Wer ist der Klügste im ganzen Land?


So haben die Leser abgestimmt:

Rang 1: Roger Köppel

Jeder Intellektuelle träumt von der eigenen Zeitung. Köppel hat sich eine erkämpft. Erstaunlich, dass der rechte Blitzkrieger aus Zürich in seiner «Weltwoche» intellektuell gar nicht so viel wagt, obwohl er jetzt die Plattform hätte. Gemessen an früheren Furchtlosigkeiten und Tabubrüchen klingt manches heutige Räsonnement schematisch. Aber einflussreich ist und bleibt Köppel. Das Land hat wenig TV-kompatible Showdebatteure seines Kalibers.

Punkte: 840

18.0%

Rang 2: Roger de Weck

Er hat viele Freunde und viele Feinde - de Weck polarisiert, und dies auf hohem Niveau. Der Freiburger war Chefredaktor des «Tages-Anzeigers» und der «Zeit»; heute wirkt er als Dozent und Publizist. Seine bevorzugten Themen: die Schweiz, der Kapitalismus. Und vor allem: Europa. De Weck wünscht sich die Schweiz in der EU. Noch immer provoziert in der Schweiz nichts zuverlässiger als dieser Wunsch.

Punkte: 771

16.5%

Rang 3: Jean Ziegler

An dem nach Genf geflüchteten Berner ist mehr dran, als die Deutschschweizer Gnomenperspektive ergibt, für die er der Pausenclown der NGO-Szene ist. Ziegler hat globales Gewicht, in Afrika, in der Uno. Er wirkt; man müsste nur einmal all die Schüler auflisten, die bei ihm an der Uni in die soziologische Lehre gingen. Und Zieglers Klischees (böse, böse Zürcher Bahnhofstrasse) werden ihn überdauern.

Punkte: 591

12.6%

Rang 4: Daniel Binswanger

Es gibt Leute, die regen sich auf, weil seinen politischen Kolumnen im «Magazin» stets ein Foto beigestellt ist, das besagte Leute affektiert finden. Doch das ist exakt der Punkt: Binswanger ist der Beweis, dass linke Haltung sich mit Stilwillen verträgt und auch einer im guten Anzug die Hummlers dieser Welt kritisieren kann. Binswanger, der Zürcher mit Standort Paris, zeigt, dass es eine genussfähige Linke gibt.

Punkte: 352

7.5%

Rang 5: Hans Küng

Küng, das ist Kirchenkritik. Kirchenkritik, das ist Küng. Der Mann aus dem luzernischen Sursee, der in Tübingen lehrte, ist eine weltweit bekannte Marke - Rom sei Dank, das ihm 1979 die kirchliche Lehrbefugnis entzog. Mit seiner Vision vom Weltethos (die Religionen teilen bestimmte Grundregeln) hat er den Dialog der Religionen entscheidend befördert und sich verewigt. Küng, ein wahrhaft grosser Schweizer.

Punkte: 318

6.8%

Rang 6: Rudolf Strahm

13 Jahre sass der 66-Jährige für die SP im Nationalrat, doch viele Genossen mochten ihn nie, fanden Strahm zu unberechenbar und zu rechts. Vielleicht war er aber auch einfach vielen zu intelligent. Strahm, der sich vom Laborant zum Chemiker und Ökonom hochgearbeitet hatte, gehört zu den kompetentesten linken Wirtschaftsexperten. Bis 2008 war er Preisüberwacher. Heute äussert er sich als Autor und Kolumnist.

Punkte: 298

6.4%

Rang 7: Peter von Matt

«Ich sage einfach, dass ich keinen Schweizer Lyriker, Romancier, Dramatiker sehe, der auf der Höhe des Essayisten Peter von Matt ist.» Glücklich, wer von Marcel Reich-Ranicki so geadelt wird. Von Matt, 72, über dreissig Jahre lang Germanistikprofessor in Zürich, ist nicht nur ein begnadeter Literaturkenner, sondern auch eine Instanz, wenn es darum geht, politische und moralische Fragen zu beantworten.

