Zum Hauptinhalt springen

Alles zum Nationalfeiertag+++ Bundespräsidentin ehrt Coronahelden auf dem Rütli +++ Berset: «Die Krise zeigt, dass wir zäh sind»

Die Schweiz feiert heute Geburtstag. Lesen Sie im Ticker alle News zum 1. August.

LIVE TICKER

Bundespräsidentin Sommaruga in Lausanne bejubelt

Nach ihrem 1.-August-Auftritt auf dem Rütli hat Bundespräsidentin Simonetta Sommaruga am Samstagabend auch Lausanne einen Besuch abgestattet. Begleitet von Stadtpräsident Grégoire Junod, Staatsrätin Rebecca Ruiz und dem Vorsitzenden des Internationalen Olympischen Komitees Thomas Bach betonte sie vor rund 600 Gästen im Montbenon-Park die Bedeutung von Solidarität.

«Wir brauchen die anderen, die Schweiz ist Teil Europas», sagte Sommaruga und erinnerte daran, wie sie im Frühjahr das Universitätsspital Lausanne (CHUV) genau in der schlimmsten Phase der Coronavirus-Ausbreitung besucht habe.

Sie sei beeindruckt gewesen, wie pflichtbewusst das Personal trotz der Ansteckungsgefahr gearbeitet habe, sagte die Bundespräsidentin, die in Lausanne wie ein Rockstar bejubelt wurde. Es sei dieses füreinander Einstehen, das die Schweiz stark mache.

Valendas GR steht unter Wasser

Verregneter Nationalfeiertag im Kanton Graubünden: In Valendas kam es bereits zu heftigen Regenfällen.

Berset beschwört Durchhaltefähigkeit

«Wir sind nicht immer die verschonte Nation, als die wir uns häufig begreifen», sagte Bundesrat Alain Berset am Samstagabend in seiner Ansprache zum 1. August in Bellinzona. Daran erinnere das laufende Jahr auf drastische Weise.

Die Krise führe vor Augen, wie fragil die heutigen Gesellschaften seien. Aber sie beweise auch, «dass wir zäh sind», sagte der Gesundheitsminister gemäss Redetext. Besonders das Tessin habe eindrücklich bewiesen, welch enge und solidarische Gemeinschaft es sei. Aber auch der Zusammenhalt der Landesteile sei stark.

Berset forderte die Zuhörenden auf, jetzt nicht nachzulassen. Alle müssten nun gemeinsam den Aufwärtstrend bei den Coronazahlen bekämpfen. Das Virus sei noch da. Es sei kein gewöhnlicher Sommer, sondern «eine Zeit des Abwartens, des Hoffens und des Bangens», denn die Krise könne noch länger dauern.

Schwer auszuhaltende Unsicherheit

Diese Unsicherheit sei für Schweizerinnen und Schweizer vielleicht besonders schwer auszuhalten. «Denn wir sind eine Insel der Stabilität mitten auf einem historisch unruhigen Kontinent." Auch die Globalisierung strapaziere zuweilen die politische Balance zwischen Weltoffenheit und starken regionalen und lokalen Identitäten.

Berset richtete einen Appell an die Zuhörer im Hinblick auf die Eidg. Abstimmungen vom 27. September. Er sei zuversichtlich, die Schweizerinnen und Schweizer seien pragmatisch genug, um nicht in Abwehrreaktionen zu verfallen und die Schweiz so wirtschaftlich noch zusätzlich zu schwächen «in den wirtschaftlich schwierigen Zeiten, die uns bevorstehen».

Zur alljährlichen Beschwörung das nationalen Zusammenhaltes meinte Berset, manchmal könne man sich des Verdachts nicht ganz erwehren, «dass einiges auch schöngeredet wird». Am 1. August würden manchmal Gräben rhetorisch problemlos überwunden, die sich im Alltag dann doch als breiter erwiesen. Diesmal sei die Beschwörung des nationalen Zusammenhaltes aber echt. Wenn die Lage Ernst sei, rücke die Schweiz als Gesellschaft zusammen.

Parmelin: «Gemeinsame Opfer als patriotische Geste»

Wirtschaftsminister Guy Parmelin hat in seiner Ansprache zum 1. August im Südbündner Dorf Cavaione die gegenwärtigen gemeinsamen Opfer wegen der Corona-Krise als «patriotische Geste» bezeichnet. Ein Opfer, «das wir offensichtlich auch weiterhin erbringen müssen».

