, solange das EDA keine Reisewarnungen ausgibt. Die Strände in Italien bleiben damit wohl so leer wie hier in der Vorsaison in Rimini. Foto: Reto Oeschger (29.4.2016)
Die Versicherungen werden keine Entschädigungen zahlen, solange das EDA keine Reisewarnungen ausgibt. Die Strände in Italien bleiben damit wohl so leer wie hier in der Vorsaison in Rimini. Foto: Reto Oeschger (29.4.2016)

Ausgerechnet zum Zeitpunkt, in dem Italien eine Reisesperre für das ganze Land verhängt, ändert der Bund seine Praxis bei Reisewarnungen zum Coronavirus. Künftig publiziert das Eidgenössische Departement für auswärtige Angelegenheiten (EDA) dazu keine expliziten länderspezifischen Warnungen mehr.

Das EDA begründet die Änderung damit, dass das für Gesundheitsrisiken zuständige Bundesamt für Gesundheit (BAG) seit 9. März ­keine länderspezifische Warnungen mehr zu Corona herausgebe.

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In fast allen Regionen der Welt bestehe das Risiko einer Ansteckung, schreibt das BAG auf seiner Website. «Deshalb definieren wir seit 9. März 2020 keine betroffenen Gebiete mehr.»

Kein Warnhinweis, kein Geld zurück

Bisher hatte das EDA die länderspezifischen Corona-Warnungen des BAG übernommen: So ­wurde auf der EDA-Seite vor Reisen in die chinesische Provinz Hubei oder in die bisherigen Sperr­zonen Norditaliens gewarnt. Seit Dienstag findet man keine solchen Warnungen mehr, nicht einmal mehr für Reisen nach Wuhan.

Zwar wird auf der EDA-Website auf die drastischen Massnahmen in Italien hingewiesen, mit denen das Land am Montagabend auf das grassierende Coronavirus reagierte. Dass der explizite Warnhinweis für Italienreisen fehlt, hat aber finanzielle Folgen für jene, die Italienreisen gebucht haben. Ohne EDA-Reise­warnung erhält der Kunde kein Geld von der Versicherung zurück. Annullationsversicherungen zahlten in der Regel nur, wenn das EDA von einer Destination abrate, sagt Walter Kunz, Geschäftsführer des Schweizer Reise-Verbandes. «Jetzt hat der Kunde ein Problem.»

Kunz befürchtet, dass die Kunden nun mit einem eigent­lichen Buchungsstopp für Auslandreisen reagieren. Bereits jetzt herrsche grosse Zurückhaltung bei den Buchungen. Für die Reisebranche sei die Praxisänderung bei den Reisehinweisen ein weiterer Rückschlag. Die Branche sei am Montag darüber an einer Sitzung in Bern vom EDA informiert worden. Kunz will die Behörden zwar nicht kritisieren, da er die Begründung nachvollziehen könne. «Doch für die Reisebranche ist das sehr unschön.»

Bessere Chancen bei Buchung über Reisebüro

Für die Kunden ändert auch der Umstand nichts, dass die Reise­sperre von der italienischen Regierung verhängt wurde. Nicht nur die Versicherer, sondern auch die Reiseveranstalter ihrerseits sind laut Kunz nicht verpflichtet, die Kosten zurückzuerstatten. Denn Epidemien und Anordnungen von ausländischen Regierungen würden wie Naturereignisse als «höhere Gewalt» eingestuft. Als Beispiel nennt er den Vulkanausbruch von 2010 auf Island, der den Flugverkehr vorübergehend verunmöglichte. Auch wenn nun in einem Land Hotelgäste auf behördliche Anordnung in Quarantäne bleiben müssen, gehen die Kosten grundsätzlich zulasten der Kunden.

Kunz hofft nun auf die Kulanz der Versicherungen. Die Reisebranche werde sich deshalb mit den Versicherern treffen. Eine gewisse Chance hat der Kunde auch noch, wenn er ein Ferien-Arrangement bei einem Reiseveranstalter gebucht hat. Die Reisebüros versuchten in der Regel, von den Hotels Geld für Reiseannullationen zurückzuerhalten, wenn diese wegen höherer Gewalt erfolgt seien. Weil die ­Hotels auch künftig Geschäftsbeziehungen mit den Reiseveranstaltern pflegen wollten, zeigten sie sich in der Regel kulant.

Österreich geht anders vor und warnt

Das EDA verweist darauf, dass der Bund generell zurückhaltend mit Reisewarnungen sei. Abgeraten werde in der Regel nur von Reisen in Länder, in denen die staatliche Ordnung nicht mehr gewährleistet sei. Dies sei in Italien nicht der Fall.

Ganz anders geht Österreich vor. Das zuständige Bundesministerium warnte bereits am Dienstagmorgen, nachdem Italien die Reisesperre verhängt hatte, vor Reisen nach Italien. «Für ganz Italien gilt die Sicherheitsstufe 6 (Reisewarnung)», heisst es auf der Website. Österreichischen Reisenden wird «dringend nahegelegt, nach ­Österreich zurückzukehren».

Update 11.03.2020: Nach der Publikation des Artikels hat sich die Zurich-Versicherung gemeldet. Sie legt Wert auf die Feststellung, dass die Zurich Annullationen von Reisen nach Italien mit Abreisedatum bis zum 3. April 2020 übernimmt. Ausgenommen seien reine Flugreisen ab italienischen Flughäfen oder Transferflüge, zum Beispiel via Milano. Ebenfalls gemeldet hat sich die Mobiliar. Sie gewährt Deckung für Reisen mit Abreisedatum bis zum 31. März 2020 nach China, Hongkong, Iran, Italien, Japan, Südkorea, Singapur.

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