Buttersäure-Anschlag: «Die rote Linie überschritten»

Über 24 Stunden nach dem Angriff auf das Läderach-Geschäft stinkt es im Clara-Center noch immer. Neben der Schoggi-Filiale verzeichnen auch andere Geschäfte Umsatzeinbrüche.

Die Feuerwehr musste am Donnerstag ausrücken, um den grässlichen Gestank im Clarashopping zu neutralisieren.

Die Feuerwehr musste am Donnerstag ausrücken, um den grässlichen Gestank im Clarashopping zu neutralisieren.

(Bild: Annette Boutellier)

Benjamin Wirth

Der Gestank von Butter und Erbrochenem ist immer noch allgegenwärtig. Das Shopping-Center Clara ist nicht gut besucht. Sofort fällt der geschlossene Läderach, bei dem am Donnerstag der Buttersäure-Angriff stattgefunden hat (die BaZ berichtete), auf. Der Boden ist, nachdem er gestern von Feuerwehr und Polizei gereinigt wurde, noch ein wenig rutschig. Die Schoggi-Filiale soll aber am Samstag «zu 95 Prozent wieder öffnen», wie die Pressestelle von Läderach mitteilt.

Roger Berberat, seit 25 Jahren Geschäftsführer vom Reisebüro Travel Point im Clara-Shopping, nimmt sich Zeit für ein ausführliches Gespräch. Das Geschäft bietet neben Flugtickets und Hotels auch Reiseutensilien wie Rucksäcke oder Koffer an. «Vor allem für dieses Material war der Buttersäure-Angriff sehr schlimm – den Gestank bekommt man eventuell nie mehr aus dem Stoff heraus.»

Mit einem ironischen Unterton erzählt er, wie er und seine Mitarbeiterin gestern in Winterjacken im Geschäft sassen. Um den Gestank möglichst schnell zu minimieren, öffnete man gestern alle Fenster und Türen. «Ein fürchterlicher Gestank und eine Kälte – das war ein ganz schlimmer Arbeitstag», sagt der Geschäftsführer. Wieder in ernster Tonlage teilt Berberat mit, dass man gestern nicht den gewünschten Umsatz erzielt habe. «Viele Menschen verliessen das Shopping-Center, kurz nachdem sie eingetroffen sind».

Für die Mitarbeiter von Läderach gingen sogar zwei Arbeitstage flöten. Wie hoch der Verlust ist, will Läderach nicht mitteilen. Die Pressestelle lässt aber ausrichten: «Für kein Geschäft ist es einfach, wenn man zwei Tage keinen Umsatz erzielt.»

Grosses Unverständnis

Für Berberat gingen die Täter ganz klar zu weit. Er erinnert an ähnliche Vorkommnisse: «Als der Eingang wie beim Frauenstreik mit Absperrband versperrt wurde, ging das noch – aber hier wurde ganz klar die rote Linie überschritten.» Berberat sagt ausserdem, viele Leute hätten die gekaufte Läderach-Schoggi zurückgebracht. Die Filialleiterin sei den Tränen nah gewesen.

Als der Rundgang andauert, wird deutlich, dass der Gestank weiterhin in der Nase beisst. Ein junger Mitarbeiter des Handy-Reparaturen-Geschäfts Multiphone Basel meint, dass der Geruch tags zuvor aber schlimmer gewesen sei. Ausserdem sagt er: «Ich verstehe nicht, wie man so etwas tun kann.» Den Mitarbeitern von H&M wurde gar untersagt, mit der BaZ über den Buttersäuren-Vorfall zu sprechen.

Die Täter dieser Buttersäure-Attacke sind immer noch unbekannt. Die Staatsanwaltschaft teilt der BaZ mit, dass man sich in einem laufenden Verfahren befände. Roger Berberat scheint mehr zu wissen: «Das liegt doch auf der Hand, wenn man die Geschichte der Schokoladenmarke und deren Gründer kennt.» Jürg Läderach, Schoggi-König, sorgte zuletzt für Aufregung: Sein Engagement für den «Marsch fürs Läbe» spaltete die Gemüter. Berberat wittert daher eine Aktion der Gegenparteien. Die Pressestelle von Läderach gibt keinen Kommentar zu diesen Spekulationen ab.

Diese Inhalte sind für unsere Abonnenten. Sie haben noch keinen Zugang?

Erhalten Sie unlimitierten Zugriff auf alle Inhalte:

  • Exklusive Hintergrundreportagen
  • Regionale News und Berichte
  • Tolle Angebote für Kultur- und Freizeitangebote

Abonnieren Sie jetzt