Der Nationalfeiertag 2020 habe einen bittersüssen Beigeschmack. Einerseits herrsche eine gewisse Erleichterung über das allmähliche Vorbeiziehen der massiven Phase, gleichzeitig aber auch Unsicherheit hinsichtlich der weiteren Entwicklung der Krankheit und deren Auswirkungen auf den Wohlstand, sagte Parmelin gemäss Redetext. Der Magistrat erinnerte an die bisher rund 1700 Todesopfer der Krise und forderte die Anwesenden zu einem kurzen Gedenken auf.

Wirtschaftsminister Guy Parmelin lässt es sich am Brunch der Familie Salis in Chur schmecken. Frisch gestärkt ging es dann für ihn weiter nach Cavaione im Puschlav.
Wirtschaftsminister Guy Parmelin lässt es sich am Brunch der Familie Salis in Chur schmecken. Frisch gestärkt ging es dann für ihn weiter nach Cavaione im Puschlav.
Keystone

Während des Lockdowns seien viele verunsichert gewesen und man sei angewiesen worden, sich zum Wohle aller gegenseitig zu misstrauen. Trotzdem gehe die Schweiz paradoxerweise gestärkt aus den Ereignissen hervor, so Parmelin. Durch die Selbstdisziplin sei es gelungen, die Krankheit gemeinsam in Schach zu halten, indem alle einen kleinen Teil ihrer persönlichen Freiheit zugunsten des Gemeinwohls geopfert haben. Die grosse Mehrheit habe verstanden, was auf dem Spiel stehe. Dafür gebühre ihr ein «riesiges Dankeschön».

Leise Kritik an Vollkasko-Mentalität

Die letzten Wochen und Monate hätten gezeigt, «dass wir nicht alles kontrollieren können», sagte Parmelin weiter. Die Gesellschaft gebe sich gerne der Illusion hin, das Risiko lasse sich durch entsprechende Regeln völlig eliminieren. «Am liebsten würde sie Vorsichtsmassnahmen bis zum Gehtnichtmehr ergreifen.»

Kleine und grössere Unfälle seien indes jederzeit möglich, «ob wir dies nun wollen oder nicht». Der Staat sei nicht allmächtig und es gebe im Leben keine Garantien, so der Wirtschaftsminister. Weder übertriebene Vorsicht noch übertriebene Sorglosigkeit seien eine gute politische Strategie.

Vertrauen als «Gärstoff» für die Zukunft

Letztlich basiere alles auf Vertrauen. Und die Regierung versuche, dem in sie gesetzten Vertrauen gerecht zu werden. Dies sei eine Voraussetzung für ein stabiles Land, vertrauenswürdige Institutionen, eine wieder zuversichtliche und damit unternehmerische Wirtschaft sowie einen ausgeglichenen Konsum. In diesem Sinne sei das Vertrauen «einer der Gärstoffe und der Motoren für unsere Zukunft».

Vor seiner Reise ins Puschlav hatte Parmelin am Samstagmorgen in Chur an ein Brunch auf dem Bauernhof der Familie Salis teilgenommen. Begleitet wurde er von einer Delegation des Schweizer und Bündner Bauernverbandes. Cavaione ist ein Weiler oberhalb von Brusio und die letzte Region, die 1874 der Schweizerischen Eidgenossenschaft angegliedert worden war.

77-jährige Narrenfreiheit

Seine Präsenz sei der Beweis dafür, dass das «vergessene Dorf» vom Bundesrat nicht vergessen worden sei, so Parmelin zu Beginn seiner Ansprache. Er nahm damit Bezug auf einen Artikel von Riccardo Tognina aus dem Jahr 1963 im Bündner Kalender. Dieser beschrieb die späte Einschweizerung und trug den Titel «Das vergessene Dorf».

Nach der Aufhebung der Bündner Herrschaft über das Veltlin im Jahr 1797 begann für Cavaione gleichsam eine 77-jährige Narrenfreiheit. Je nach Vorteil gab man sich einmal als Italien oder der Schweiz zugehörig aus. 1874 nahm der Grosse Rat des Kantons Graubünden Cavaione die damals 103 Bewohner endgültig ins Schweizer Bürgerrecht auf.

Bundespräsidentin ehrt 54 Coronahelden auf dem Rütli

Bundespräsidentin Simonetta Sommaruga hat am 1. August auf dem Rütli der Bevölkerung für ihr bisheriges Verhalten während der Coronapandemie gedankt. Stellvertretend für alle ehrte sie je 27 Männer und Frauen.