Punkte: 223

4.8%

Rang 8: Beat Kappeler

Er ist der Ex-Gewerkschafter, der zum Wirtschaftsliberalismus konvertierte. Als Kolumnist der «NZZ am Sonntag» und Vortragsreisender nimmt er am liebsten die Vorschläge und Ideen seiner alten linken Weggefährten aufs Korn. Schreckt von keiner noch so komplizierten Detailfrage zurück, wobei er gelegentlich in blumige Metaphern abgleitet. Seine Analysen sind und bleiben aber stringent.

Punkte: 181

3.9%

Rang 9: Kurt Imhof

Der 53-Jährige, einst Hochbauzeichner, heute Professor für Soziologie an der Uni Zürich, weiss zu jedem Thema etwas zu meinen: zur UBS, zu teilzeitarbeitenden Vätern, zur Miss-Universe-Wahl, zur Bundesratswahl, zum Botellon-Massenbesäufnis. Was er sagt, ist nicht immer tiefschürfend, aber meistens erfrischend pointiert. Kaum ein Professor schafft es so oft in die Medien wie er. Imhof: der Allzweckexperte.

Punkte: 156

3.3%

Rang 10: Philipp Sarasin

Pro Uni gibt es immer ein, zwei Theoriestars. Der Basler Sarasin ist es in Zürich, er macht aus der hölzernen Disziplin «Geschichte» ein schillerndes Spiel von Wahrheit und Mythos. Man lasse sich den Titel seines Bestsellers auf der Zunge zergehen: «Anthrax. Bioterror als Phantasma», das klingt wie James Bond. Sarasin ist, was es fast nie gibt: ein spannender Phil-Einser. Das macht ihn zum beliebten Gast in den Medien.

Punkte: 155

3.3%

Rang 11: Bruno S. Frey

Er ist der Dandy unter den Zürcher Professoren, doziert in Anzug und Krawatte. Seine Erstsemester provozierte er einst, indem er die ökonomische Nutzenmaximierung als Erklärung für alles anführte - Liebe, Umwelt, Terrorismus. Auf seine späteren Tage hat er aber den Einfluss der Psychologie entdeckt. In der Kategorie «Lebenswerk» führt Frey die Rangliste deutschsprachiger Ökonomen («Handelsblatt») an.

Punkte: 141

3.0%

Rang 12: Adolf Muschg

Muschg führt tapfer Max Frischs Genre der Betroffenheit mit der Schweiz fort. Weisshaarig, mit Tabakpfeife, personifiziert er den nachenklich-selbstkritischen Schweizer. Die Deutschen, deren Akademie der Künste in Berlin er präsidierte, lieben ihn mehr als die Hiesigen. Unbeirrt von allen Anfeindungen (kürzlich kam eine aus dieser Zeitung) zieht er in Berechenbarkeit seine Bahn als unser aller patriotischer Grossskeptiker.

Punkte: 111

2.4%

Rang 13: Corina Caduff

Der SF-«Literaturclub» hat die Churerin endgültig popularisiert. Corina Caduff, Germanistin, ist die Frau, die schwierige Themen der Ästhetik (das Verhältnis der Künste zueinander zum Beispiel) anschaulich denken kann; zum anderen – siehe TV – ist sie die Frau, die sich in der offenen Diskussion Gehör und Respekt verschafft. Versponnen ist an dieser Professorin an der Zürcher Hochschule der Künste gar nichts, daher hat ihr Intellekt Ausstrahlung.

Punkte: 102

2.2%

Rang 14: Elisabeth Bronfen

Diese Deutsch-Amerikanerin mixt die Sparten, dass einem schwindelt: Psychoanalyse, Feminismus, Gender Studies, Literaturwissenschaft, Kino, Shakespearesches Theater, Pop Art, Oper. Spötter behaupten denn auch, dass die Schriften der Zürcher Anglistikprofessorin kryptisch seien. Anderseits ist dieser Bronfensound unverwechselbar, haben diese wilden Theorien einen ausgesprochen hohen Hipness-Faktor.

