Kantonale Abstimmung um 250 Meter Strasse

Oberwil

Die Baselbieter Stimmberechtigten entscheiden, ob das fehlende Teilstück der Langmattstrasse in den Richtplan eingetragen wird.

Die Langmattstrasse führt heute unter der Unterführung durch ins Nichts. Foto: Daniel Wahl

Die Langmattstrasse führt heute unter der Unterführung durch ins Nichts. Foto: Daniel Wahl

Thomas Dähler

Der Baselbieter Richtplan enthält zahlreiche Projekte, die dereinst realisiert werden könnten. Vielleicht auch realisiert werden. Wenn nun in der Referendumsabstimmung vom 24.November der Richtplaneintrag von 250 fehlenden Metern für die Oberwiler Langmattstrasse abgelehnt wird, ist dem Bau der Strasse vorsorglich der Riegel geschoben.

Das Referendum gegen die Langmattstrasse ergriffen hat ein lokales Komitee. Zuvor hatte der Landrat zwar das teure Generelle Projekt für die Strasse abgelehnt, den Richtplaneintrag aber gutgeheissen. Auch eine inzwischen von der Bau- und Umweltschutzdirektion vorgeschlagene abgespeckte Variante hat nichts an der Opposition geändert.

Die halbe Strasse steht schon

Bei der Langmattstrasse handelt es sich um eine Strasse auf Oberwiler Boden zur Querung des Talbodens. Eine erste Etappe der Langmattstrasse vom Dorf Richtung Talboden wurde schon 1983 eingeweiht. Doch seither scheiterten alle Bemühungen, die fehlenden 250 Meter bis auf die gegenüberliegende Talseite zu bauen, am mehrmaligen Widerstand der Gemeindeversammlung von Oberwil.

Jetzt hat der Kanton, wie von einer Landratsmehrheit gefordert, eingegriffen und mit dem Richtplaneintrag auch seinen Willen manifestiert, die Strasse innert fünf Jahren zu planen und zu bauen – wenn denn die Baselbieter Stimmberechtigten zustimmen. Die Langmattstrasse hätte den Vorteil, dass sie das Bahntrassee mit einer Unterführung quert, während die benachbarten Verbindungen durch eine Barriere beeinträchtigt sind.

Dass es den Gegnern gelingt, die Bevölkerung im ganzen Kanton zur Vereitelung des Projekts zu gewinnen, dürfte ihnen nicht ganz leicht fallen. Schon zwischen Oberwil und dem benachbarten Therwil sind die Befindlichkeiten unterschiedlich.

Die einzige Strasse zur Querung des Tals, die ohne einen Bahnübergang mit Barriere auskommt, befindet sich nämlich in Therwil. Die dortige Ringstrasse, eine einfache Gemeindestrasse, quert das Tramtrassee heute als einzige ohne Bahnschranke.

Ob allerdings der Bau einer neuen Strasse zur Talquerung tatsächlich die Verkehrssituation verbessern würde, ist unsicher. Die kantonale Bau- und Umweltschutzdirektion hielt in der Vorlage fest, dass auch mit einer neuen Strasse nur eine «geringe Verkehrsentlastung in den Zentren» zu erwarten sei und die Stausituation nur in den Spitzenstunden entschärft würde.

Nutzlos und zu teuer

Das Referendumskomitee bekämpft die Strasse nach eigenen Angaben, weil sie nutzlos sei, ­weder das Dorfzentrum von Oberwil noch jenes von Therwil entlaste, aber die Natur verbetoniere und ein wichtiges Naherholungsgebiet verschandle. Ausserdem meint das Komitee, die Strasse sei entweder zu teuer oder nehme in der günstigeren Form zu wenig Rücksicht auf den Fuss- und Veloverkehr und auf die Anwohner.

Das Referendumskomitee argumentiert, es brauche für die Verkehrsprobleme im Leimental eine effizientere und nachhaltigere Lösung. Baut man nur das fehlende Teilstück der Langmattstrasse, drohe die Gefahr, dass eine neue Achse von Allschwil Richtung Bruderholz gebaut werde. Diese entspräche dann der einst erwogenen Südumfahrung, die am Widerstand der Bevölkerung gescheitert ist.

Der Ausbau der Langmattstrasse sei ein wichtiger Lückenschluss des Kantonsstrassennetzes im Leimental, verteidigen die kantonalen Behörden hingegen im Abstimmungsbüchlein den Richtplaneintrag. Es gehe um die Korrektur einer Situation, die sichmit der Taktverdichtung der Tramlinien 10 und 17 verschärft habe. Der Strassenverkehr und der Tramverkehr würden an dieser Stelle im Netz entflochten. Das erlaube die Entlastung der Wohngebiete, der Ortsdurchfahrten und der Tramübergänge.

«In den Spitzenzeiten am Morgen und Abend kann der Verkehrsfluss deutlich verbessert und die Abhängigkeit vom Trambetrieb erheblich reduziert werden», heisst es weiter. Ausserdem könne mit der Langmattstrasse auch die Erhaltung und Weiterentwicklung des Gewerbegebiets Mühlematt als regionaler Standort für Gewerbe und KMU sichergestellt werden.

Kein definitiver Entscheid

Mit der Festlegung des Korridors der Langmattstrasse im Richtplan werde vorerst die Freihaltung des nötigen Raums sichergestellt, heisst es weiter. Damit werde nur die Voraussetzung geschaffen, um einen Bau der Strasse überhaupt zu ermöglichen.

Im Abstimmungsbüchlein wird festgehalten, dass es später weitere Beschlüsse und je nachdem wiederum eine Volksabstimmung brauche. Erst damit werde entschieden, ob die Verlängerung der Langmattstrasse effektiv gebaut werde.

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