Sie hätte am liebsten die ganze Schweiz aufs Rütli eingeladen, sagte Sommaruga am Samstag auf dem Rütli, «vor allem in dieser besonderen Zeit». Leider sei dies nicht möglich. Symbolisch sei aber die ganze Schweiz auf der Wiese oberhalb des Vierwaldstättersees versammelt.

Wegen Corona war die Zahl der Personen, die auf dem Rütli anwesend sein dürfen, auf 200 beschränkt worden. Sommaruga lud aus jedem Kanton sowie aus der fünften Schweiz je eine Frau und einen Mann ein, insgesamt 54 Personen. Jeder von ihnen habe geholfen, diese Krise zu bewältigen, sagte sie, etwa im Spital, im Verkauf, in der Schule oder in der Nachbarschaft. Sie alle hätte gezeigt, dass die Schweiz «verhäbt». Sie halte stand und halte zusammen.

Die Bundespräsidentin unterhält sich auf dem Weg zum Rütli mit den geladenen Gästen.
Die Bundespräsidentin unterhält sich auf dem Weg zum Rütli mit den geladenen Gästen.
Keystone

Die Schweiz sei eben viel mehr als achteinhalb Millionen Einwohnerinnen und Einwohnern, sagte die Bundespräsidentin. Trotz Corona sei das Land nie still gestanden. Trams seien gefahren, die Post sei angekommen, es habe genug Strom gegeben, die Kehrichtabfuhr habe ihre Tour gemacht und die Schulen hätten sich umorganisiert.

Die SP-Magistratin lobte auch die Leistungen von Bund und Kantonen. In einem Staat, der Unterstützung gebe, könnten die Menschen mutig und solidarisch sein. Die Krise habe auch gezeigt, dass die Schweiz die benachbarten Staaten brauche wie die Nachbarn im Quartier. Die Coronakrise sei noch nicht vorbei, sagte Sommaruga. Die Zahl der Ansteckungen steige wieder. Es brauche auch jetzt jede und jeden von uns.

In ihrer Rede auf dem Rütli ehrt Bundespräsidentin Simonetta Sommaruga 54 Coronaheldinnen und -helden.
In ihrer Rede auf dem Rütli ehrt Bundespräsidentin Simonetta Sommaruga 54 Coronaheldinnen und -helden.
Keystone

Die Pläne der anderen Bundesräte

Insgesamt fünf Mitglieder der Landesregierung wenden sich an 1.-August-Feiern in Ansprachen an die Bürgerinnen und Bürger. Diese nahmen auf 150 Bauernhöfen die Gelegenheit wahr, an einem der traditionellen Brunches teilzunehmen – alles unter Beachtung der Corona-Schutzmassnahmen.

Wirtschaftsminister Guy Parmelin verband am Samstag beides: am Morgen nahm er in Chur auf dem Hof der Familie Salis zusammen mit einer Delegation des Schweizer und Bündner Bauernverbandes am dortigen Brunch teil. Am Abend gastiert er dann in Cavaione in der Südbündner Gemeinde Brusio und hält dort eine Ansprache. Cavaione ist die letzte Region, die 1874 der Schweizerischen Eidgenossenschaft angegliedert worden war.

Gesundheitsminister Alain Berset ist am Samstagabend Hauptredner der Bundesfeierlichkeiten in Bellinzona TI. Bereits am Freitag hatte Aussenminister Ignazio Cassis seinen Auftritt, ebenfalls im Tessin. Er besuchte 400 Jugendliche im Sommerlager im Nationalen Jugendsportzentrum Tenero TI. In seiner Rede hatte er sich einer Tierfabel bedient. Die Botschaft: Wer in Zukunft erfolgreich sein will, müsse sich heute wappnen.

Keinen Auftritt hat Verteidigungsministerin Viola Amherd, nachdem die Feier in der Stadt Luzern wegen dem Coronavirus abgesagt worden war. Zu den Plänen von Finanzminister Ueli Maurer waren im Vorfeld keine Angaben erhältlich. Maurer werde sich in diesem Jahr «sehr kurzfristig» entscheiden, lautete es von der Medienstelle des Finanzdepartements.

Sommaruga: Die Schweiz «verhäbt»

Bundespräsidentin Simonetta Sommaruga hat in ihrer offiziellen Radio- und Fernseh-Ansprache zum 1. August den Schweizerinnen und Schweizern für ihre Solidarität und Unterstützung gedankt. Die Bewältigung der Coronakrise habe ihr gezeigt, dass die Schweiz «verhäbt».

