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«Die Strasse nützt allen»

Die Befürworter der Langmattstrasse argumentieren, den «Lückenschluss» brauche es, weil BLT-Expresstram und Sportzentrum die Verkehrssituation verschärfen.

Zwei Drittel der Langmattstrasse sind für neun Millionen Franken gebaut worden. Sie in der Sackgasse enden zu lassen, wäre ein Skandal, finden Oskar Kämpfer, Andreas Dürr und Thomas Schulte (v.l.).
Zwei Drittel der Langmattstrasse sind für neun Millionen Franken gebaut worden. Sie in der Sackgasse enden zu lassen, wäre ein Skandal, finden Oskar Kämpfer, Andreas Dürr und Thomas Schulte (v.l.).
Lucia Hunziker

Als das Referendumskomitee um die grüne Oberwilerin Lotti Stokar gegen das Kantonale Strassenbauprojekt Langmattstrasse für die Abstimmung vom 24. November mobilmachte, pflanzte es sich auf dem Veloweg zwischen Marbach und dem Acker auf. Dies, um im Grünen den geplanten «Lückenschluss» zwischen den beiden Talachsen im Leimental als «nutzlos» zu bezeichnen. Gestern bezog – durchaus symbolisch – das Pro-Komitee auf der anderen Seite des Marbachs Stellung: im überbauten Gewerbegebiet Mühlematt, bei dem Haushaltsapparate- und Küchenbauer U. Baumann AG. Das kleine, noch zu vollendende Strassenstücklein von 250 Meter Länge – das letzte Drittel der bereits für neun Millionen Franken gebauten und in einer Sackgasse endenden Langmattstrasse in Oberwil – erregt eben die Gemüter.

«Von wegen nutzlos», sagte Alt-Landrat und Oberwiler Gewerbler Thomas Schulte: In ­Eintracht hätten Therwil und Oberwil das Gewerbe im Gebiet Mühlematt angesiedelt und die Nutzung durch Umzonungen erhöht. Jetzt wolle man aber in ­diesem dicht genutzten und staugeplagten Ort den barrierefreien und vernünftigen Zugang ins Herz dieses Gebiets verwehren? «Ich verstehe die Gegner dieser Strasse in Oberwil nicht», sagte Schulte immer wieder.

Entflechtung vom ÖV

Die Langmattstrasse würde doch eine Entlastung im Dorfkern bringen, vorsichtig geschätzt zwischen 2000 und 3000 Fahrten in Oberwil. Alt-Landrat ­Oskar Kämpfer (SVP) aus Therwil warf die Zahl von 5000 Fahrten, die im Stauuzentrum beim Bahnhöfli von Therwil obsolet würden, in die Runde. Aber darum ginge es ihm nicht wirklich. Der Lückenschluss, der in den Richtplan ­aufgenommen werden soll, sei ebenso für den öffentlichen Verkehr von Nutzen, weil er ihn vom Individualverkehr entflechte. Alle profitierten.

Bald noch mehr Verkehr

Die Langmattstrasse brauche es, weil sich die Situation im Leimentaler Gewerbegebiet nochmals verschärfen dürfte. Dann, wenn die publikumsintensiven Sportanlagen, wie den Vereinen versprochen, am anderen Ende der Achse der Langmattstrasse gebaut werden. Und erst recht, wenn die BLT ein Expresstram im Leimental kursieren lässt. Dann seien die Barrieren in den Therwiler und Oberwiler Dorfzentren noch länger geschlossen. Langmattstrasse nutzlos? «Die Grünen lügen aus ideologischen Gründen, oder weil sie es nicht besser wissen», wirft Kämpfer seinen Gegnern vor.

Politische Spiele

Kämpfer war jedenfalls an vorderster Front dabei, als er ­aufdeckte, dass die Bau- und Umweltschutzdirektion unter der früheren Regierungsrätin Sabine Pegoraro falsche beziehungsweise zu geringe Barrierenschliesszeiten vorlegte, um den Nutzen der Langmattstrasse statistisch zu minimieren. Kämpfer intervenierte auch, als die Direktion Ende Januar 2019 ein völlig überrissenes Projekt von über 13 Millionen Franken auftischte – ein Projekt, das selbst bei den Bürgerlichen politisch keine Chance hatte. «30 Minuten brauchte ich, um die Strasse um acht bis neun Millionen Franken günstiger zu machen», sagt Kämpfer. Jetzt soll sie nur noch zwischen vier und fünf Millionen Franken kosten, wobei hier sogar Reserven für Lärmschutzmassnahmen vorgesehen sind, wie er erklärt.

Aber spielt der Preis eine ­Rolle? ACS-Direktor Andreas Dürr ist in Anbetracht der politischen Spiele zum Schluss gekommen: «Das Referendum zeigt sehr schön, dass es bei den ideologischen Strassengegnern nicht um günstige oder teure Strassen geht, sondern einfach um ‹keine Strassen›.»

Dass der Lückenschluss ein Teil einer Mini-Südumfahrung werden könnte, wie es der Langmattstrasse-Gegner, Alt-Gemeinderat Rudolf Mohler, zu ahnen glaubt, verwies das Pro-Komitee ins Reich der Verschwörungstheorien. «Die Linienführung der Südumfahrung war von Reinach nach Therwil Richtung Biel-Benken vorgesehen», sagt Schulte.

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