«Zukunft jetzt!» bei der Buch Basel

Selten zuvor war die Buch Basel mit so vielen meinungsführenden Autoren besetzt. Die Eröffnungsrede wird in diesem Jahr von der Deutschen Carolin Emcke gehalten.

Carolin Emcke gewann 2016 den Friedenspreis des Deutschen Buchhandels. Sie hält die Eröffnungsrede bei der Buch Basel 2019.

Carolin Emcke gewann 2016 den Friedenspreis des Deutschen Buchhandels. Sie hält die Eröffnungsrede bei der Buch Basel 2019.

(Bild: Keystone)

Christine Richard

Auf los gehts los. Jetzt am Freitag beginnt die Buch Basel. Drei Tage Literatur und Politik, drei Tage Begegnungen mit spannenden Dichtern und Denkern, drei Tage Kulinarik und Musik (BaZ vom 5.11.). Die Buch Basel, organisiert vom Literaturhaus, ist nicht nur ein Literaturfestival, wo Autorinnen und Autoren ihre neuen Bücher vorstellen. Die Buch Basel ist ein geistiges Kraftzentrum der Region. Nie war dieses Festival so wichtig, so wertvoll wie heute. Weil die Gesellschaft wie nie zuvor seit dem letzten Weltkrieg im Umbruch ist, wirtschaftlich, sozial, politisch. Weil es ein Umdenken braucht, andere Perspektiven, Anregungen von aussen. In einer globalisierten Welt funktioniert auch die Literaturszene zunehmend international. Und das Basler Literaturfestival hat sich von Beginn weg international orientiert. Und gibt nun vom 8. bis einschliesslich 10. November eine vorzügliche Orientierung, was in der politisch-literarischen Öffentlichkeit anderswo abgeht.

Carolin Emcke hält Eröffnungsrede

Die Eröffnungsrede am Freitag (18 Uhr) hält traditionsgemäss ein Autor, eine Autorin der Spitzenklasse. In diesem Jahr ist es Carolin Emcke, ausgezeichnet 2016 mit dem Friedenspreis des Deutschen Buchhandels. Diese kluge Publizistin predigt nicht die branchenübliche Toleranz (wie etwa Lukas Bärfuss in seiner Büchnerpreisrede). Carolin Emcke überrascht als Kommentatorin («Süddeutsche Zeitung») mit originären Gedanken, private Nachdenklichkeit und politische Theorie verbindend.

Ursprünglich geplant als Eröffnungsrednerin war Olga Nawoja Tokarczuk. Hand aufs Herz: Wer hierzulande kennt diesen Namen schon? Festivalleiterin und Literaturhauschefin Katrin Eckert kannte ihn. Und wusste um die Bedeutung dieser polnischen Schriftstellerin und Psychotherapeutin. Und wollte sie nach Basel bringen. Dann wurde Olga Tokarczuk im Oktober zur Nobelpreisträgerin gekürt. Und musste Basel wegen ihrer neuen Verpflichtungen absagen. Hämische Naturen unter uns können ihrer Schadenfreude freien Lauf lassen: Guck mal, die Buch Basel hat falsch geplant.

Talentierte Autoren in Basel

Richtig ist: Als Olga Tokarczuk eingeladen wurde, war der Nobelpreis für sie nicht absehbar. Richtig ist: Katrin Eckert bringt immer wieder das Kunststück fertig, Autoren nach Basel zu holen, bevor sie international Furore machen. Entdeckungsfreude, das ists. Das ist die Stärke vom Literaturhaus Basel, übrigens auch vom Theater Basel.

Neugierig auf Neues machen: Das ist die Buch Basel 2019. Die Namen der Autorinnen und Autoren, im Ausland längst bekannt, mögen nicht jedem geläufig sein. Die Buch Basel stellt sie vor. Der Franzose Patrick Deville mit seinen Reiseerfahrungen aus aller Welt, der prominente Orientalist Navid Kermani, der Schweizer Thomas Hürlimann mit seinem aussergewöhnlichen Roman, der Underground-Autor Jáchym Topol aus Prag, die gebürtige Ungarin Terézia Mora mit ihrem vorzüglichen Werk, die Nobelpreisträgerin Herta Müller, der Russlandkenner Eugen Ruge mit seiner kommunistischen Familie, die streitbare türkische Journalistin Ece Temelkuran, der chinesische Exilschriftsteller Liao Yiwu – alle sind sie mit hohen und höchsten Preisen ausgezeichnet; einige waren im Widerstand gegen Diktaturen; alle reflektieren sie den prekären Zustand Europas heute; alle sind sie einen Besuch wert.

Qualität an der Buch Basel

Nie zuvor war die Buch Basel so politisch wie im November 2019 und selten zuvor mit derart vielen meinungsführenden Autoren besetzt; übrigens auch mit vorzüglichen Moderatoren und Vorlesern. Qualität zieht Qualität an.

«Zukunft jetzt!» heisst der Schwerpunkt der Buch Basel. Es gibt vorzüglich besetzte Veranstaltungen zu aktuellen Themen wie Klimawandel, Gletscherschmelze, Islamismus, Vorurteil und Hass, Zukunftsgestaltung. Agieren statt nur reagieren. Ein Beispiel ist Cesy Leonard vom «Zentrum für politische Schönheit». Diese Gruppe umstrittener Aktionskünstler setzte zum Beispiel ein Holocaust-Denkmal neben das Privathaus von AfD-Frontmann Björn Höcke (www.politicalbeauty.de).

Am Schlusstag der Buch Basel wird wie immer der Schweizer Buchpreis verliehen (10.11., 11 Uhr, Theater Basel). Favoriten sind Sibylle Berg, Simone Lappert, Tabea Steiner, Alain Claude Sulzer und Ivna Žic. Im Übrigen ist Schweizer Literatur vergleichsweise wenig vertreten. Dafür umso mehr jene Basler Autoren, die den Link zur Politik und damit zum Schwerpunktprogramm schaffen.

Auch für das Kinderprogramm wurden tolle Bücher und bekannte Autoren gefunden, etwa Schweiz-Kennerin Barbara Piatti. «Jung & wild» geben sich 30 Veranstaltungen mit Musik, Sprechtexten, Podcasts und Multimedia, nicht nur für Jugendliche. Lyrik, Staffellesungen, literarisches Speeddating, Swips-Verlage, Beizentour, Projekte zum Schreiben und Lesen – alles da. www.buchbasel.ch

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