«Wenn es darauf ankommt, sind wir mehr als 26 Kantone und achteinhalb Millionen Einwohnerinnen und Einwohner», resümierte Sommaruga die Solidarität und Hilfsbereitschaft der letzten Monate angesichts der Corona-Pandemie.

Besonders berührt habe sie der Brief eines Bergbauern, den sie in den letzten Wochen erhalten habe. Ins Couvert habe er einen Teil seiner AHV-Rente gelegt. Die Krise habe alle getroffen, Solidarität sei gefragt, schrieb er dazu. Das Geld sei mittlerweile bei jenen, die es nötig hätten, so Sommaruga.

Genau wie der Bergbauer haben es laut Sommaruga viele Menschen im Land gemacht. Sie hätten einander unterstützt. Dafür möchte sie am heutigen Tag danke sagen. All jenen, die dafür gesorgt hätten, dass das Land trotz Corona nie stillgestanden sei.

Zuverlässige Nachbarn sind wichtig

Auch in dieser schwierigen Situation habe sich gezeigt: «Die Schweiz verhäbt. Sie hält Stand und hält zusammen.» Es habe immer genügend Strom gegeben, der Müll sei zuverlässig weggeräumt worden, die Schulen hätten sich neu organisiert, der Bund habe zu den Betrieben geschaut und auch Gemeinden und Kantone seien da gewesen.

«Die Schweiz verhäbt», stellte Bundespräsidentin Simonetta Sommaruga in ihrer offiziellen Radio- und Fernsehansprache fest. Sie dankte der Bevölkerung für die Solidarität der letzten Monate.
«Die Schweiz verhäbt», stellte Bundespräsidentin Simonetta Sommaruga in ihrer offiziellen Radio- und Fernsehansprache fest. Sie dankte der Bevölkerung für die Solidarität der letzten Monate.
Keystone

Dass der Austausch nie abgerissen sei, sowohl zwischen Nachbarn als auch zwischen der Schweiz und ihren Nachbarstaaten, sei wichtig gewesen, sagte Sommaruga. «Wir brauchen unsere Nachbarn im Quartier, und wir brauchen gute und stabile Beziehungen zu unseren europäischen Nachbarn. Heute und in Zukunft.»

Die Bundespräsidentin mahnte angesichts steigender Corona-Infektionszahlen weiter zur Vorsicht im Alltag. Nur gemeinsam lasse sich eine erneute Ausbreitung des Virus stoppen, dies hätten die letzten Monate gezeigt, und das mache Mut.

Kleine Festgemeinde versammelt sich auf dem Rütli

Auf dem Rütli haben sich gegen Samstagmittag rund 150 Personen zur Bundesfeier 2020 eingefunden. Der Anlass steht ganz im Zeichen von Corona: Wegen des Virus dürfen nur wenige Personen an der Feier teilnehmen, unter diesen sind 54 Heldinnen und -helden des Lockdownalltags.

Die Festgemeinde, die von Bundespräsidentin Simonetta Sommaruga angeführt wird, wurde nach elf Uhr mit einem Extraschiff von Brunnen SZ über den Vierwaldstättersee zum Rütli gefahren. Empfangen wurde sie von der Militärmusik der Rekrutenschule RS 16-2/20.

Im vergangenen Jahr hatten 2200 Personen den Nationalfeiertag auf dem Rütli gefeiert. 2020 fällt der Anlass somit bedeutend kleiner aus: Damit die Wiese über dem Vierwaldstättersee nicht zum Corona-Hotspot wird, dürfen sich dort heuer nur maximal 200 Personen aufhalten.

Die vom Virus verursachte Krise wird auch Thema der Feier sein. Sommaruga lud aus jedem Kanton sowie aus der fünften Schweiz je eine Frau und ein Mann ein. Diese 54 Personen haben alle dazu beigetragen, dass die Schweiz auch während des bisherigen Höhepunkts der Pandemie funktionierte.

Die 27 Heldinnen und 27 Helden werden von Sommaruga an der Feier geehrt werden. Sie arbeiteten in der Krise im öffentlichen Verkehr, in Supermärkten oder in Apotheken. Sie waren an der Front in Krisenstäben oder auf Intensivstationen tätig. Sie sind Mitglieder von Polizei oder Feuerwehr, sorgten als IT-Fachleute für funktionierendes Homeoffice, erteilten Fernunterricht, brachten Pakete in die Haushalte oder holten dort den Abfall ab.

