Ein Meilenstein für 200 Millionen

Mit der Eröffnung des Wasserparks «Rulantica» dringt der Europapark mal wieder in neue Sphären vor.

Dank dem neuen Wasserpark «Rulantica» kann der Europapark jetzt das ganze Jahr über Gäste empfangen.

Dank dem neuen Wasserpark «Rulantica» kann der Europapark jetzt das ganze Jahr über Gäste empfangen.

Sebastian Briellmann

Für schlechte Stimmung oder schwermütige Gedanken gibt es an diesem Donnerstag keinen Platz bei Roland Mack; er strahlt, wenn er zuhört. Er strahlt, wenn er spricht. Der Patron der Besitzerfamilie des Europaparks scheint selber ein wenig überwältigt, wenn er über die Eröffnung des neuen Wasserparks «Rulantica» Auskunft gibt, es kommen sogar Superlative («gigantisch», «grossartig») vor – etwas, das sonst nicht die Art des 70-Jährigen ist.

Ganz unrecht hat der Patron ja auch nicht mit seinen euphorischen Voten: Was der Europapark seinen Gästen nun bietet, ist die Vollendung des grössten Projekts der über 40-jährigen Unternehmensgeschichte, mit Abstand sogar, und bedingt Investitionen von 200 Millionen Euro. Entstanden ist eine Erlebniswelt, gestaltet im skandinavischen Stil. Das will gefeiert werden, mit viel Brimborium, hochrangigen Politikern und Stars wie Weltmeister Joachim Löw oder Ex-Schwimmstar Franziska van Almsick. 300 Journalisten aus ganz Europa sind extra angereist.

Stillstand ist Rückschritt

Aber so ein kleines bisschen hat sich Roland Mack geärgert in den letzten Tagen. Er hat nämlich realisiert, dass das Hotel Krønasår mit seinen 1300 Betten, das mit «Rulantica» verbunden ist, eigentlich schon wieder zu klein ist. Die Auslastung liegt – wie bei den anderen fünf Hotels im Park – bereits wieder bei weit über 90 Prozent. Es mögen Luxussorgen sein, aber man müsse, liess Mack verlauten, schon jetzt über neue Hotels nachdenken.

Und auch der Wasserpark ist noch nicht zu Ende gedacht – einen Wellnessbereich im klassischen Sinne gibt es noch nicht. Platz hat es genug rund um das Gebäude, das Land gehört den Macks längst. «Stillstand bedeutet Rückschritt», sagt Dieter Borer, Europapark-Chef Schweiz. «Das ist die Philosophie.» Immer neu, immer mehr, immer besser auch. Doch wann ist auch für die erfolgreichen Betreiber, die in vier Jahrzehnten laufend Grenzen verschoben haben, der Peak erreicht? Roland Mack hat einmal gesagt, ein zweiter Park etwa sei kein Thema, man wolle einzigartig, unique bleiben.

Mit «Rulantica» ist man ganz leicht von diesem Plan abgewichen, das neue Areal liegt rund einen Kilometer vom Epizentrum entfernt. Aber ist das viel? Ist das schlimm? Dass dies die Besucher grämen wird: Davon ist nämlich nicht auszugehen. Der Run auf die Tickets ist überwältigend, heisst es.

Laut Schätzungen – Zahlen gibt der Europapark nie bekannt – beträgt der jährliche Erlös rund 300 Millionen Euro, mit «Rulantica» dürften es nochmals 30 bis 50 Millionen mehr sein. Erwartet werden zwischen 600'000 und 800'000 Gäste pro Jahr. Das erklärte Ziel ist es, dadurch mehr Tagesaufenthalte zu generieren. Und mit dem ganzjährig geöffneten Wasserpark dürften auch die Hotelübernachtungen rapide ansteigen – bisher fielen diese zwischen Januar und Ende März aus, wenn der Park in der Winterpause ist.

Dennoch muss die Frage erlaubt sein, ob es nun bereits wieder einen nächsten grossen Wurf erträgt. Thomas Mack, der Sohn des Patrons, sagt im Gespräch mit dieser Zeitung: «Nebst den 200 Millionen für den Wasserpark mussten wir auch einen zweistelligen Millionenbetrag für den Wiederaufbau nach dem Grossbrand im Themenbereich Piraten von Batavia aufwenden. Eins nach dem anderen.» Das sind stolze Beträge, die zuerst wieder eingespielt werden müssen. Aber selbst solche Rückschläge (und die daraus folgenden Baustellen) haben das Besucherinteresse nicht geschmälert, im Gegenteil: 1975 kamen 300'000 Menschen in den Europapark, heute sind es rund 6 Millionen.

Hochkomplexe Aufgabe

Gute Kunden sind auch die Schweizer, der Ausflug gehört zu den beliebtesten Reisezielen. 22 Prozent aller Gäste stellt unser kleines Land, bei den Hotelübernachtungen zeichnen wir für 38 Prozent verantwortlich. Ein Abflauen ist kaum denkbar. Thomas Mack sagt: «Wir haben uns bewusst für einen Wasserpark entschieden, weil unsere Gäste gesagt haben: Wenn etwas fehlt, dann das.»

Am 28. November 2019 eröffnete nach über zwei Jahren Bauzeit Rulantica im Europapark. Die BaZ besuchte die Wasserwunderwelt. Video: Mischa Hauswirth

Bei aller Euphorie, die derzeit herrscht, darf etwas nicht vergessen werden: Das Aufrechterhalten dieser glitzernden Traumwelt ist eine hochkomplexe Angelegenheit, der Europapark braucht dafür mittlerweile 4000 Mitarbeiter, rund 300 sind mit «Rulantica» plus Hotel dazugekommen. Wegen einer tiefen Arbeitslosigkeit im reichen Baden-Württemberg ist es für die Verantwortlichen gar nicht mehr so leicht, die vielen Jobs zu vergeben. Auch in Frankreich nicht – und von der Schweiz darf gar keine Rede sein, dafür ist das Lohnniveau in Deutschland zu tief. Gesucht wurden die Arbeiter deswegen in ganz Europa, für die erneut Wohnraum gebaut werden musste. Wieder eine Investition im zweistelligen Millionenbereich.

Das Wachstum geht also weiter, scheinbar endlos. Was noch fehlt und trotz viel Bemühen noch nicht geschafft wurde: eine Zuganbindung an den Europapark. Die bei der Eröffnung anwesenden Politiker versprachen jedoch, sich noch stärker dafür einzusetzen. Es war an diesem Tag ein weiterer Moment, an dem Roland Mack strahlen konnte.

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