Punkte: 85

1.8%

Rang 15: Thomas Held

Er galt als Schweizer Dutschke. Soziologe Held gehörte zu den Anführern der 68er. Inzwischen – nach weiteren Studien an den Elite-Unis Stanford und Harvard sowie Engagements beim Ringier-Verlag und bei Nicolas Hayek – ist Held der Chefdenker der Schweizer Wirtschaft. Seit bald zehn Jahren leitet er die von Schweizer Grossfirmen finanzierte Denkfabrik Avenir Suisse.

Punkte: 84

1.8%

Rang 16: Gerhard Schwarz

Der NZZ-Wirtschaftschef, Mitglied der legendären Mont Pélérin Society, hat es sich zur Mission gemacht, die Marktwirtschaft zu verteidigen. Gnadenlos greift der Voralberger Verräter aus den eigenen Reihen an, die mit ordnungspolitischen Sündenfällen wie Subventionsansprüchen oder Lohnanreizen die freiheitlichen Ideale unterhöhlen. Aus Abneigung gegen staatliche Eingriffe will Schwarz sogar beim Drogenkonsum die Liberalisierung.

Punkte: 80

1.7%

Rang 17: Lukas Bärfuss

Der 37-jährige Thuner gehört zu den meist-gespielten deutschsprachigen Dramatikern. Sogar die FAZ lobte ihn: Dank Bärfuss könne man «wieder anfangen, an das junge Theater zu glauben». Immer wieder mischt sich Bärfuss auch in die öffentliche politische Debatte ein, schreibt gegen Blocher, gegen die Rechte und allerlei anderes an – nicht immer auf gleich hohem Niveau, aber immer so, dass er gehört wird.

Punkte: 73

1.6%

Rang 18: Hans-Ulrich Jost

Er hat das Verhalten der Schweiz während der Nazi-Zeit kritisiert, als dies noch Mut brauchte. Damit hat der heute 69-jährige Berner die Diskussion über die Schweizer Geschichte geprägt – und sich selbst heftiger Kritik ausgesetzt. Georges-André Chevallaz, bis 1983 FDP-Bundesrat, hätte Jost am liebsten von dessen Professur an der Uni Lausanne entfernt. Noch heute wünschen viele den linken Historiker ins Pfefferland.

Punkte: 55

1.2%

Rang 19: Kurt Koch

Als er 1995 Bischof von Basel wurde, war der Tenor der: ein aufgeschlossener, gescheiter Kirchenmann hats geschafft. 14 Jahre später gilt er noch immer als intelligentester und eloquentester Schweizer Bischof. Aufgeschlossen findet ihn dagegen kaum jemand mehr – nicht nur wegen des Zwistes mit Pfarrer Franz Sabo. Koch, der intellektuelle Kleriker, steht auf vatikanischer Linie.

Punkte: 40

0.9%

Rang 20: Martin Meyer

Finaler Beleg für die Macht des NZZ-Feuilletonchefs: Sein Bund hat, anders als der Rest des soeben totalerneuerten Blattes, gediegenerweise auch weiterhin bloss vier Spalten. Meyer, das ist Persistenz, Verharren im Halbdunkeln des grossen Amtes, existenzielle Sperrigkeit. Wenn er selber in die Tasten greift, wirkt das oft reichlich manieriert. Aber Legion sind die Kritikerscharen, die dem machtvollen Geist quer durch die Sparten untertan sind.

Punkte: 19

0.4%

Das Immobilien-Portal für Basel und die Region

Service

Agenda

Alle Events im Überblick.

Werbung

Weiterbildung

Ausbildung & Weiterbildung Finden Sie die passende Weiterbildung Technischer Kaufmann, Deutsch lernen, Coaching Ausbildung, Präsentationstechnik, Persönlichkeitsentwicklung



© baz.online