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Crypto-AffäreBüro des Nationalrats verzichtet endgültig auf PUK

Zwei parlamentarische Initiativen der SP und der Grünen sind vom Ratsbüro abgelehnt worden. Doch es werden Forderungen an den Bundesrat laut.

Der Hauptsitz des Chiffriergeräte-Herstellers Crypto im zugerischen in Steinhausen.
Der Hauptsitz des Chiffriergeräte-Herstellers Crypto im zugerischen in Steinhausen.
Foto: Alexandra Wey (Keystone/10. Februar 2020)

Das Büro des Nationalrates bleibt dabei: Die Affäre rund um manipulierte Verschlüsselungsgeräte der Zuger Firma Crypto soll nicht von einer Parlamentarischen Untersuchungskommission (PUK) untersucht werden.

Das Ratsbüro lehnte mit 8 zu 5 Stimmen zwei parlamentarische Initiativen der SP und der Grünen ab, wie die Parlamentsdienste am Freitagabend mitteilten. Eine PUK sei dann nötig, wenn die üblichen Aufsichtsorgane an ihre Grenzen stiessen, befand die Mehrheit. Das sei bei der Crypto-Affäre nicht der Fall.

Der am Dienstag zu Crypto veröffentlichte Bericht der Geschäftsprüfungsdelegation (GPDel) habe Antworten auf die gestellten Fragen gegeben, die die Initiativen aufwerfen würden, befand die Mehrheit. Die Delegation habe schnell und effizient gearbeitet und alle nötigen Informationen erhalten.

Die GPDel kam zum Schluss, dass die Schweizer Behörde und der Bundesrat für die Spionagetätigkeit der Crypto AG mitverantwortlich seien. Dem Nachrichtendienst war demnach bekannt, dass der US-Geheimdienst CIA und der deutsche Nachrichtendienst BND mit manipulierten Chiffriergeräten über 130 Staaten ausspionierten. (Lesen Sie dazu: «Bananenrepublik-Gebaren ist eines Rechtsstaates unwürdig»).

«Rasche Lehren aus dem Fall ziehen»

Die Schweiz habe von den Erkenntnissen der Spionagetätigkeit der CIA profitiert, mit dem Einverständnis der USA. Die GPDel machte dabei fehlende Führung und Überwachung seitens des Bundesrates geltend. (Lesen Sie dazu unseren Artikel: Bundesrat macht in der Crypto-Affäre so ziemlich alles falsch).

Vom Bundesrat fordert das Büro des Nationalrates nun, «rasch Lehren aus diesem Fall zu ziehen» und Massnahmen umzusetzen, um die nachrichtendienstlichen Tätigkeiten besser zu steuern und zu überwachen.

Das Büro des Nationalrates hatte sich bereits Anfang März einmal mit der Frage befasst, ob zur Crypto-Affäre eine PUK eingesetzt werden sollte. Sie entschied sich damals dagegen, weil sie zunächst den Bericht der GPDel abwarten wollte. Nach dem erneuten Nein des Büros befasst sich der Nationalrat mit der Frage einer PUK.

1 Kommentar
    Sacha Meier

    Deckel drauf macht Sinn. Würde nämlich die ganze Wahrheit auf den Tisch kommen, nämlich, dass die Schweiz seit 1946 (Washingtoner Übereinkommen samt bis heute geheimgehaltener Zusatzvereinbarung als Folge des National Security Act, 1947) de facto der 51. US-Bundesstaat ist und wir eigentlich aussenpolitisch, militärisch-beschaffungstechnisch und nachrichtendienstlich nur das machen dürfen, was uns Uncle Sam erlaubt, gäbe es ein Erdbeben. Auch unsere Finanzschwerindustrie ist nicht sonderlich erpicht darauf, dass die Weltöffentlichkeit erfährt, dass unser Bankgeheimnis eigentlich eine Honigfalle war, weil die SWIFT-Transaktionsverschlüsser «Gretacoder» der verflossenen Regensdorfer Gretag AG eben auch mit geschwächter Kryptographie ausgestattet waren. So konnten die USA jede Finanztransaktion live mitverfolgen. Als das nicht mehr interessant war, weil die Verschlüsslung per Software erfolgte, mussten wir das Bankgeheimnis bekanntlich aufgeben.