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Coronavirus weltweit +++ Israel meldet Rekordwert an Neuinfektionen +++ Forscher warnen vor einer zweiten Welle in Grossbritannien

Auf der Insel könnte die Zahl der Todesopfer im Winter auf bis zu 120'000 steigen, erklären Experten. Internationale News im Ticker.

Das Wichtigste in Kürze:

  • Weltweit haben sich mehr als 11 Millionen Menschen mit dem Coronavirus infiziert.
  • Allein die USA haben rund 3 Millionen Fälle.
  • Zahlreiche Länder lockern ihre Einschränkungen oder Ausgangsbeschränkungen wieder. Gleichzeitig werden die ersten Staaten bereits von einer zweiten Welle erfasst.
  • Ein Impfstoff gegen den Erreger ist noch nicht gefunden – Tests verlaufen aber vielversprechend.

Hier sehen Sie, wie die Massnahmen in der Schweiz wirken: Der Ausbruch im Vergleich mit anderen Ländern.

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Experten auf der Insel schlagen Alarm

Renommierte Wissenschaftler warnen vor einer zweiten Coronavirus-Welle mit bis zu 120'000 Todesfällen in Grossbritannien. Demnach könnte der Höhepunkt im kommenden Januar und Februar erreicht werden. An der Studie waren 37 Wissenschaftler beteiligt, darunter der Regierungsberater Patrick Vallance.

Die Forscher der Akademie der medizinischen Wissenschaften legten verschiedene Szenarien vor und nannten die prognostizierten 120'000 Todesfälle ein fundiertes «Worst-Case-Szenario». «Das Risiko kann verringert werden, wenn wir sofort handeln», teilten die Forscher in ihrer am Dienstag veröffentlichten Studie mit.

Das Virus hält sich hartnäckig auf der Insel.
Das Virus hält sich hartnäckig auf der Insel.
(Keystone/Alberto Pezzali/4. Juli 2020)

Sie warnen unter anderem vor einem Zusammentreffen mit einer Grippewelle und vor einem höheren Infektionsrisiko im Winter, weil sich die Menschen dann mehr in geschlossenen Räumen aufhalten. Dadurch könnte ein zweiter Corona-Ausbruch zwischen kommendem September und Juni 2021 deutlich schlimmer ausfallen als der erste, betonen die Forscher.

Bislang sind nach Angaben des Gesundheitsministeriums knapp 45'000 Menschen landesweit während der ersten Welle gestorben. Es wird aber mit einer hohen Dunkelziffer gerechnet. Das Vereinigte Königreich ist das am schlimmsten von der Corona-Krise betroffene Land in Europa.

Israel meldet Rekordwert an Neuinfektionen

Die Zahl der täglichen Neuinfektionen mit dem Virus hat in Israel einen Höchststand erreicht. Wie das Gesundheitsministerium am Dienstag mitteilte, wurden für Montag 1681 Fälle gemeldet – so viele wie nie zuvor an einem Tag in dem Land seit Beginn der Pandemie.

Getestet wurden an dem Tag 25'825 Menschen, die Ansteckungsquote betrug demnach 6,5 Prozent. Auch dies ist ein Höchstwert. Insgesamt wurden in Israel bislang mehr als 41'200 Infizierte registriert.

Die Pandemie macht dem Staat Israel Sorgen: Szene in Jerusalem.
Die Pandemie macht dem Staat Israel Sorgen: Szene in Jerusalem.
(Keystone)

Zum Vergleich: Die Zahl der täglichen Neuinfektionen hatte Mitte Mai in Israel noch im niedrigen zweistelligen Bereich gelegen. In der Schweiz und in Liechtenstein wurden dem Bundesamt für Gesundheit (BAG) am Montag innerhalb eines Tages 63 neue Ansteckungen mit dem Coronavirus gemeldet. Israel hat nur knapp sechs Prozent mehr Einwohner als die Schweiz.

