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Babygate auf dem Standesamt

Eine Standesbeamtin wies ein Kleinkind aus dem Saal, weil es ihr zu laut quengelte. Der Bruder des Bräutigams musste daraufhin das Lokal verlassen und verpasste die Zeremonie.

Manchmal läuft es an Hochzeiten nicht so wie in Hollywood-Filmen. Oder eben doch: wie in den Komödien.
Manchmal läuft es an Hochzeiten nicht so wie in Hollywood-Filmen. Oder eben doch: wie in den Komödien.
(Symbolbild), Keystone

Der 9. August war ein grosser Tag im Leben der Familie Stoll. Der Bruder sollte an diesem Freitag auf dem Standesamt in Arlesheim unter die Haube kommen. Jennifer Stoll bereitete sich als Trauzeugin vor. Und ihr kleiner, 22 Monate junger Stoll wurde mit Fliege und weissem Hemd für den Festtag herausgeputzt. Er war ja auch das Göttikind der Braut.

Manchmal läuft es an Hochzeiten nicht so wie in Hollywood-Filmen. Oder eben doch: wie in den Komödien. Auf jeden Fall liegt ein Beschwerdebrief vor – und nach über einem Monat auch ein Antwortschreiben des Zivilstandsamts Arlesheim, das eine Rechtsbelehrung darstellt. Was war geschehen?

Der kleine Stoll spazierte im Traulokal umher und suchte immer mal die Nähe zur Mutter. Irgendwann bot die Braut ihrem Göttibuben die Hand zum Low-Five an. Der Kleine klatschte ab. Das war zu viel für die Standesbeamtin. In welchem Ton sie die familiäre Festgemeinde zurechtwies, man habe das Kind auf den Schoss zu nehmen oder müsse den Raum verlassen, muss an dieser Stelle offengelassen werden. Ihre Anweisung führte aber dazu, dass das Kind, gefangen auf dem Schoss des Papas, zu quengeln begann: Der Bruder des Bräutigams musste schliesslich das Lokal verlassen und verpasste die Trauzeremonie.

Wer die Trauhandlung stört, wird weggewiesen

Die Antwort auf die Beschwerde wegen des verpatzten Tages liess lange auf sich warten und war letztlich eine trockene Rechtsbelehrung: «Eine Eheschliessung ist ein rechtlicher Akt (…). Wer die Trauhandlung stört, wird weggewiesen.»

Sollte man nach dem Babygate im Basler Parlament – der Empörung darüber, als die stillende Grossrätin Lea Steinle aus dem Saal spediert wurde – nicht mehr Sensibilität zeigen? Erst auf Nachfrage der BaZ, wo denn die Schmerzgrenze von Störungshandlungen durch Kleinkinder liege, drückt die Leiterin vom Zivilstandsamt Mitleid aus: «Wir bedauern den Vorfall; wir mögen uns an kein vergleich­bares Ereignis in den vergangenen zehn Jahren erinnern.» Ein Trauakt sei von grosser rechtlicher Tragweite und sollte daher möglichst ohne Ablenkung stattfinden.

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