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Falscher Polizist vor Gericht

Betrüger forderten Rosemarie Gmür* dazu auf 120'000 Franken in Bar vor ihre Haustür zu legen. Doch die Falle schnappt zu. Am Dienstag steht der Täter vor dem Strafrichter.

Rosmarie Gmür sollte das Telefon nicht auflegen. Damit wollten die Betrüger sicher stellten, das die Polizei nicht angerufen wird.
Rosmarie Gmür sollte das Telefon nicht auflegen. Damit wollten die Betrüger sicher stellten, das die Polizei nicht angerufen wird.

Am 28.Juni, um 11:30 Uhr, klingelt bei Rosemarie Gmür* das Telefon. Auf dem Display erscheint die Nummer der Zürcher Kantonspolizei. Am Apparat meldet sich, in akzentfreiem Hochdeutsch, Polizistin Müller. Was sie der 78-Jährigen zu berichten hat, ist beunruhigend. In Gmürs Umgebung seien zwei Türken festgenommen worden. Diese hätten nicht nur Geld und Schmuck auf sich getragen, sondern auch ein schwarzes Notizbuch. Darin stehe, an oberster Stelle einer Namensliste, ihr Name.

Müller erkundigt sich, ob Gmür ein Schliessfach habe, was diese bestätigt. Dieses Schliessfach sei aufgebrochen und das enthaltene Bargeld mit Falschgeld ersetzt worden, informiert sie die Polizistin. Sie solle dieses Geld von dort holen und zu sich nach Hause nehmen. Rosemarie Gmür folgt den Anweisungen. Sie geht zur Basler Kantonalbank an der Schifflände und holt die dort deponierten 120'000 Franken. Diese bringt sie zurück in ihre Wohnung, die ebenfalls in der Innerstadt liegt.

Opfer wird misstrauisch

Eine weitere Person kommt ans Telefon und verlangt, dass Gmür ihm die Seriennummern der Scheine durchgibt. Polizistin Müller informiert die 78-Jährige, dass nun ein Beamter in zivil in ihrem Haus sei. Sie solle die 120'000 Franken in eine Papiertüte packen und vor die Haustür legen. Doch nun wird Rosemarie Gmür misstrauisch. Sie weigert sich, das Geld einfach so vor der Tür zu deponieren. Das Misstrauen ist berechtigt. Denn sie ist mitnichten mit der Zürcher Kantonspolizei am Telefon, sondern mit unbekannten Betrügern. Während dem ganzen Vorgang wird Gmür angewiesen die Telefonverbindung nicht zu unterbrechen. So gehen die Betrüger sicher, dass sie die echte Polizei nicht verständigen kann.

Der angebliche Zivilbeamte, der das Geld abholen soll, ist Serkan Aldemir*, 23 jährig, geboren in Aarau, vorbestraft wegen Vergehen gegen das Betäubungsmittel- und das Waffengesetz sowie wegen Sachbeschädigung. Am Dienstag steht Aldemir wegen der Mithilfe beim versuchten Betrug vor dem Basler Strafgericht. Der beschriebene Ablauf der Tat stammt aus der Anklageschrift. Dort steht ebenfalls, dass Aldemir nicht der Regisseur des betrügerischen Spiels ist. Für das Abholen des Geldes wurden ihm lediglich 1500 Franken versprochen. Von den Auftraggebern ist nur ein mit vollem Namen bekannt.

Als Aldemir, das Mobiltelefon am Ohr, die Liegenschaft von Rosemarie Gmür betritt, steht der Fahndungsdienst der echten Polizei bereit. Die Kantonspolizei hat zuvor einen telefonischen Hinweis erhalten, dass Frau Gmür Opfer von Telefonbetrügern sein könnte. Im Erdgeschoss wartet Aldemir darauf, dass Rosemarie Gmür das Geld vor die Haustür legt. Als dies nicht geschieht, verlässt er, das Handy noch immer am Ohr, um 13:45 Uhr zügig die Liegenschaft. Auf der Strasse wird er schliesslich von den Beamten des Fahndungsdienstes festgenommen.

*Name geändert

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