Ursprünglich war für die Bundesfeier 2020 der Eidgenössische Schwingerverband als Gast vorgesehen. Das wird nun um zwei Jahre auf 2022 verschoben. Am 1. August 2021 werden die Frauenverbände auf der Rütliwiese das 50-Jahr-Jubiläum des Frauenstimmrechts in der Schweiz feiern.

Im Waadtländer Jura nahe Evolene gabs am Freitagabend eine Lichtshow, zwischen «Les Dents de Veisivi» und «La Dent de Perroc».
Im Waadtländer Jura nahe Evolene gabs am Freitagabend eine Lichtshow, zwischen «Les Dents de Veisivi» und «La Dent de Perroc».
Keystone
Keller-Sutter zieht Parallelen zu 1918

Justizministerin Karin Keller-Sutter hat am Samstag in Schaffhausen zum Nationalfeiertag die Konkordanz und Kompromissfähigkeit der Schweiz bei der Bewältigung grosser Krisen wie aktuell der Corona-Pandemie gewürdigt. Sie zog laut Redetext Parallelen zum Jahr 1918.

Damals habe die Spanische Grippe gewütet, der Landesstreik habe die Schweiz erschüttert und es sei auch das Jahr gewesen, als das Proporzwahlrecht im Nationalrat eingeführt wurde. Seuche und Krieg hätten damals die Konfrontation und nicht den Kompromiss befeuert. Der innere Frieden der Schweiz habe auf der Kippe gestanden. Das Proporzwahlrecht sei dann mitverantwortlich gewesen für die Entwicklung des Landes zu einer modernen Demokratie und die Konkordanz.

Über die politischen Gräben hinweg hätten unsere Eltern und Grosseltern einen Staat geschaffen, der gesund und stark genug sei, um in einer Krise, wie man sie dieses Jahr erlebe, jene zu schützen, deren Leben gefährdet ist, und jene zu unterstützen, die ihren Betrieb schliessen mussten oder ihre Stelle verloren hätten.

Einschneidende Massnahmen mittragen

Der Zusammenhalt habe sich in den vergangenen Monaten eindrücklich gezeigt. Etwa als die Bevölkerung von Kantonen wie Schaffhausen bereit gewesen sei, einschneidende Massnahmen zum Schutz der gesamten Bevölkerung solidarisch mitzutragen, obschon sie deutlich weniger stark betroffen waren vom Coronavirus als etwa das Tessin oder die Romandie.

Justizministerin Karin Keller-Sutter sprach am Samstagmorgen in Schaffhausen zum Nationalfeiertag. Sie würdigte die Bedeutung der Konkordanz und Kompromissfähigkeit der Schweiz bei der Bewältigung grosser Krisen wie der Coronapandemie. (Archivbild)
Justizministerin Karin Keller-Sutter sprach am Samstagmorgen in Schaffhausen zum Nationalfeiertag. Sie würdigte die Bedeutung der Konkordanz und Kompromissfähigkeit der Schweiz bei der Bewältigung grosser Krisen wie der Coronapandemie. (Archivbild)
Keystone

Starke Institutionen und ein starkes wirtschaftliches Fundament seien zentral, und damit einhergehend der Wille zur Nation und zur Kohäsion. Es seien nicht die Extreme, die das Land seit 1291 durch verschiedene Krisen und Bewährungsproben geführt habe. Die Schweiz ist laut Keller-Sutter nur deshalb eine Erfolgsgeschichte, weil die verschiedenen politischen und gesellschaftlichen Kräfte es bisher geschafft haben «sich immer wieder zusammenzuraufen».

Bilaterale nicht gefährden

«Entscheide mit Augenmass» seien auch am 27. September gefragt, wenn der Souverän über fünf eidgenössische Vorlagen befinde, nahm Keller-Sutter die Gelegenheit für einen bundesrätlichen Werbespot wahr. Die Kündigung der Personenfreizügigkeit, wie sie die Begrenzungsinitiative von SVP und Auns verlange, gefährde die bilateralen Verträge mit den wichtigsten Handelspartnern der Schweiz.

Bei der Konzernverantwortungsinitiative sprach sich die Magistratin gegen «Sonderregeln für Schweizer Unternehmen» aus. Diese würden sie im internationalen Wettbewerb benachteiligen.

Video: Am Säntis wird die Schweizerfahne ausgerollt

Am Freitagvormittag wurde an der Säntis-Wand die grösste Schweizerfahne ausgerollt. 20 Personen waren beteiligt.