Netanyahu: Zuerst Lob, dann Kritik

Israels Ministerpräsident Benjamin Netanyahu wurde zu Beginn der Pandemie für sein Krisenmanagement gelobt. Inzwischen steht er aber stark in der Kritik. Vorgehalten werden ihm unter anderem zu schnelle, umfassende Lockerungen.

Die Wirtschaft des Landes ächzt unter den Folgen der Krise, die Arbeitslosigkeit liegt bei mehr als 20 Prozent. Zur Abmilderung der ökonomischen Konsequenzen hat die Regierung ein milliardenschweres Hilfspaket beschlossen. In mehreren Städten gelten für Viertel Ausgangsbeschränkungen.

Hongkong führt erneut strenge Beschränkungen ein

Hongkokng Regierungschefin Carrie Lam ordnet ab Dienstag Mitternacht wegen eines Anstiegs der Covid-19-Fälle strengere Massnahmen gegen die Pandemie an. Bei der Nutzung von öffentlichen Verkehrsmitteln ist das Tragen einer Gesichtsmaske obligatorisch, bei Verstössen droht eine Geldstrafe von umgerechnet rund 600 Franken.

Gaststätten müssen ihre Bewirtung in geschlossenen Räumen einstellen und dürfen erst nach 18 Uhr Speisen zum Mitnehmen anbieten. Beide Massnahmen kamen während des Virus-Ausbruchs in der chinesischen Sonderverwaltungszone bislang nicht zum Einsatz.

Zusammenkünfte sind statt bisher von 50 auf vier Personen reduziert, Fitnessstudios und Vergnügungsstätten bleiben für eine Woche geschlossen. Am Montag registrierten Hongkonger Gesundheitsbehörden einen Anstieg um 52 auf 1522 Fälle. Lokalen Medienberichten zufolge sind acht Einwohner an den Folgen des Virus gestorben.

England führt Maskenpflicht im Handel ein

Nach langem Zögern führt nun auch England in der Corona-Pandemie eine Maskenpflicht in Geschäften ein. Die Massnahme soll am 24. Juli in Kraft treten, wie die Nachrichtenagentur PA am späten Montagabend berichtete.

Wer sich nicht an die neue Regel hält, muss demnach mit einer Geldstrafe von bis zu 100 Pfund (gut 120 Franken) rechnen. «Es gibt immer mehr Beweise dafür, dass das Tragen einer Maske in geschlossenen Räumen dazu beiträgt, Menschen und ihre Umgebung vor dem Coronavirus zu schützen», sagte ein Regierungssprecher demnach im Vorfeld.

Zuvor hatte bereits der britische Premierminister Boris Johnson am Freitag eine Ausweitung der Maskenpflicht angedeutet. Bislang muss in England ein Mund-Nasen-Schutz nur in öffentlichen Verkehrsmitteln getragen werden. Lange Zeit hatte sich die Regierung in London gegen eine Ausweitung der Pflicht auf Läden und andere geschlossene Räume gesträubt. Befürchtet wurde zunächst, es könne zu einer hohen Nachfrage nach der in Krankenhäusern und Pflegeeinrichtungen knappen Schutzausrüstung kommen. Ausserdem wurde gewarnt, Masken könnten durch häufiges Berühren oder ein überhöhtes Gefühl der Sicherheit sogar kontraproduktiv sein.

Grossbritannien ist mit mehr als 46'500 Todesfällen bei nachweislich mit dem Virus Infizierten das am schlimmsten von der Pandemie betroffene Land in Europa. Der Regierung wird vorgeworfen, zu spät und falsch auf die Pandemie reagiert zu haben.

Auch in Schottland ist das Tragen von Masken in Läden bereits Pflicht. Im Vereinigten Königreich entscheiden die einzelnen Landesteile selbst über ihre Schutzmassnahmen zur Eindämmung in der Corona-Pandemie.

