«Ich habe keine Angst vor dem Chaos mehr»

Michèle Zeggari aus Basel bietet eine Aufräumberatung nach der Methode der Bestseller-Autorin Marie Kondo an.

Michèle Zeggari räumt Schränke wie ihr Vorbild Marie Kondo auf.

Michèle Zeggari räumt Schränke wie ihr Vorbild Marie Kondo auf.

(Bild: Florian Bärtschiger)

Diese Woche ist das neue Buch der Aufräum-Ikone Marie Kondo erschienen. Mit ihrer KonMari genannten Methode animiert die Japanerin Menschen auf der ganzen Welt, Ordnung zu schaffen – so auch in der Schweiz. «Ich habe immer viel zu viel Zeit verloren, um Sachen zu finden, und manchmal sogar Dinge doppelt gekauft, weil ich nicht mehr wusste, wo sie waren», berichtet Michèle Zeggari aus Basel. Als sie eine eigene Familie gründete, uferte das Problem aus. «Ich war ständig am Aufräumen und hatte doch nie Ordnung», erinnert sich Zeggari.

Durch einen Zufall stiess die Primarlehrerin im Dezember 2016 auf das Buch von Kondo. Da Zeggaris Mann und Sohn gerade in den Ferien weilten, probierte sie die Methode im eigenen Haushalt aus. Dazu gehört, dass man nur einmal aufräumt, aber dafür richtig. Zudem wird nach Kategorien vorgegangen und nicht nach Zimmern. «Sonst verschiebt man das Chaos nur von einem Raum in den anderen», erklärt Zeggari. Alle Gegenstände einer Kategorie, zum Beispiel Kleider, werden zuerst auf einen Haufen geworfen. «Es war ein Schock, zu sehen, was man schon alles hat», sagt die 44-Jährige. Dann wird aussortiert nach dem Motto: Was macht mir wirklich Freude? Was ist mir wichtig?

Coachs mit Schweigepflicht

Das führt zwangsläufig auch zu einer Auseinandersetzung mit sich selbst und zu einem nachhaltigeren Lebensstil. «Man kauft nachher ganz anders ein – viel weniger und gezielter», sagt Zeggari. Im Anschluss werden die Gegenstände nach einem klaren System wieder eingeräumt: Alles, was zusammengehört, kommt an den gleichen Ort. «Jedes Ding hat seinen Platz, und man sieht auf den ersten Blick, was man alles hat», so Zeggari.

In insgesamt einem Monat arbeitete die Baslerin bei sich zu Hause alle Kategorien durch und konnte das System seither problemlos beibehalten. «Ich habe keine Angst vor dem Chaos mehr. Es ist so einfach, wenn man mal weiss, wie Aufräumen geht», sagt sie und fügt hinzu: «Schade, hat mir das niemand früher erklärt, denn das hätte mir viel Zeit und Ärger erspart.»

Um ihre positiven Erfahrungen weiterzugeben, hat sich Zeggari nun zum KonMari-Aufräum-Coach ausbilden lassen. Im September nahm sie an einem dreitägigen Seminar in Santa Monica in den Vereinigten Staaten teil. Dort lernten die Teilnehmenden vor allem den Umgang mit der Kundschaft. So wird beispielsweise immer nur mit einer Ansprechperson zur gleichen Zeit gearbeitet. Zudem pflegen die Coachs eine Schweigepflicht gegen aussen, «denn es braucht Vertrauen, um jemanden in die eigenen vier Wände zu lassen». Nach dem Seminar ist Zeggari nun Trainee. Erst wenn sie während 30 Stunden mindestens zwei Personen beraten hat, darf sie den Abschluss in Form eines Tests und eines Interviews machen und sich fortan Certified Consultant nennen. Bereits jetzt hat sie sich aber mit zwei anderen Aufräum-Coachs aus Basel zusammengetan, mit denen sie künftig zusammen auftreten will: Alice Bauer (www.konali.ch) und Nadja Cereghetti ­(www.tidytothrive.com). Eine gemeinsame Homepage ist in Vorbereitung (www.sparkjoyswitzerland.ch). Noch ist Zeggari aber erst per Mail erreichbar (michele.zeggari@gmail.com).

Aufräumen mit Kindern

Über das Erscheinen des Kinderbuchs von Marie Kondo freut sie sich als Mami eines Dreieinhalbjährigen natürlich besonders: «Alle beschweren sich, dass Kinder nicht aufräumen, aber man sollte ihnen auch zeigen, wie es geht. Ich erhoffe mir, dass mein Sohn sich mit den Helden aus dem Buch identifiziert», so ­Zeggari.

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