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Die verlorene Ehre des Hüseyin Akin

Der Basler Filmemacher wurde von der "Schweiz am Wochenende" als Spitzel insinuiert. Nur hat dieser nichts mit der Sache zu tun. Vergeblich kämpft er bislang für eine Richtigstellung.

Der Basler Filmemacher Hüseyin Akin hofft auf eine Genugtuung. Foto: Pino Covino
Der Basler Filmemacher Hüseyin Akin hofft auf eine Genugtuung. Foto: Pino Covino

Hüseyin Akin ist in der Türkei aufgewachsen, ist 58 Jahre alt und so etwas wie eine Drehscheibe für die Integration von Türken und Kurden am Rheinknie. Der Filmemacher lebt schon seit über 30 Jahren im Kleinbasel und hat sich durch Filme wie «Ruhe bitte!» oder «Die Hoffnung» sowie diverse Integrationsprojekte einen Namen gemacht. Seit dem Artikel «Der Spion zur rechten Zeit» von der «Schweiz am Wochenende» (SAW) jedoch sieht er sich im privaten und im beruf­lichen Umfeld mit Ablehnung konfrontiert. Grund ist eine ­Namensnennung der SAW im ­Artikel vom 23. September 2017 (siehe Box). «Ich merkte plötzlich, dass ich wegen dieses Artikels Probleme bekam. Es ist für mich seither schwieriger, an Aufträge zu kommen», erzählt Akin. «Die Leute denken, ich hätte den Spitzel aufgedeckt oder stecke da irgendwie mit drin und es könnte Probleme geben, wenn man mit mir spreche.»

Der Schweizer Presserat wies die Beschwerde von Hüseyin Akin nach fast zwei Jahren Beratungszeit am 3. September 2019 ab. Damit stellte sich jenes Gremium, das darüber befindet, ob die Arbeit von Journalisten sachlich wie ethisch korrekt ist, der SAW einen Persilschein aus. Für Akin jedoch ist die Sache noch nicht vorbei, für ihn sind die journalistischen Ungereimtheiten quälend. Noch heute kämpft er um seine Rehabilitation und wehrt sich dagegen, dass er ohne Grund und wegen falscher Beschuldigungen in den Strudel rund um die Basler Spitzel­affäre gezogen wurde.

«Wirklich unprofessionell»

Als die SAW-Journalisten im Rahmen ihrer Recherchen Akin anfragten, ob er der «Basler Zeitung» die Spitzelgeschichte gesteckt habe, dementierte Akin entschieden. Doch die SAW schrieb lediglich, Akin «verwahrt sich gegen die kursierende Vermutung, er habe die Verdächtigung gegen Y.S. losgetreten». Nur «verwahren» jedoch ist Akin zu wenig; er fühlt sich falsch wiedergegeben.

Als sich Akin deshalb beim ­damaligen Chefredaktor der «Basellandschaftlichen Zeitung» (sie gehört zum gleichen Verlag wie die «Schweiz am Wochenende») David Sieber beschwerte, räumte dieser Fehler ein. «Das war wirklich unprofessionell», schrieb Sieber in einem Mail, das der BaZ vorliegt. Eine Richtigstellung allerdings gab es nie.

Um die Recherchen über die Quelle der BaZ-Spitzelgeschichte zu untermauern, wurde Akin in die Nähe der Erdogan-treuen türkischen Organisation UETD gerückt. Er habe, so die SAW, mit der UETD Basel sympathisiert und um Geld für ein Filmprojekt nachgefragt. Als Beleg dafür dienten anonyme Aussagen und ein Foto, das Akin an einer UETD-Veranstaltung in Basel zeigt.

«Nie politisch tätig»

Eine Anfrage bei der UETD kann diese Darstellung jedoch nicht bestätigen: Ismail Algin, ehemaliger Präsident der UETD Basel, sagt, Akin sei lediglich zusammen mit anderen politisch interessierten Personen und Organisationen (darunter auch Kurden) an eine öffentliche Veranstaltung gekommen, um mehr darüber zu erfahren, was die UETD als Erdogans langer Arm im Kleinbasel wolle. Nie sei die UETD um Geld für einen Film gefragt worden; nie habe Akin mit der UETD sympathisiert. Wie es zur von der «Schweiz am Wochenende» gemachten Aussage kam, UETD-Mitglieder hätten bestätigt, dass er mehr als nur Gast gewesen sei, kann sich Akin nicht erklären.

In ihrer Beschwerdeantwort an den Schweizer Presserat schrieb die SAW von einer UETD-Nähe Akins und dass er sich bislang «als Unterstützer für die kurdische Bewegung PKK hervorgetan» habe. Beweise für diese Darstellung lieferten die Journalisten keine.

Akin weist das zurück. Und Seref Yildiz, Präsident des türkischen Arbeitgeberverbandes in der Schweiz, hält diese Darstellung für «unwahr», wie er auf Anfrage sagt. «Akin war nie politisch tätig, weder bei der UETD noch der PKK, und er ist auch kein Sympathisant dieser Gruppierungen», so Yildiz.

Kein Sympathisant

Die BaZ traf sich für die Recherche zu diesem Artikel mit mehreren Personen aus der türkisch-kurdischen Community in Basel. Etwas macht die Türken stutzig, was die SAW-Darstellungen zu Hüseyin Akin betrifft: PKK und UETD gehen nie und nimmer zusammen. Entweder steht man der PKK näher oder der UETD, oder man hält sich raus. Ein Spagat zwischen den Polen jedenfalls schien allen Befragten sehr unglaubwürdig.

Hüseyin Akin ist seit zehn Jahren parteilos und wird als jemand beschrieben, dem es nicht um Politik gehe, sondern um ­Integration. Das sagt auch die kurdischstämmige Basler Nationalrätin Sibel Arslan. «Hüseyin Akin ist engagiert im Migrationsbereich und hat viele Projekte in Basel gemacht», so Arslan. «Wenn jemand mit gewissen Leuten in Kontakt steht oder Gespräche führt, muss das noch lange nicht heissen, dass er ein Sympathisant ist.»

Die BaZ konfrontierte SAW-Journalisten mit den Recherchen. Die SAW-Journalisten wollten dem Presseratsentscheid nichts anfügen. Ihre Quellen, die Akin angeblich belasten, wollen sie nicht nennen.

Warten auf Entschuldigung

Zwar hat der Schweizer Presserat die Beschwerde gegen die SAW abgewiesen, in der Begründung jedoch hat er gesagt, dass es nicht nötig gewesen wäre, Akins Namen zu nennen.

Am Ende bleibt für Akin nur die Hoffnung, dass es eine Genugtuung für diese Verbreitung von Falschanschuldigungen gibt. «Würden diese Journalisten den Ehrenkodex ihres Berufsstandes hochhalten, würden sie sich bei mir entschuldigen und eine öffentliche Richtigstellung publizieren», sagt Hüseyin Akin.

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