Bolsonaro geht es «sehr gut»

Der brasilianische Präsident Jair Bolsonaro fühlt sich trotz seiner Coronavirus-Infektion «sehr gut». Er werde seine Arbeit wieder aufnehmen, sobald er negativ auf das Virus gestestet werde, kündigt er an. So lange werde er sich weiterhin isolieren. Er fühle sich weder ausser Atem noch habe er seinen Geschmackssinn verloren, äussert er gegenüber dem Sender CNN Brasil. Ein erneuter Coronavirus-Test ist für Dienstag geplant.

Impfstoff-Produktion nach dem Sommer

In den USA könnten Arzneimittelhersteller nach Angaben der Regierung bis Ende des Sommers mit der Herstellung eines wirksamen Coronavirus-Impfstoffs beginnen. Die Pharmakonzerne seien auf dem richtigen Weg, erklärt ein Regierungsmitarbeiter.

Die Vereinigten Staaten finanzieren mit dem Programm «Operation Warp Speed» die Entwicklung mehrerer Impfstoffkandidaten und Therapien.

Kalifornien verschärft Lockdown

Wegen rasch ansteigender Neuinfektionen macht Kalifornien, der bevölkerungsreichste US-Bundesstaat, viele Lockerungen seiner Corona-Auflagen wieder rückgängig. Bars und Kinos müssen schliessen, Restaurants dürfen in geschlossenen Räumen keine Gäste mehr bewirten, wie Gouverneur Gavin Newsom am Montag erklärte.

Kaliforniens Gouverneur Gavin Newsom.
Kaliforniens Gouverneur Gavin Newsom.
Foto: Keystone

Zudem müssten in 30 Bezirken, darunter Los Angeles, auch Fitnessstudios, Kirchen und Einkaufszentren ihren Betrieb einstellen, sofern dieser in geschlossenen Räumen stattfinde, hiess es weiter.

Der riesige Schulbezirk Los Angeles kündigte an, dass die Schüler wegen der anhaltenden Corona-Pandemie in dem am 18. August beginnenden Schuljahr bis auf Weiteres nur online lernen können. «Die Gesundheit und Sicherheit aller in der Schulgemeinschaft ist nichts, wo wir Kompromisse eingehen können», hiess es. US-Präsident Donald Trumps Regierung übt Druck auf Bundesstaaten und Kommunen aus, Schulen mit dem neuen Schuljahr wieder normal zu öffnen.

Infolge der Lockerung von Corona-Auflagen waren die Zahlen der Neuinfektionen, der Covid-Patienten im Krankenhaus und die gemeldeten Todesfälle zuletzt deutlich angestiegen. Am Sonntag etwa hatten die Behörden rund 8500 bestätigte Neuinfektionen und 72 Todesfälle gemeldet. Insgesamt gibt es in dem Bundesstaat an der Westküste mit rund 40 Millionen Einwohnern bislang mehr als 320'000 Infektionen.

Auch in anderen Bundesstaaten, darunter Florida, Texas und Arizona, steigt die Zahl der Neuinfektionen derzeit weiter rasant an.

Quarantäne-Verstösse: New Yorks Gouverneur droht mit Strafen

Andrew Cuomo hat Menschen, die aus US-Bundesstaaten mit starkem Corona-Infektionsgeschehen nach New York einreisen und sich nicht an die Quarantäne-Vorgaben halten, mit Strafen gedroht.

Alle per Flugzeug Einreisenden müssten nun bei der Ankunft ihre Kontaktdaten hinterlassen, sagte Cuomo am Montag bei einer Pressekonferenz. Wer sich nicht daran halte, müsse mit einer Strafe in Höhe von 2000 Dollar rechnen.

WHO: Virus bleibt Staatsfeind Nummer eins

Die Virus-Pandemie kann sich laut Weltgesundheitsorganisation WHO noch deutlich verschärfen, wenn sich nicht alle Länder an grundlegende Vorsichtsmassnahmen halten.

