Die Gegenwart feiert Jubiläum

2020 holt sich das Kunstmuseum Basel viel Zeitgenössisches ins Haus. Grund: 40 Jahre Museum für Gegenwartskunst. Gefeiert werden drei Frauen – und Rembrandt!

Die Ehe zwischen Gerhard Richter und Isa Genzken hielt elf Jahre. Aus dieser Zeit, 1982, stammt Richters Fotografie «Isa Genzken in her studio». Foto: Gerhard Richter, Courtesy Galerie Buchholz, Berlin/Cologne/New York, ©2019, Pro Litteris, Zurich

Die Ehe zwischen Gerhard Richter und Isa Genzken hielt elf Jahre. Aus dieser Zeit, 1982, stammt Richters Fotografie «Isa Genzken in her studio». Foto: Gerhard Richter, Courtesy Galerie Buchholz, Berlin/Cologne/New York, ©2019, Pro Litteris, Zurich

Stephan Reuter

Erst ging es um ein Lagerhaus. Die Picassos, die Böcklins, die alten und die modernen Meister hatten ihren Platz. Aber zeitgenössische Werke, Minimal Art oder Konzeptkunst, kamen im Kunstmuseum Basel ungenügend zur Geltung. Franz Meyer, der mittlerweile fast legendäre Museumsdirektor, wusste das. Er hat es selbst so formuliert. Und seit Mitte der 70er-Jahre mit lebhafter Hilfe von Maja Sacher und der Merian-Stiftung ein Projekt angeschoben, das sich vom Depot im Sinne des heutigen Schaulagers zu einem veritablen Museumsbau auswuchs.

Das Museum für Gegenwartskunst wurde Anfang Februar 1980 eröffnet. Es war weltweit «eines der ersten seiner Art» und sicher das erste in Europa, bescheinigt Museumsdirektor Josef Helfenstein dem Haus im St.-Alban-Tal, das heute Kunstmuseum Gegenwart heisst und im kommenden Jahr Jubiläum feiert. Ausgesuchte zeitgenössische Künstler füllen daher 2020 die Räume und einen ansehnlichen Teil der Ausstellungsagenda, die das Kunstmuseum am Donnerstag vorgestellt hat.

Drei starke Frauen

«Es wird ein interessanter Sommer werden», verspricht Helfenstein. Dann nämlich sollen allein im Kunstmuseum drei monografische Ausstellungen laufen, die starke Frauen feiern. Von Isa Genzken etwa versammelt Kurator Sören Grammel in Basel das Frühwerk: Skulpturengruppen, die zwischen 1973 und 1983 entstanden sind, Ellipsoide, Hyperbolos, geometrische Formenwunder, spitz oder rund oder beides zugleich, dazu serielle Parallelogramme, auf Endlospapier gedruckte Computerausdrucke, manchmal sieben Meter lang – ein erstaunlicher Vorgriff auf die Medienkunst.

Anfang der 80er war bereits Gerhard Richter ihr Lebenspartner, und Isa Genzken bezeichnete sich kokett als «schwulen Mann», ein herrlicher Gender-Debatten-Twist, den linientreue Feministinnen damals wie heute wohl kaum goutieren. Aber Isa Genzken lässt sich ungern einsortieren, weder in Konzepte noch in Ideologien. Dass sie ein Star der Kunstszene ist, kann sie hingegen nicht leugnen. Es fallen einem wenige lebende deutsche Künstlerinnen ein, die Isa Genzkens Renommee aufwiegen.

Obama in Märtyrerpose

Den Basler Kunstsommer macht, neben Plänen um die Britin ­Tacita Dean, auch Kara Walker so «interessant». Die weltbekannte US-Künstlerin habe, wie Vize­Museumsdirektorin Anita Haldemann sagt, in den letzten zwei Jahrzehnten diverse Zeichnungen unter Verschluss gehalten. Einige habe sie bisher als zu provokativ empfunden, um sie auszustellen, andere als zu persönlich. Bei Kara Walker heisst das: Diese Zeichnungen haben es wirklich in sich. Denn diese Künstlerin sprengt viele Tabus. Kürzlich zeichnete sie Barack Obama in Märtyrerpose, über zwei Meter hoch, an ihm reissen Dämonen aus der rassistischen «Birther»-Bewegung, die jede gotische Kathedrale zu Zier und Schrecken gereichen würden.

Kara Walkers Zeichnungen sind ab Mai im Kunstmuseum zu sehen. Unser Bild zeigt «A Shocking Declaration of Independance», ein Werk von 2018. Foto: © Kara Walker und Sikkema Jenkins & Co., New York

Freunde der Klassiker müssen 2020 aber nicht darben. Ab Februar sind im Neubau des Kunstmuseums «Picasso, Chagall, Jawlensky» zu bestaunen – hier geht es selbstredend um Meisterwerke aus der Sammlung Im Obersteg. Mindestens so spannend: «Rembrandts Orient» im Herbst, eine Schau, die reich illustriert, dass das Exotische in Rembrandts Amsterdam en vogue war.

Darüber hinaus bringt das Kunstmuseum 2020 erstmals die unglaubliche historische Fotosammlung von Ruth und Peter Herzog heraus. «Wenn man in diese Welt eintaucht, ist ungewiss, wann man hinauskommt», teilt Olga Osadtschy ihre Begeisterung über das vom Kabinett Jacques Herzog und Pierre de Meuron übernommene Riesenarchiv. Auch das gibt ein Fest.

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