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Grossbritanniens AsylbewerberBohrinseln als Quartier für Flüchtlinge

Die britische Regierung prüft, ob sie Menschen, die um Asyl bitten, auf ausgediente Kreuzfahrtschiffe oder Ölplattformen schaffen kann. Auch ferne Länder oder Inseln sind eine Idee.

Wird Grossbritaninen tatsächlich Flüchtlinge zu stillgelegten Bohrinseln ausfliegen?
Wird Grossbritaninen tatsächlich Flüchtlinge zu stillgelegten Bohrinseln ausfliegen?
Foto: Simon Dawson (Getty Images)


Erst lachten viele Briten noch darüber, dass ihrer Regierung die Idee kam, Asylsuchende für die Dauer der Bearbeitung ihrer Anträge auf die über 6000 Kilometer entfernte britische Insel Ascension Island im Südatlantik zu verfrachten. Nun stellt sich heraus, dass Regierungschef Boris Johnson tatsächlich prüfen lässt, ob er Zehntausende ungebetener Fremder zeitweise «offshore» behausen kann.

Nicht nur ausgediente Fähren und Bohrinseln in der Nordsee sind im Gespräch bei den neuen Regierungsüberlegungen. Auch von speziellen Camps in Moldau oder Marokko ist die Rede. Selbst Papua-Neuguinea wird in Regierungsdokumenten erwähnt.

Einen Sturm der Entrüstung lösten am Donnerstag entsprechende Enthüllungen aus – freilich nicht bei allen Briten. Einer Yougov-Umfrage zufolge fanden schon die Idee mit Ascension Island 40 Prozent der Bevölkerung ausgezeichnet. Unter Tory-Wählern waren es sogar 62 Prozent.

«Lächerlicher Einfall einer unfähigen Regierung.»

Keir Starmer, Labour-Chef

Dagegen hat der Labour-Chef und Oppositionsführer Sir Keir Starmer die Überlegungen als «lächerlichen Einfall einer unfähigen Regierung» gebrandmarkt. «Abstrus, unmenschlich, vollkommen unpraktikabel und für den Steuerzahler viel zu kostspielig» sei der Plan. Dokumenten zufolge, die der Londoner Zeitung «Guardian» zugespielt wurden, kommt der Plan des physischen Abtransports von Asylbewerbern direkt aus der Regierungszentrale.

«Seit Wochen» schon, meldete das Blatt, arbeiteten Ministerialbeamte an «detaillierten Plänen», die Premier Johnson angefordert habe. Unter anderem hat man offenbar sondiert, ob es möglich wäre, Migranten und Flüchtlinge auf fernen Inseln oder in anderen Ländern in Lagern festzuhalten, während in London ihre Zuzugsberechtigung geprüft wird.

Eine Option galt dem Bau von Flüchtlingslagern auf den britischen Südatlantikinseln Ascension Island oder St. Helena, viele Tausend Kilometer von England entfernt. Allein schon die Transportprobleme scheinen aber dazu geführt zu haben, dass die Regierung von dieser Idee Abstand genommen hat. Bau und Unterhalt der Lager hätten ausserdem Hunderte von Millionen Pfund verschlungen.

Skepsis hat auch die Idee Downing Streets ausgelöst, Moldau, Marokko oder gar Papua-Neuguinea um Erlaubnis für den dortigen Betrieb britischer Auffanglager zu bitten. Im Aussenministerium hält man diese Idee offenbar für unumsetzbar oder einfach für zu riskant. Als richtiggehend gefährlich haben Experten auch Vorschläge bezeichnet, Asylbewerber auf ausgediente Ölplattformen in der Nordsee auszufliegen und dort abzusetzen. Dass es solche Vorschläge tatsächlich gegeben habe, berichtete am Donnerstag die Londoner «Times».

Widerstand von Schotten erwartet

Eher vorstellbar, hiess es im Regierungsviertel Whitehall, sei der Ankauf alter Fähren oder Kreuzfahrtschiffe, die vor den britischen Küsten vor Anker liegen könnten. Einzelne schottische Inseln sollen ebenfalls auf ihre Eignung geprüft werden – wiewohl in diesem Fall Widerstand zu erwarten wäre von der dortigen Bevölkerung und von der schottischen Regierung in Edinburgh.

Ausser den Oppositionsparteien haben auch Anwälte und Menschenrechtsverbände die Absicht, Asylbewerber auf Schiffe oder Bohrinseln oder in ferne Regionen «zu verbannen», scharf verurteilt. Die Regierung glaubt allerdings, dass sie die derzeit in wachsender Zahl über den Ärmelkanal drängenden «illegalen Migranten und Flüchtlinge» irgendwie abschrecken muss. Seit Beginn des Jahres haben die Fahrt auf Schlauchbooten und oft winzigen Kähnen aus Frankreich schon fast 7000 Personen unternommen. Im gesamten letzten Jahr waren es noch weniger als 1900, die auf diese Weise nach England kamen.

Innenministerin will Kanalroute unbefahrbar machen.

Der rechtsnationale Politiker Nigel Farage hat von einer regelrechten «Invasion» gesprochen. Und Innenministerin Priti Patel hat angekündigt, dass sie die Kanalroute «unbefahrbar» machen will. Patel droht inzwischen bereits mit dem Einsatz der britischen Kriegsmarine.

18 Kommentare
    mgrufer

    was immer, es ist fuer GB sowieso viel zu spaet. diejengen die sie niemals im land haben wollten sind sowieso schon drin, wie maden im 'speck'