WHO-Generaldirektor Tedros Adhanom Ghebreyesus.
WHO-Generaldirektor Tedros Adhanom Ghebreyesus.
Foto: Keystone

«Lassen Sie es mich offen sagen, zu viele Länder gehen in die falsche Richtung, das Virus bleibt Staatsfeind Nummer eins», sagt WHO-Generaldirektor Tedros Adhanom Ghebreyesus bei einem virtuellen Briefing in Genf. «Wenn die Grundlagen nicht befolgt werden, wird diese Pandemie voranschreiten, sie wird schlimmer und schlimmer und schlimmer werden.» Das müsse aber nicht so kommen.

Erster Tag ohne Corona-Toten in New York seit März

In der von der Corona-Pandemie stark betroffenen Millionenmetropole New York hat es vorläufigen Daten zufolge erstmals seit dem Ausbruch einen Tag ohne bestätigten oder wahrscheinlichen Todesfall nach einer Infektion mit dem Virus gegeben. Für Sonntag meldete die New Yorker Gesundheitsbehörde zunächst keinen auf das Virus zurückzuführenden Todesfall.

Es wäre der erste solche Tag seit dem ersten gemeldeten Todesfall in der Stadt am 11. März. New York war einst das Epizentrum der Coronavirus-Pandemie in den USA. Im April starben in der Metropole an manchen Tagen mehr als 500 Menschen nach einer Infektion mit dem Virus. Insgesamt steckten sich den städtischen Daten zufolge von den rund 8,5 Millionen Einwohnern bislang rund 215 000 an, rund 25 000 starben wahrscheinlich oder bestätigt nach einer Infektion mit dem Virus.

Der Vollmond erhebt sich bei Sonnenuntergang hinter der Freiheitsstatue in New York.
Der Vollmond erhebt sich bei Sonnenuntergang hinter der Freiheitsstatue in New York.
Foto: J. David Ake/Keystone

Zuletzt waren die Neuinfektionszahlen in New York stark gesunken – in vielen anderen Teilen der USA allerdings stark gestiegen, weswegen auch die Millionenmetropole einen erneuten Anstieg befürchtet.

Swissport erhält-Corona-Hilfen in den USA

Der Flughafendienstleister Swissport erhält in den USA staatliche Gelder aus dem Corona-Hilfsfonds.

Das Unternehmen und das Finanzministerium hätten am vergangenen Freitag eine Vereinbarung im Rahmen des «Coronavirus Aid, Relief, and Economic Security (CARES) Act» geschlossen, teilt die Gesellschaft am Montag mit.

Dadurch erhält das Unternehmen Mittel im Volumen von rund 170 Millionen US-Dollar, um während der Unterbrüche im Flugverkehr durch die Pandemie weiter die Gehälter in den USA zahlen zu können. Davon werden 111,9 Millionen als Beihilfe ausgeschüttet und 58,5 Millionen als ein unbesicherter Schuldschein mit 10 Jahren Laufzeit. Swissport rechnet mit der Auszahlung der Gelder in drei Tranchen, von denen die erste bereits erfolgt sei. Die restlichen Zahlungen sollen Ende Juli und Ende August erfolgen.

Ein Mitarbeiter von Swissport überprüft am Flughafen Zürich ein Flugzeug.
Ein Mitarbeiter von Swissport überprüft am Flughafen Zürich ein Flugzeug.
Foto: Gaetan Bally/Keystone

Zudem gibt das Unternehmen ein Update zur finanziellen Lage. So habe die Liquidität per Ende Juni 340 Millionen Euro betragen. Wie bereits angekündigt bemühe sich das Unternehmen weiter um zusätzliche Liquidität. So sei in Grossbritannien erreicht worden, dass unter den neu gültigen Regelungen Änderungen bei den Finanzierungsbedingungen vorgenommen werden konnten. So seien neue Schuldtitel im Volumen von 380 Millionen Euro aufgenommen worden.

