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Fehlerhafte Studie zu HydroxychloroquinChefkardiologe wird ermahnt und muss Gratisarbeit leisten

Die Uni Zürich stellt die Untersuchung gegen Frank Ruschitzka ein. Der Leiter des Universitären Herzzentrums Zürich war Co-Autor einer zurückgezogenen Studie zu Hydroxychloroquin bei Covid-19, die weltweit für Kritik sorgte.

Kardiologe Frank Ruschitzka leitet das Universitäre Herzzentrum, das am Universitätsspital Zürich die Kardiologie und die Herzchirurgie zusammenführt.
Kardiologe Frank Ruschitzka leitet das Universitäre Herzzentrum, das am Universitätsspital Zürich die Kardiologie und die Herzchirurgie zusammenführt.
Foto: PD

Das Verfahren der Universität Zürich (UZH) gegen den Kardiologen Frank Ruschitzka wurde nach kurzer Zeit Ende Juni wieder eingestellt. Nach einer Voruntersuchung, die gemäss einer Mitteilung der Universität eine unabhängige Vertrauensperson durchführte, wird der Leiter des Universitären Herzzentrums am Unispital Zürich (USZ) ermahnt und muss Gratisarbeit für ein Uni-Kompetenzzentrum leisten. Ruschitzka und das USZ möchten sich dazu nicht weiter äussern.

Die Universität ermahnt nun den Herzspezialisten, in Zukunft bei Publikationen sorgfältiger zu verfahren.

Der USZ-Kardiologe war Mitautor einer vielbeachteten Veröffentlichung im Fachblatt «The Lancet» vom 22. Mai. Die Studie untersuchte die Wirksamkeit der Malariamittel Chloroquin und Hydroxychloroquin bei der Behandlung von Coronavirus-Infektionen. Donald Trump propagierte lange Zeit die Einnahme dieser Medikamente trotz fraglichem Nutzen. Aufgrund der Resultate stoppten die WHO sowie weitere Forschungsinstitutionen weltweit vorübergehend ihre Projekte zu den Malariamitteln.

Ruschitzka und die anderen drei Co-Autoren mussten ihre Veröffentlichung bereits nach zwei Wochen wieder zurückziehen. Nachdem erhebliche Zweifel geäussert worden waren, stellte sich heraus, dass die Daten der 96’000 Patienten in der Studie fehlerhaft und nicht verfügbar waren.

Die Universität ermahnt nun den Herzspezialisten, in Zukunft bei Publikationen sorgfältiger zu verfahren. Sämtliche Aspekte einer Publikation seien auf ihre wissenschaftliche Integrität rigoros zu prüfen, schreibt sie. Zudem muss der Kardiologie-Professor in den nächsten Monaten 30 Stunden unentgeltlich Einsatz am UZH-Kompetenzzentrum für die Reproduzierbarkeit und Qualität wissenschaftlicher Resultate leisten. Ziel sei es, den Begutachtungs- und Publikationsprozess von Manuskripten der Big-Data-Forschung in der Medizin an der Universität zu verbessern.

Weder an der Erhebung noch bei der Analyse der Daten beteiligt

Die Voruntersuchung wiederholt, was Ruschitzka bereits im Vorfeld gegenüber den Medien mitteilte. Demnach war er weder an der Erhebung noch bei der Analyse der Patientendaten beteiligt. Er sei erst für die Auswertung und Interpretation und für das Verfassen des Manuskripts beigezogen worden. Dazu wurde er von Mitautor Mandeep Mehra von der Harvard University aufgrund seiner Expertise zum Thema Covid-19 und Herz- und Gefässkrankheiten angefragt.

Weiter kommt die Voruntersuchung zum Schluss, dass Ruschitzka und Co-Autoren zu unkritisch gewesen seien gegenüber der Firma Surgisphere in Chicago, von der die Daten stammen. Nicht kritisch genug sei auch der Review-Prozess seitens «The Lancet» gewesen. Korrekt war laut Vertrauensperson jedoch das Verhalten der drei Autoren: Sie hätten nach Kritik umgehend reagiert und selbst eine Untersuchung betreffend Korrektheit und Umgang mit den Originaldaten veranlasst.