Die Marionetten sind die Netten

Der Basler Michael Flume hat seinen nächsten Film «Puppets» gedreht, bei dem Anatol Taubman die Hauptrolle spielt. Nun tüftelt der Ex-DJ im Schneideraum an der perfekten Komposition.

Eine geheimnisvolle, düstere Atmosphäre im Filter 4 auf dem Bruderholz. Foto: Marc Gilgen Michael Flume (l.) und Anatol Taubman.

Eine geheimnisvolle, düstere Atmosphäre im Filter 4 auf dem Bruderholz. Foto: Marc Gilgen Michael Flume (l.) und Anatol Taubman.

Markus Wüest

Abstieg ins Marionettentheater Basel. Die Böden sind nass unten, Nebelschwaden hängen noch in der Luft. Am Boden die Marionetten, leblos, niemand, der an ihren Fäden zieht. Dafür Gewusel, viele Menschen, beschäftigt. Die Aufnahmeleiterin schickt die Schauspieler und die Kameraleute nach oben, damit die neugierigen Besucher der Presse im engen Raum Platz haben. Kameras stehen rum, Stative, Scheinwerfer.

Dann taucht Monsieur Baptiste auf. Schwarze Perücke, roter Frack. Die Lippen schwarz gestrichen, die Finger fleckig, blutig gar – kann das sein? Eine unheimliche Figur jedenfalls, die mit dunkler Stimme zu sprechen beginnt. Ein Schauer läuft uns den Rücken hinab. Andere Kollegen müssen zuerst zu Monsieur Baptiste aufs Sofa. Er gewährt Audienz. Weiht sie ein in seine dunkle Kunst. Er müsse die Figuren bewohnen, damit er sie zum Leben erwecken könne sagt. Klingt gruselig. Wie ein Parasit, der sich immer wieder neue Wirte sucht.

Der falsche Name

Dann sind wir dran. Auf Gedeih und Verderb. «Aber wir kennen uns doch?», sagt er, schaut uns durchdringend an, fixiert uns. «Du bist Marcel ...» – «Nein, Anatol, ich bin Markus.» Immer diese Namensverwechslung ...

Tatsächlich ist es nicht die erste Begegnung mit Anatol Taubman, dem Finsterling aus so mancher Film- und Fernsehproduktion, dem Bösewicht aus dem James-Bond-Film «Quantum of Solace» von Marc Forster aus dem Jahr 2008, der jetzt in der Rolle des Monsieur Baptiste neben uns sitzt. Und die Pointe ist: Das letzte Mal bei einem längeren Gespräch in Zürich hatte Taubman angetönt, demnächst mal in Basel spielen zu wollen, vermutlich bei Förnbacher.

Nun hat ihn aber ein anderer Basler engagiert: Michael Flume. Der war mehr als 20 Jahre DJ in New York City, feierte dort grosse Erfolge. Seit er wieder zurück in der Heimat ist, brennt sein Herz für den Film. Mit seiner ersten längeren Produktion «The Story of l’Homme Cirque» mit David Dimitri in der Hauptrolle schaffte er es auf Anhieb, auf sich als Regisseur aufmerksam zu machen. Mit «Puppets», seinem neuen Projekt, für das er Anatol Taubman hat gewinnen können, will er nahtlos weiterfahren.

Die Geschichte – die Flume zusammen mit BaZ-Mitarbeiter Christian Platz ausgearbeitet hat – spielt im 19. Jahrhundert. Monsieur Baptiste, wie könnte es anders sein, ist der Böse. Die Puppen, die Marionetten, sind die Netten, die Guten.

Schwarzweiss und tonlos

Ein Schwarzweissfilm wird es wieder werden. Und ein Stummfilm. Angelehnt an den Stil des Kinos Ende der 1920er-, Anfang 1930er-Jahre.

«Mich hat das gereizt, einmal ohne Worte zu spielen», sagt Taubman, mit seiner wohlklingenden, modulierten Stimme. Nur müsse man achtgeben, nicht zu überspielen.

Szenenwechsel. Gute 14 Tage später im Café Beschlé beim ­Aeschenplatz. Michael Flume sieht ein bisschen müde aus. Aber seine Augen funkeln, er ist auf Draht. Er habe fast die ganze Nacht hindurch im Schneideraum gesessen, sagt er. Denn die Dreharbeiten sind mittlerweile abgeschlossen. Die Bilder im Kasten. Taubman sei unmittelbar nach den fünf Tagen Dreh in Basel weitergereist und spiele jetzt irgendwo einen Mafiaboss.

Und er, Flume, schneide. Setze das Puzzle aus all den vielen Stunden Film zusammen, um die 30 Minuten, die er sich für «Puppets» zum Ziel gesetzt hat, bestmöglich zu gestalten.

Es soll unheimlich werden, das neue Werk, «gfürchrig», düster. Der nächste Schritt nach dem Schnitt: die Musik. Die wird wieder mit einem Orchester in Mazedonien eingespielt werden. Komponiert wird sie – passend zu den Bildern – von Olivier ­Truan. Wann «Puppets» Premiere feiern wird, steht laut Flume noch nicht fest. Das Ziel ist: im ersten Viertel 2020.

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