Auch in der Schweiz in der Krise

Auch in der Schweiz befindet sich Swissport in der Krise. Hierzulande wird in der Politik über eine Auffanggesellschaft diskutiert. Der Bund hatte den Flughafen Zürich bereits im April beauftragt, eine Auffangstruktur zu schaffen, die den Betrieb im Notfall aufrechterhalten könnte.

Die Eigentümerin von Swissport, die chinesische HNA-Gruppe, hatte im Mai signalisiert, kein neues Geld bei dem Flughafen-Bodenabfertiger einzuschiessen. Anfang Juni hatte Swissport zwei belgische Tochtergesellschaften in die Insolvenz geschickt.

Moskau lockert trotz Coronavirus Maskenpflicht

Trotz nach wie vor vieler neuer Corona-Neuinfektionen hat die russische Hauptstadt Moskau die Maskenpflicht gelockert. Von diesem Montag sei der Mund-Nasen-Schutz im Freien freiwillig, teilte die Stadtverwaltung mit.

Bereits vor diesem weiteren Schritt der Lockerung der Antivirus-Beschränkungen waren nur wenige auf den Strassen und Plätzen in Europas grösster Metropole mit dem Schutz zu sehen. Vorgeschrieben ist er aber noch in öffentlichen Verkehrsmitteln und etwa beim Einkaufen.

Von heute Montag an ist das Tragen von Schutzmasken im Freien in Moskau freiwillig.
Von heute Montag an ist das Tragen von Schutzmasken im Freien in Moskau freiwillig.
Foto: Sefa Karacan/Getty Images

Die russische Hauptstadt ist mit Abstand am schwersten von der Epidemie betroffen. Rund 230 000 Erkrankungen wurden bislang offiziell erfasst. Die Behörden lassen derzeit mit Massentests untersuchen, wie viele Menschen das Virus bereits hatten. Jüngsten Angaben zufolge wurden bei jedem Fünften Antikörper gegen Corona festgestellt. Sie können einen Hinweis darauf geben, dass der Betreffende bereits mit dem Virus infiziert wurde und wahrscheinlich zumindest für einige Zeit immun dagegen ist. Doch nicht alle Tests sind genau.

In Moskau galten lange strenge Ausgangssperren, die schrittweise gelockert werden. Grössere Kinos und Theater sollen am 1. August öffnen. Aktuell werden Gespräche mit verschiedenen Ländern geführt, damit der internationale Flugverkehr wieder aufgenommen werden kann.

Mallorca bereitet sich auf weitreichende Maskenpflicht vor

Auf Mallorca und den anderen Baleareninseln soll am Montag wegen der Corona-Pandemie eine weitgehende Maskenpflicht in Kraft treten. Damit folgen die Behörden dem Beispiel Kataloniens und der Extremadura. Dort ist das Tragen einer Maske über Mund und Nase praktisch überall ausserhalb der eigenen vier Wände bereits Pflicht, auch dann, wenn der Sicherheitsabstand zu anderen Personen gewahrt werden kann.

Auch La Rioja, Navarra und Asturien bereiten eine solche Maskenpflicht vor. Für die Balearen sollte die entsprechende Verordnung noch am Montag im regionalen Gesetzblatt veröffentlicht werden und sofort in Kraft treten, berichteten spanische Medien. Wer sich nicht an die Maskenpflicht hält, riskiert demnach ein Bussgeld von 100 Euro. In den ersten Tagen soll es jedoch zunächst nur Ermahnungen geben.

Die Behörden hatten einige Ausnahmen angekündigt. Am Strand, am Pool und beim Essen und Trinken sowie beim Sport dürfe die Maske abgenommen werden, hiess es. Am Partystrand Ballermann auf Mallorca sorgten Hunderte Touristen für Empörung, die am Freitagabend unter Missachtung der Vorsichtsmassnahmen feierten. Die Gesundheit der Urlauber und der Einheimischen habe Priorität, begründete die Präsidentin der Balearen-Regionalregierung, Francina Armengol, die Maskenpflicht. Das Coronavirus sei immer noch da und es wäre ungerecht, wenn die grosse Mehrheit, die sich verantwortungsbewusst verhalte, von wenigen Unvorsichtigen gefährdet werde.

