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Basel und seine Baustellen

Während die Handwerker einen tollen Job machen, nerven die vielen Baustellen die ganze Stadt. Bestes Beispiel: Die Arbeiten am Steinenberg.

Die Bauarbeiten am Steinenberg (hier 2017) sollten eigentlich Ende Oktober beendet sein.
Die Bauarbeiten am Steinenberg (hier 2017) sollten eigentlich Ende Oktober beendet sein.
Florian Bärtschiger

Zu früh gefreut. Wer glaubte und hoffte, die Dauerbaustelle am Steinenberg würde rechtzeitig auf die Herbstmesse hin verschwinden, sah sich enttäuscht. Noch am 31. Oktober vermeldete ein Schild, dass die Arbeiten im 10. Monat des Jahres abgeschlossen sein würden, also spätestens an diesem Tag. Doch am 1. November wurde quasi über Nacht aus der 10 eine 12. Die IWB bauen nochmals zwei Monate länger – weshalb, weiss niemand. Und so müssen sich Einheimische wie Touristen auch während der Herbstmesse und in der Weihnachtszeit weiterhin durch die Baustelle quälen, wenn sie zur Kunsthalle oder zum Theater gelangen wollen. Vor allem für die Kunsthalle mit ihrem Ausstellungs- und Restaurationsbetrieb ist die Dauerbaustelle ein Ärgernis, das zudem weniger Besucher und Gäste mit sich bringt. Es ist schon augenfällig, wie langsam Baustellen vorankommen, für die die öffentliche Hand oder, wie im Fall der IWB, staatsnahe Betriebe verantwortlich sind. Während die privaten Grossbauten von Roche und Baloise jeden Tag an Höhe gewinnen, bleiben die Gräben für den öffentlichen Leitungsbau scheinbar immer gleich gross. Und nicht selten wird ein Strassenabschnitt, nachdem er endlich saniert ist, schon wieder aufgerissen.

Es ist vielmehr die Planung, die nicht über jeden Zweifel erhaben scheint.

Die Arbeit der beteiligten Handwerker soll hier keinesfalls angezweifelt werden. Wer mitverfolgt, unter welch schwierigen Voraussetzungen sie ihre Aufgabe erfüllen müssen, kann eigentlich nur Respekt haben. Vor allem in diesen trüben Tagen, wo auch noch missliche Wetterumstände dazukommen. Es ist vielmehr die Planung, die nicht über jeden Zweifel erhaben scheint. Oder weshalb verzögern sich die Bauarbeiten staatlicher Stellen immer wieder? Und wird nicht im Gegensatz zu privaten Bauvorhaben auch zu wenig Manpower eingesetzt, damit die Arbeiten rascher vorangetrieben werden könnten? Viele Anwohner würden längere Arbeitszeiten – selbst am Wochenende – billigend in Kauf nehmen, wenn dadurch ihre «Leidenszeit», das heisst der Lärm, der Dreck und die verschiedenen Einschränkungen, verkürzt würden.

Diese Einschränkungen sind mitunter gross. Vor allem für ältere Menschen und solche mit einer Gehbehinderung bedeuten sie viel Stress. Wie beispielsweise im Fall der Baustelle für das unterirdische Parking beim Kunstmuseum. Sie führt dazu, dass die BVB jetzt eine der längsten ununterbrochenen Fahrstrecken – vom Wettsteinplatz bis zur Elisabethenkirche – haben. Die Haltestelle Kunstmuseum wird nicht mehr bedient. Bei der Elisabethenkirche müssen die Fahrgäste wieder zurück zum Bankverein rennen, wenn sie ein anderes Tram erreichen wollen. Das Tram Nr. 15 kann nicht mehr in den St. Alban-Graben einbiegen und fällt deshalb bis Ende 2020 (!) einfach aus. Es wird interessant werden, wie die BVB den Tramverkehr während der Fasnacht umleiten wollen, wenn das bisherige Abbiegen beim Bankverein über die Wettsteinbrücke nicht mehr möglich ist.

Doch für nicht wenige Besucher ist es schwierig, den Weg in diese Häuser zu finden.

Nicht nur für Menschen, sondern auch für Institutionen bringen die Baustellen Probleme. Am Steinenberg leidet die Kunsthalle, im St. Alban-Graben sind es das Kunstmuseum und das Antikenmuseum. Beide Häuser haben derzeit grossartige Ausstellungen über den Münsterschatz und die Gladiatoren. Doch für nicht wenige Besucher ist es schwierig, den Weg in diese Häuser zu finden. Das Antikenmuseum musste wegen der Baustelle gar einen neuen Zugang schaffen und die Front des Kunstmuseums ist so abgeschottet, dass manche Besucher meinen, es sei geschlossen – trotzt aller gegenteiligen Hinweise. Für die Verantwortlichen der beiden Museen muss es frustrierend sein, zu registrieren, dass wegen der Baustellen weniger Publikum kommt.

Es ist klar, dass wir mit diesen Baustellen leben müssen und sie am Ende meistens auch einen Mehrwert bringen. Doch wie die nötigen Arbeiten geplant und vor allem wie der Verlauf eines Baus und allfällige unvorhergesehene Probleme kommuniziert werden, ist stark verbesserungs­würdig. Oftmals ist die Arroganz der verantwortlichen Planer, die sich einzig ihrem Projekt, aber nicht den Anliegen und Nöten der betroffenen Anwohner und der Bevölkerung verpflichtet fühlen, nur allzu deutlich spürbar. Im neuen Jahr wird der Steinenberg vielleicht endlich baustellenfrei sein. Doch die Freude dürfte nur von kurzer Zeit sein, denn die nächste Baustelle kommt bestimmt.

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