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Falscher Polizist gab den Ahnungslosen

Ein 23-jähriger Türke sagte vor dem Strafgericht, dass er nicht gewusst habe, weshalb er nach Basel fahre. Bei einer betagten Frau sollte er Geld abholen, das sie von der Bank geholt hatte.

15 Monate bedingt – so lautet die Strafe für den Betrüger, der sich als Polizist ausgab.
15 Monate bedingt – so lautet die Strafe für den Betrüger, der sich als Polizist ausgab.

Serkan Aldemir* signalisierte im Saal des Strafgerichts mit seinen Händen Gleichgültigkeit. Der 23-Jährige gab vor, nicht zu wissen, von wem er auf einem Parkplatz im Aarauer Schachen das Telefon erhalten hatte. Dort erhielt er Informationen, an welcher Adresse in Basel er das Geld von Rosemarie Gmür* abholen sollte. Die betagte Frau hatte auf der Kantonalbank an der Spiegelgasse 120000 Franken geholt und sollte es einem Polizisten in Zivil aushändigen. In diesem Fall war es Aldemir, der für seine Dienste 1500 Franken kassieren sollte. Eine Frau Müller von der Polizei in Zürich hatte Frau Gmür an diesem Tag Ende Juni 2018 angerufen – mit Zürcher Nummer. Sie sagte der Rentnerin am Telefon, dass ihr Geld und sie persönlich in Gefahr seien und sie es auf der Bank holen solle. Die klassische Betrugsmasche falscher Polizisten.

Gmür vollzog den letzten Schritt, die Übergabe des Geldes innerhalb des Hauses, allerdings nicht. Sie wurde misstrauisch, wollte das Geld nicht vor die Haustür legen, wo es Aldemir entgegengenommen hätte. Stattdessen rief sie die richtige Polizei an, worauf Fahnder Aldemir vor ihrem Haus festnahmen.

Aldemir gab sich vor dem Dreiergericht zugeknöpft. Er behauptete, nicht zu wissen, warum ihn ein Kollege von Aarau nach Basel gefahren hatte. Er wollte auch nichts von seiner Rolle als Geldkurier wissen. Wollte die Hintermänner nicht kennen, die von der Türkei aus operieren und Rentner über den Tisch ziehen. Gerichtspräsident Dominik Kiener fragte den Türken, wie oft er denn schon in Basel gewesen sei und ob er die Stadt kenne. Zweimal, antwortete Aldemir. Einmal an der Herbstmesse, ein anderes Mal zum Einkaufen.

Auf Bruderholz geortet

Doch Kiener wusste von einem dritten Mal. Bei diesem Besuch zeichneten Antennen Aldemirs Daten des persönlichen Handys auf dem Bruderholz auf. Just in der Nähe und zu gleicher Stunde, wo Rentner «falschen Polizisten» hätten Geld übergeben sollen.

Ähnliche Fälle spielten sich in der Stadt Zürich ab. Auch dort orteten Antennen das Handy Aldemirs in der Nähe von verkappten Geldübergaben an falsche Polizisten. Doch der zurückhaltende junge Mann bestritt einen Zusammenhang zwischen den Taten und seiner Person. Er redete oftmals undeutlich und sprach von reiner Zufälligkeit.

Gerichtspräsident Kiener sprach von Schutzbehauptungen, die Aldemir dem Gericht auftische. Er gäbe sich vor Gericht zu «leidenschaftslos», habe «zu wenig Feuer» und Eifer, wenn es darum gehe, für seine Unschuld einzustehen. Das Gericht sah die Straftat des versuchten Betrugs als bewiesen und verurteilte Aldemir zu 15 Monaten Freiheitsstrafe bedingt. Dazu erhielt der nahe Aarau wohnhafte Mann eine Probezeit von vier Jahren. «Sie müssen spüren, dass sie nahe am Gefängnis vorbeigeschrammt sind», begründete Kiener die höher als von der Staatsanwaltschaft geforderte Probezeit. Sie fiel höher aus, weil Aldemir bereits zweimal vorbestraft war, einmal wegen Marihuanabesitzes und einmal wegen einer Sachbeschädigung an einer Bushaltestelle.

Keine Reue

Ein Kollege von Aldemir, den er oft anrief, war eine Woche zuvor von der Polizei festgenommen worden. Er versuchte in Zürich Geld mit der Masche der falschen Polizisten abzuholen. Wer die Hintermänner sind, blieb während des Prozesses im Dunkeln. Aldemir, der während etwas mehr als vier Monaten als Untersuchungshäftling im Gefängnis sass, gab während der Einvernahmen nur Dinge oder Namen preis, welche die Ermittler aufdeckten. Er zeigte sich im Verfahren weder kooperativ noch reuig.

*Name geändert

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