Nach dem Lockdown füllt sich der Strand Palma de Mallorca wieder mit Touristen. (21. Juni 2020)
Nach dem Lockdown füllt sich der Strand Palma de Mallorca wieder mit Touristen. (21. Juni 2020)
Foto: Enrique Calvo/Reuters

Unterdessen stoppte eine Richterin zunächst die für die katalonische Stadt Lleida und sieben umliegende Gemeinden ab Montag bestehenden Ausgangsbeschränkungen. Die von der Regionalregierung Kataloniens angeordnete Massnahme sei unverhältnismässig, begründete sie ihre Entscheidung. Wegen steigender Infektionszahlen steht die Region Lleida schon seit einer Woche unter Quarantäne, Fahrten in und aus dem Gebiet sind weitgehend untersagt.

Ungarn erlässt Einreisebeschränkungen

Das EU-Land Ungarn führt wegen weltweit steigender Infektionszahlen mit dem Coronavirus Einreisebeschränkungen ein. Eine Regierungsverordnung, die am Sonntag erlassen wurde, kategorisiert die verschiedenen Länder der Welt in Hinblick auf ihre Pandemielage. Reisende, die aus Ländern wie Deutschland kommen, die als «grün» eingestuft sind, können weiter uneingeschränkt in Ungarn einreisen.

Für Reisende, die aus einem als «gelb» eingestuften Land kommen, gilt eine 14-tägige Quarantänepflicht. Aus «rot» eingestuften Ländern können Ausländer künftig nicht mehr einreisen. Die Verordnung tritt am Mittwoch (15. Juli) in Kraft. Transitreisende sind nicht davon betroffen, sie dürfen aber die festgelegten Durchreiserouten nicht verlassen.

Als «grün» eingestuft sind die Schweiz, Island und alle EU-Länder ausser Rumänien, Bulgarien, Portugal und Schweden. Diese vier Länder sind so wie Norwegen, Grossbritannien, Serbien, Russland, China, Japan und die USA als «gelb» eingestuft. Als «rot» gelten die Ukraine, Moldau, Belarus, Albanien, Bosnien-Herzegowina, Montenegro, Nordmazedonien, Kosovo, Kanada, Australien, die meisten asiatischen Länder und alle Länder Mittel- und Südamerikas sowie Ozeaniens.

Die ungarischen Behörden wollen das weltweite Infektionsgeschehen wöchentlich bewerten und die Einstufungen entsprechen anpassen. Sie begründen die Einreisebeschränkungen mit dem Bestreben, ein Einschleppen des Coronavirus zu verhindern. Die Corona-Lage in Ungarn selbst ist günstig. Seit Wochen werden meist einstellige Ansteckungszahlen pro Tag gemeldet. Als aktiv infiziert galten am Sonntag in dem Zehn-Millionen-Einwohner-Land 603 Menschen.

Mexiko weltweit an vierter Stelle

Mexiko ist inzwischen das Land mit den viertmeisten registrierten Todesfällen im Zusammenhang mit der Lungenkrankheit Covid-19. Die Zahl stieg nach Angaben des Gesundheitsministeriums vom Sonntag (Ortszeit) auf 35 006. Damit überholte das nordamerikanische Land Italien. Die offizielle Zahl der bestätigten Infektionen mit dem Coronavirus liegt in Mexiko inzwischen bei 299 750 – die siebtmeisten weltweit nach Statistiken der Johns Hopkins Universität in den USA.

Die wahren Zahlen dürften in Mexiko allerdings noch deutlich höher liegen. Äusserst wenige Menschen werden dort auf das Coronavirus getestet. Nach Statistiken, die von Forschern der englischen Universität Oxford zusammengetragen wurden, lag die Zahl der täglich durchgeführten Tests in Mexiko zuletzt bei 4,83 pro 1000 Einwohner – in Deutschland waren es 76,1 und in den USA 117,58.

