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Vertrockneter WaldBuchen aus Süditalien sollen Hardwald retten

Nationales Forschungsprojekt soll mehr Klarheit darüber bringen, welche Baumarten mit der Klimaerwärmung klarkommen.

Im Sommer 2019 sperrten die Behörden den Hardwald komplett. Grund waren Trockenheitsschäden an Bäumen, die durch den Wassermangel an Stabilität einbüssten. Vereinzelt brachen Äste und Kronenteile ab.
Im Sommer 2019 sperrten die Behörden den Hardwald komplett. Grund waren Trockenheitsschäden an Bäumen, die durch den Wassermangel an Stabilität einbüssten. Vereinzelt brachen Äste und Kronenteile ab.
Foto: Keystone/Georgios Kefalas

Die Trockenheit vor allem im Sommerhalbjahr hinterlässt auch Spuren im Wald (BaZ berichtete). Wer aufmerksam unter Bäumen wandelt, sieht, wie die Kronen sich auslichten, wie die blattlosen Äste immer deutlicher zu sehen sind – und wie Bäume absterben. Besonders getroffen hat es den Hardwald vor den Toren Basels. Aber das Phänomen des vertrocknenden Hardwaldes lässt sich nicht nur in der Schweiz beobachten: Eindrücklich waren dieses Jahr die Trockenheitsfolgen auch im Elsässer Teil des Hardwaldes (Forêt de la Hardt) zwischen Saint-Louis und Mulhouse zu sehen. Die Eichen-Hagenbuchen-Wälder vergilbten im Spätsommer aufgrund der Bodentrockenheit regelrecht und boten einen jämmerlichen Anblick.

Welche Baumarten der Wald in Zukunft führen wird, wissen auch die Förster und Waldforscher nicht genau. Die Fachleute gehen aber davon aus, dass der Klimawandel «der Schweiz bis Ende des 21. Jahrhunderts mindestens drei bis vier Grad wärmere und trockenere Sommer beschert», wie es in einer Mitteilung des Kantons Basel-Landschaft heisst. Und dieser Veränderung wollen sie nicht tatenlos zusehen.

57 Versuchspflanzungen

Um mehr darüber zu lernen, welche Baumarten mit den trockeneren Sommern klarkommen, lancieren die Eidgenössische Forschungsanstalt für Wald, Schnee und Landschaft (WSL) und das Bundesamt für Umwelt (Bafu) jetzt zusammen mit 20 kantonalen Waldämtern sowie etlichen Forstbetrieben eine gross angelegte Langzeitstudie, die über mehrere Jahrzehnte Informationen liefern soll. Gemäss WSL werden 57 Versuchspflanzungen in unterschiedlichen Landesteilen über die ganze Schweiz verteilt angelegt.

Auf diesen Versuchsflächen sollen 18 Baumarten in den Fokus der Beobachtungen rücken. Die Bäumchen werden unter unterschiedlichen Umweltbedingungen gepflanzt, beispielsweise in verschiedenen Höhenlagen und in unterschiedlichen Klimaregionen. «Ziel ist, herauszufinden, welches Klima jeder Baumart zusagt und wo sie an ihre Grenzen kommt», teilt die WSL auf ihrer Website mit. «Es wird auch untersucht, wieweit es möglich ist, Bäume schon in ihren zukünftig geeigneten Lebensräumen zu pflanzen, damit sie sich dort von selbst weiterverbreiten und sich kostspielige Pflanzungen erübrigen.»

Das Augenmerk liegt bei dieser Untersuchung auf Bäumen, die bislang in Mitteleuropa wenig angebaut wurden oder noch nicht als bestandesbildende Baumarten bekannt sind: beispielsweise der Nussbaum oder der Baumhasel aus Südosteuropa. Bekannter sind die einheimischen Waldbaumarten, die verwendet werden, wie die Weisstanne, Waldföhre oder Winterlinde. Dazu kommen Gastbaumarten wie die Atlas-Zeder aus Nordafrika.

Suche nach besten Genen

Sechs Baumarten werden auf dieser ersten Versuchsfläche in der Region Basel getestet. Doch nicht nur am Baumarten-Mix der Zukunft pröbeln die Forscher, geschaut wird auch, welche Herkunft sich an welchem Standort am besten bewährt. «Die genetische Variation innerhalb einer Baumart kann mehr oder weniger gross sein, je nachdem wie unterschiedlich die Bedingungen in ihrem natürlichen Verbreitungsgebiet sind», schreibt die WSL. «Innerhalb dieses Gebietes hat sich die Baumart über Jahrtausende an die jeweiligen Standortbedingungen wie Klima oder Boden angepasst.»

Die forstwirtschaftliche Forschung beschäftigt sich schon länger mit der Frage, welche Herkunft an welchem Standort welche Resultate bezüglich Wuchskraft, Form, Klimaverträglichkeit und Gesundheit aufweist. So laufen etwa in Österreich Langzeitbeobachtungen von Lärchen aus unterschiedlichen Höhenlagen und Regionen und wie sie sich in anderen Gebieten entwickeln.

Im Hardwald sollen Buchen aus Süditalien gepflanzt werden. Sie, so die Annahme, kommen aufgrund der genetischen Entwicklung in einem trockeneren Gebiet besser mit den veränderten Bedingungen am Oberrhein klar. Insgesamt pflanzt der Forstbetrieb der Bürgergemeinde Basel 648 Bäumchen in einem von der WSL vorgegebenen Raster, teilt der Kanton Basel-Landschaft mit. Da der Hardwald bei Muttenz 275 Meter über Meer liegt, handle es sich um die am tiefsten gelegene Versuchsfläche nördlich der Alpen, es sei «damit ein besonders interessanter Ort für die Forschung», schreibt der Kanton.

Nebst der Versuchsfläche im Hardwald werden drei weitere solche Flächen im Kanton Basel-Landschaft eingerichtet. Die Fläche im Wald der Gemeinde Buus wird ebenfalls in diesem Winter bepflanzt, die beiden weiteren Flächen in Waldgebieten der Gemeinden Arisdorf und Pfeffingen folgen im Herbst 2021.

2 Kommentare
    Erwin Marti

    Wieso denken die Förster nicht an den ausserordentlichen Ginkgobaum. Der Baum der Goethe im Botanischen Garten von Jena im Auftrag des Herzogs von Weimar gesetz hat. Dieser hat ein Durchmesser den ich auf 20 Meter schätze. Sonst kann doch die Eigenossenschaft und besonders auch Basel 30 Jahre Klima im voraus planen, aber dieser Baum ist 320 Jahre alt. Dann gäbe es noch den Sierra- Redwood, der doch unglaublich resistent ist. Abraham Lincoln hat solche Bäume am Eingang des Yosemity Park gesetzt auf etwa 2000 Meter Höhe. Ist in Basel die Kreativität abhanden gekommen?