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50 Millionen Franken im MinusKriselnde BLS ruft nach Bundeshilfe

Die Subventionsaffäre und die Pandemie reissen das Berner ÖV-Unternehmen tief in die roten Zahlen. Positive Nachrichten gibt es für das Personal.

Leeres Perron in Frutigen: Im Pandemiejahr schrumpften die Billettverkäufe der BLS um 44 Millionen Franken.
Leeres Perron in Frutigen: Im Pandemiejahr schrumpften die Billettverkäufe der BLS um 44 Millionen Franken.
Foto: Bruno Petroni

Die BLS ist im letzten Jahr von einer Krise in die nächste geschlittert: zu hohe Subventionsbezüge, Rücktritt von Konzernchef Bernard Guillelmon und VR-Präsident Rudolf Stämpfli, Kostenexplosion bei der Lötschberg-Tunnelsanierung, Umweltskandal Blausee und Bremsprobleme beim Doppelstockzug. Zu allem hinzu kam die Corona-Krise. Jetzt liegen die Konzernzahlen zu dem Horrorjahr vor. Die BLS schreibt einen Verlust von 50,8 Millionen Franken.

Wegen der Pandemie verlor die BLS viele Fahrgäste: Waren 2019 noch 67,7 Millionen Personen mit ihr unterwegs, reisten im letzten Jahr nur noch 50,6 Millionen Menschen in den Zügen, Bussen und auf den Schiffen der Gruppe. Das sind rund 25 Prozent weniger. Entsprechend fielen auch die Einnahmen aus dem Billettverkauf um 44,1 Millionen Franken tiefer aus als im Vorjahr. Total schrumpfen die Betriebserlöse um 7 Prozent auf 1,11 Milliarden Franken.

Doch Strafzinsen

Bei der Rückzahlung der Subventionen gibt die neue BLS-Führung in einem weiteren Punkt nach: Bislang hatte sich das Unternehmen dagegen gesträubt, auf die zu viel bezogenen Gelder von 39,9 Millionen Franken auch noch Strafzinsen zu zahlen. Jetzt entrichtet sie doch Zinsen von 9,7 Millionen Franken.

Insgesamt zahlen die BLS AG und ihre Tochtergesellschaft Busland damit für die Fehler bei den Subventionsbezügen 49 Millionen Franken an Bund und Kantone. Die Zinsen werden der Jahresrechnung 2020 belastet. Die zu hohen Subventionen aus den Jahren 2012 bis 2018 waren bereits in der Jahresrechnung 2019 zurückgestellt worden.

Corona-Nothilfe gefordert

Um die Einnahmeverluste der Corona-Krise im Regionalverkehr zu decken, reicht die BLS beim Bund ein Gesuch für Hilfsgelder über 9,7 Millionen Franken ein. Dieser Betrag sei zufällig gleich gross wie die Zinsen für die Subventionsfehler, erklärte die BLS-Führung am Freitag. Der Bund hat Finanzhilfen für den Not leidenden ÖV bereitgestellt.

Die BLS schreibt mit Ausnahme der Bereiche Infrastruktur und Immobilien auch in anderen Geschäften rote Zahlen. Um die Verluste der Schifffahrt (4,1 Millionen Franken) und des Autoverlads am Simplon (1,4 Millionen Franken) teilweise zu decken, hat sie weitere Gesuche um finanzielle Hilfe eingereicht. Die Verluste beim Autoverlad am Lötschberg (3,6 Millionen Franken) und beim Fernverkehr (2,7 Millionen Franken) trägt die BLS hingegen selbst.

Die BLS hatte zu hohe Subventionen erhalten, weil sie Erlöse aus dem Libero-Verbund nicht einrechnete. Zudem hatte sie früher Zinskosten zu hoch angesetzt. Auch in einem dritten Fall kritisierte die Eidgenössische Finanzkontrolle, dass die öffentliche Hand zu stark zur Kasse geben worden sei. Nämlich bei der Aufteilung von Gemeinkosten für Mieten, Lokomotiven oder Bahnersatzbusse. Zunächst lehnte die BLS hier eine Rückzahlung ab, weil die entsprechenden gesetzlichen Grundlagen fehlen würden. Jetzt hat sich doch noch 5 Millionen Franken freigemacht.

Keine Entlassungswelle

Auf der anderen Seite ist die BLS auch auf die Kostenbremse getreten. Sie sparte 13,3 Millionen Franken ein, verzichtete auf Fremdleistungen und löste Reserven in Höhe von 18,1 Millionen Franken auf.

Die Misere zieht nun aber keine Entlassungswelle nach sich. Es sei kein Personalabbau geplant, sagte der interimistische Konzernchef Dirk Stahl. «Wir fahren ja das volle Programm, auch im Güterverkehr», erklärte er. Daher benötige die BLS ihre Mitarbeitenden, deren Zahl letztes Jahr um 123 auf 3537 gestiegen ist. Die Personalverbände zeigten sich über diese Nachricht erleichtert.

Wie das Unternehmen weiter mitteilte, schlägt der Verwaltungsrat der Generalversammlung vom 11. Mai Yvette Körber und Kurt Bobst als neue Verwaltungsräte vor. Die Unternehmerin und der Buchhalter und Controller sollen die Nachfolge des langjährigen VR-Präsidenten Rudolf Stämpfli und Josef Küttels antreten. Die Wahl ist Formsache, gehören dem Kanton Bern doch gut 55 Prozent der Aktien.

17 Kommentare
    Hans Schneckn

    Ich pögge das grad nicht so: überhöhte Subventionen einstreichen, zurückzahlen, dann Verlust hinlegen und Staatshilfe verlangen... und in Mittholz das Wasser verschmutzen.