Die Asche von 250 in den USA im Zusammenhang mit der Coronavirus-Pandemie verstorbenen Mexikanern wurde am Freitag nach Mexiko zurückgeführt.
Die Asche von 250 in den USA im Zusammenhang mit der Coronavirus-Pandemie verstorbenen Mexikanern wurde am Freitag nach Mexiko zurückgeführt.
Keystone

Lateinamerika gehört derzeit zu den Brennpunkten der globalen Corona-Pandemie. Nach Zahlen der Europäischen Union wurden dort bisher mehr als drei Millionen Infektionen und mehr als 140 000 Todesfälle im Zusammenhang mit der Lungenkrankheit Covid-19 registriert. Brasilien steht mit mehr als 1,8 Millionen Infizierten und mehr als 72 000 Toten in beiden Kategorien weltweit nur hinter den USA.

Hinrichtung in den USA trotz Corona-Bedenken

Um die erste Hinrichtung in den USA auf Bundesebene seit 17 Jahren ist wegen der Corona-Ansteckungsgefahr ein juristischer Streit entbrannt.

Ein Bundesberufungsgericht erlaubte am Sonntag (Ortszeit) die für (den heutigen) Montag angesetzte Exekution des verurteilten Mörders Daniel Lewis Lee und kippte damit einen kurz zuvor von einem anderen Gericht verhängten Stopp, wie die US-Zeitung «USA Today» berichtete.

Der Anwalt der Hinterbliebenen kündigte der Zeitung zufolge daraufhin an, dass die Familie nun das Oberste Gericht der USA, den US Supreme Court, anrufen und um einen Aufschub bitten werde.

Die Angehörigen wollen bei der Exekution Lees in einem Gefängnis in Terre Haute im US-Staat Indiana anwesend sein. Eine Teilnahme stelle derzeit wegen der Ansteckungsgefahr mit dem Corona-Virus aber ein übermässiges Gesundheitsrisiko dar, hatten sie argumentiert. Noch am Freitag erreichten sie damit bei einem Bezirksgericht einen Aufschub. Das Berufungsgericht entschied nun jedoch «USA Today» zufolge, das Argument der Familie sei «bar jeglicher diskutabler Rechtsgrundlage und deshalb nicht ernsthaft».

Lee war dem Zeitungsbericht zufolge wegen des Mordes an einem Ehepaar und dessen achtjähriger Tochter zum Tode verurteilt worden. Er soll per Giftspritze exekutiert werden. «Die Regierung bringt die Familie in eine untragbare Situation, zwischen ihrem Recht auf Anwesenheit bei Lees Exekution und ihrer eigenen Gesundheit und Sicherheit wählen zu müssen», zitierte die Zeitung den Anwalt, ohne seinen Namen zu nennen.

In den vergangenen Monaten hatte es in US-Gefängnisses besonders viele Erkrankungen mit Covid-19 gegeben. Während viele Bundesstaaten die Todesstrafe vollstrecken, hat es auf Bundesebene seit 2003, also etwa 17 Jahren, keine Hinrichtung mehr gegeben. Die Todesstrafe wurde seitdem zwar weiter verhängt, aber nicht vollstreckt.

Fälle, in denen Straftäter von Bundesgerichten zum Tode verurteilt wurden, liegen in der Hand der Bundesregierung. Justizminister William Barr drang zuletzt drauf, die Hinrichtungen auszuführen. Zuletzt hatte das Oberste Gericht den Weg für die Wiederaufnahme nach einem Streit um die Exekutionsmethode geebnet.

63'000 Neuinfektionen in den USA

In den USA steigt die Zahl der Coronavirus-Fälle nach Angaben der US-Zentren für Krankheitskontrolle und Prävention (CDC) um 62'918 auf 3'236'130. Weitere 906 Menschen sind binnen 24 Stunden an den Folgen des Virus gestorben, wodurch sich die Zahl der Todesfälle auf 134'572 erhöht. Die Vereinigten Staaten verzeichnen weltweit die meisten Infektionen.