Das ist die grösste Schweizer Fahne
80 auf 80 Meter: Am Freitagvormittag wurde an der Säntis-Wand eine Schweizerfahne ausgerollt. 20 Fachkräfte waren daran beteiligt.

Sommaruga: «Wir sind ein Land und halten zusammen»

Bundespräsidentin Simonetta Sommaruga zieht im Gespräch mit SRF Halbjahres-Bilanz zu ihrem Präsidialjahr. Lesen Sie hier mehr dazu.

Simonetta Sommaruga mit SRF-Moderator Urs Leuthard in Bern.
Simonetta Sommaruga mit SRF-Moderator Urs Leuthard in Bern.
Keystone

Achtung Feuerverbot

Wegen den hochsommerlichen Temperaturen herrscht auch Brandgefahr. Lesen Sie, in welchen Kantonen am 1. August ein Feuerverbot herrscht.

Visite von Cassis in Tenero

Aussenminister Ignazio Cassis hat am Vortag des 1. August 400 Jugendliche im Sommerlager im Nationalen Jugendsportzentrum Tenero im Katnon Tessin besucht. In seiner Rede bediente er sich einer Tierfabel. Die Botschaft: Wer in Zukunft erfolgreich sein will, muss sich heute wappnen.«Die Tierfabel erzählt davon, wie die Ameisen während des Sommers fleissig Futter sammeln, während die Heuschrecke gemütlich im Gras liegt», sagte der Aussenminister gemäss Redetext zu den Jugendlichen in Tenero. Die Heuschrecke verstehe nicht, wieso man an einem schönen Sommertag so hart arbeiten solle, wo es doch genügend Futter für alle gebe. Die Ameisen jedoch wüssten, dass irgendwann der Winter käme und Futter zur Mangelware werde.

«Nur, wer sich im Sommer gut vorbereitet, hat auch in den kalten Tagen genug zu essen», schloss Cassis die Geschichte – wer in Zukunft erfolgreich sein wolle, müsse sich heute drauf vorbereiten. Das wüssten nicht nur die Jugendlichen, die im Sommer trainierten statt in der Badi lägen, das habe auch die Corona-Krise gezeigt. Die Schweiz sei zum Glück ein Volk von fleissigen Ameisen.

«Soziale Kontakte treiben uns an»

Genauso wichtig seien auch Kameradschaft und Zusammenhalt. «In letzter Zeit spürten wir, dass dieser Anreiz und die sozialen Kontakte fehlten», sagte Cassis. «Wir brauchen die sozialen Kontakte, sie treiben uns an und bringen uns weiter." Ein hartes Training werde ein kleines Stück leichter, wenn man sich gegenseitig unterstütze.

Der Magistrat lässt sich in Tenero das Fechten erklären.
Der Magistrat lässt sich in Tenero das Fechten erklären.
(Keystone/31. Juli 2020)

So seien auch gute Beziehungen zum Ausland wichtig. Dadurch habe trotz der Grenzschliessungen der Warenverkehr und die Einreise für Grenzgängerinnen und Grenzgänger sicherstellt werden können. Auch medizinische Hilfsgüter hätten ausgetauscht werden können.

«Keine abenteuerlichen Wege gehen»

Für die Schweiz als Exportnation seien gute Beziehungen aber auch in ruhigeren Zeiten wichtig, sagte Cassis. Die Schweiz tue gut daran, die Beziehungen «in guten Zeiten zu pflegen und keine abenteuerlichen Weg zu gehen», sagte Cassis – mit Verweis auf die zur Abstimmung stehende Begrenzungsinitiative. Als abenteuerlich erachtet es Cassis demnach, wenn die Initiative angenommen und damit die Personenfreizügigkeit mit der EU aufs Spiel gesetzt würde.

Das, was die Jugendlichen in diesen Tagen im Sportlager geleistet hätten, sei Sinnbild für all das, sagte Cassis: «Wir halten uns physisch und psychisch fit, wir formen Beziehungen und wir pflegen den Austausch, um so gemeinsam bereit zu sein für die Herausforderungen der Zukunft.»

Hier sprechen die Bundesräte

Lesen Sie auch: Fünf Bundesräte sind am 1. August im Einsatz

Alain Berset, damals Bundespräsident, nach seiner Ansprache am 1. August 2018 auf der Rütliwiese.
Alain Berset, damals Bundespräsident, nach seiner Ansprache am 1. August 2018 auf der Rütliwiese.
Foto: Peter Klaunzer/Keystone

Beginn des Live Tickers

SDA