«Ich bin keine Streberin»

Hosanna-Joy Jayanadan wurde zum besten Lehrling der Region gekürt. Mit dem Sieg fängt für die junge Frau der Stress erst richtig an.

Der Lehrling des Jahres 2019: Hosanna-Joy Jayanadan arbeitet in der Kita Familea im Margarethenpark. Foto: Dominik Plüss

Der Lehrling des Jahres 2019: Hosanna-Joy Jayanadan arbeitet in der Kita Familea im Margarethenpark. Foto: Dominik Plüss

Benjamin Wirth

Hosanna-Joy Jayanadan hat sich aus lauter Jux für den Wettbewerb «Lehrling des Jahres 2019» angemeldet: Sie wollte ihre Berufsbildnerin Pascale Meyer necken. Zwei Monate später kann die Kinderbetreuerin ebendiesen Titel in ihrem Lebenslauf verzeichnen. Am Dienstagabend setzte sie sich vor 350 Zuschauern in der UBS-Schalterhalle am Bankverein gegen neun weitere Finalisten durch.

«Ich habe fast gar nicht geschlafen», sagt Jayanadan am Tag danach. Knapp 14 Stunden nach dem Gewinn ist ihr die Freude immer noch ins Gesicht geschrieben. «So viele Menschen gönnen mir diesen Sieg, das ist unglaublich.» Auf die frischgebackene Siegerin wartet eine spannende Zeit. Neben den 2019 Franken, die der Erstplatzierten zustehen, muss die 22-Jährige nun viele anstrengende Termine wahrnehmen. Bis in zwölf Monaten ein neuer Sieger gekürt wird, ist Jayanadan das Vorbild vieler junger Lehrlinge. 

Höherer Stellenwert

Diese Aufmerksamkeit will sie nutzen. Nicht nur für sich, sondern vor allem für ihren Beruf. «Viel zu viele Menschen schätzen den Job ‹Fachfrau Kinderbetreuung› komplett falsch ein.» Fast schon kämpferisch sagt Jayanadan, dass sie den Menschen ein neues Bild dieser Tätigkeit vermitteln wolle. Lehrlingsbetreuerin Pascale Meyer pflichtet ihr bei und sagt: «Es ist wunderschön und sehr wichtig, die zu betreuenden Kita-Kinder auf ihrem Weg zu begleiten. Man sollte diesem Beruf einen höheren Stellenwert zuordnen.» 

Hosanna-Joy Jayanadan wurde mit dieser Beschäftigung glücklich. Jedoch legte sie einen speziellen Weg hin. Nach der Sekundarschule ging Jayanadan an die Fachmaturitätsschule in Münchenstein. Als Kind hatte sie den Wunsch, 40 Kinder zu adoptieren und zu studieren. Ihr wurde dann aber bewusst, dass dies nicht einfach so möglich sei. So begann sie im Sommer 2018, mit 20 Jahren, die Lehre als «Fachfrau Kinderbetreuung» in der Familea-Kita Margarethenpark. «Früher wollte ich Wirtschaftspsychologie studieren», sagt der beste Lehrling der Region. Meyer lacht, sie könnte sich ihren Schützling wohl nicht in dieser Branche vorstellen. 

Die Beziehung zwischen Jayanadan und ihrer Berufsbildnerin ist eine besondere. Als Moderator Dani von Wattenwyl kurz nach acht Uhr den neuen Lehrling des Jahres bekannt gab, sprang Pascale Meyer als Erste auf die Bühne, um zu gratulieren. Ihre Beziehung zur Gewinnerin ist eng. «Ich habe so viel Spass, ihre Betreuungsperson zu sein», sagt Meyer gerührt. Für sie sei es ein Segen, eine so herzliche und wissbegierige Mitarbeiterin zu haben. 

Grosse Unterstützung

Eigentlich sollte Jayanadan am Mittwochmorgen eine Prüfung in der Schule schreiben. Diese musste aber aufgrund der vielen Medientermine verschoben werden. «Das bekommt sie auch so hin», meint Meyer schmunzelnd. Allgemein sei Jayanadan eine sehr gute Schülerin. «Sie kommt meistens mit Sechsern zurück», fügt die Berufsbildnerin hinzu. Jayanadan muss lachen und sagt ein wenig geschmeichelt: «Ich bin aber auf keinen Fall eine Streberin.» Vielmehr sei sie eine motivierte Person, die sich für viele Dinge begeistern kann. 

Neben Meyer wurde die Gewinnerin von weiteren zahlreichen Freunden und Supportern unterstützt. Ihre Eltern konnten aber nicht an der Preisverleihung dabei sein. «Sie sind zurzeit in Sri Lanka, aber das ist überhaupt nicht schlimm.» Viele aus ihrem Umfeld konnten sie unterstützen. Vor allem im Online-Voting, in dem Jayanadan die meisten Menschen mobilisieren konnte. Nebst diesem Voting mussten die zehn Finalisten am Contest-Tag ihr Geschick unter Beweis stellen (die BaZ berichtete). Schon während der Finalshow verriet Jayanadan, dass sie sich gewissenhaft auf die Aufgaben vorbereitet habe. 

Aufregende Zukunft

Trotz dem erfolgreichen Contest-Tag und dem guten Voting war Hosanna-Joy Jayanadan während des Events vom Dienstag sehr nervös. «Immer wieder spielte ich das gleiche Lied in meinem Kopf ab, das beruhigte mich sehr.» Jayanadan ist Christin. Deshalb war sie bei der Show auch überzeugt, dass mit Gottes Hilfe alles in Ordnung kommen würde. Von aussen merkte man ihr die Aufregung kaum an. «Ich weiss, wo meine blinden Flecken sind», sagt sie selbstbewusst.

Bei der Preisverleihung war auch Vorjahressieger Alessio Lindenmann zu Gast. Fast schon warnend sagte er zu den zehn Teilnehmern: «Macht euch auf die Zukunft gefasst. So nervös wie heute Abend wird der Gewinner noch einige Male sein.» Nebst Interviews in Zeitungen und Radios erwarten Hosanna-Joy Jayanadan auch noch Fernsehauftritte. Der Lehrling des Jahres 2019 zeigt sich aber ziemlich gelassen. Sie sei gespannt auf die nächsten Monate.

Jayanadan betont ausdrücklich, dass alle zehn Finalisten den Sieg verdient hätten. Auch ihretwegen will sich die 22-Jährige den Triumph nicht zu Kopf steigen lassen. Im Moment sei sie nur glücklich und zufrieden mit dem, was sie hat.

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