Keystone

Der US-Bundesstaat Florida meldet derweil mit 15'000 Neuinfektionen einen Rekordanstieg der Coronavirus-Fälle innerhalb eines Tages. Wenn Florida ein Land wäre, würde es laut einer Analyse der Nachrichtenagentur Reuters den vierten Platz in der Welt für die meisten neuen Fälle an einem Tag hinter den USA, Brasilien und Indien einnehmen. Krankenhausaufenthalte und Neuinfektionen steigen auch in Arizona, Kalifornien und Texas.

230'000 neue Fälle weltweit

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) meldet einen Rekordanstieg neuer Corona-Infektionen. In den vergangenen 24 Stunden seien weltweit mehr als 230'000 neue Erkrankungen registriert worden, teilt die WHO am Sonntag mit.

Der bisher grösste Zahl von Neu-Infektionen binnen eines Tages hatte die WHO erst am Freitag mit gut 228'000 Fällen verzeichnet.

Nach Berechnungen der Nachrichtenagentur Reuters nähert sich die Gesamtzahl der Infektionen weltweit der Marke von 13 Millionen.

Über 28'000 Neuinfektionen in Indien

Die Zahl der täglichen Corona-Neuinfektionen in Indien hat einen Höchststand erreicht. Es seien 28'637 neue Ansteckungen gezählt worden, hiess es am Sonntag in einer Mitteilung des Gesundheitsministeriums. Insgesamt wurden in dem Land seit Beginn der Pandemie demnach knapp 850'000 Fälle registriert, rund 22'700 Menschen starben mit oder an dem Erreger Sars-CoV-2. Positiv sei, dass inzwischen fast 63 Prozent der Betroffenen die Erkrankung überstanden hätten.

Nach Zahlen der US-Universität Johns Hopkins liegt Indien auf Platz drei der am stärksten vom Coronavirus betroffenen Länder der Welt – nach den USA und Brasilien. Das südasiatische Land hat rund 1,3 Milliarden Einwohner. Aussenminister Subrahmanyam Jaishankar wehrte sich gegen Kritik am Krisenmanagement der Regierung. Bereits sehr früh seien ein strenger Lockdown sowie Reisebeschränkungen verfügt worden, sagte er.

Israelis demonstrieren gegen Corona-Politik

Tausende von Israelis haben am Samstagabend in Tel Aviv gegen die Finanzpolitik der Regierung von Benjamin Netanjahu in der Corona-Krise demonstriert. Mehr als 10'000 Menschen nahmen an einer Grosskundgebung auf dem zentralen Rabin-Platz teil.

Anschliessend marschierten einige der Teilnehmer durch angrenzende Strassen. Es kam zu gewaltsamen Konfrontationen mit der Polizei. Zwölf Demonstranten seien festgenommen worden, teilte ein Polizeisprecher am Sonntag mit. Sie hätten unter anderem zentrale Strassen in Tel Aviv blockiert.

Drei Polizisten seien leicht verletzt worden, als Demonstranten sie mit Pfefferspray angegriffen hätten. Die Scheibe einer Bank am Rabin-Platz wurde eingeschlagen. Auf Videos war auch ein gewaltsames Vorgehen von Polizisten gegen Demonstranten zu sehen.

Mit der Kundgebung wollten vor allem selbstständige Israelis auf ihre finanziellen Schwierigkeiten in der Corona-Krise aufmerksam machen. Sie riefen in Sprechchören unter anderem: «Bibi, geh nach Hause!» und «Dies ist ein Krieg». Bibi ist der Spitzname des Ministerpräsidenten. Sie warfen der Regierung vor, sich nicht um die finanziellen Nöte der Bürger zu kümmern.

(red/sda/reuters)