«Bleibt nahe bei den Arbeitnehmenden»

100 Jahre schon setzt sich der Gewerkschaftsbund Baselland für die Anliegen der Arbeiter ein. In Liestal wurde das gefeiert.

Weiterhin grosses Engagement für Arbeitnehmerschutz – dieses Ziel haben die Gewerkschafter im Baselbiet am Freitag bekräftigt.

Weiterhin grosses Engagement für Arbeitnehmerschutz – dieses Ziel haben die Gewerkschafter im Baselbiet am Freitag bekräftigt.

(Bild: Keystone)

Im Landratssaal in Liestal trafen sich Gewerkschafter und Gäste zu einer schlichten, aber wür­digen Jubiläumsfeier. Andreas Giger-Schmid, Präsident des ­Gewerkschaftsbunds Baselland (GBBL), blickte kurz auf die Gründungszeit zurück. Der Generalstreik von 1918 habe gezeigt, dass es nötig sei, die Anliegen der Arbeiterinnen und Arbeiter zu schützen. «Viele Ziele sind in ­dieser Zeit – wenn auch erst nach Jahrzehnten – erreicht worden.» Giger nannte die Einführung des Proporzes für die Nationalratswahlen, das Frauenstimmrecht, die AHV. Im Baselbiet gab es ­sogar bereits ab 1930 eine Arbeitslosenversicherung.

Es gehe aber noch immer darum, Forderungen umzusetzen, etwa die Lohngleichheit von Mann und Frau, die Vereinbarkeit von Familie und Beruf, den Mindestlohn. Auch müsse man den drohenden Abbau des Sozialstaates zu verhindern.

Pierre-Yves Maillard, seit Mai Präsident des Schweizerischen Gewerkschaftsbundes (SGB), erinnerte daran, dass es früher Mut brauchte, gewerkschaftlich aktiv zu sein: Es gab schwarze Listen von gewerkschaftlich aktiven Mitarbeitenden, denen gekündigt wurde und die es dann schwer hatten, eine neue Stelle zu finden. «Dank der Gewerkschaften wurde die Schweizer Demokratie gestärkt», zeigte sich Maillard überzeugt.

Edi Belser, selber langjähriger Präsident des damaligen Gewerkschaftskartells und ehemaliger Regierungs- und Ständerat, appellierte an den GBBL: «Bleibt nahe bei den wirtschaftlichen Fragen der Arbeitnehmenden», und ergänzte, man solle nicht kurzlebigen Tagesidealen nachrennen.

Männer dominieren

Nationalrätin Samira Marti, Präsidentin des Schweizerischen Verbands des Personals öffentlicher Dienste, kritisiert, dass die Gewerkschaften «noch immer von Männern dominiert» würden. Wolle man aber weiterhin Macht und Einfluss haben, müsse sich etwas ändern: «Die heutige Gewerkschaftsbewegung muss feministisch sein – oder sie hat keine Perspektive», betonte Marti.

Auf die gute Zusammenarbeit der Basler und der Baselbieter Gewerkschaften wies Toya Krummenacher hin, die Präsidentin des Basler Gewerkschaftsbundes. «Wir sind stärker, wenn wir zusammen kämpfen», hielt sie fest. Dank dem Schulterschluss der Branchenverbände hätte man einige ­Ziele erreichen können.

Unia-Präsidentin Karin Eberli betonte, dass die Forderungen der Frauen heute noch immer so aktuell seien wie vor hundert Jahren: Lohngleichheit, Anerkennung der Pflegearbeit, Gleichstellung der Renten. In den Tieflohn­branchen arbeiteten weiterhin ­vorwiegend ­Frauen. Dies zu ­verbessern, bleibe eine der ­wichtigsten Auf­gaben der Gewerkschaften, schloss Eberli.

Den «Höhepunkt des Jubiläumsanlasses», so die Moderatorin des Abends, Gewerkschaftssekretärin Elsbeth Joseph-­Matter, bildete ein Film von Philipp Jost. Darin kamen nicht nur ehemalige und aktive GBBL-Mitglieder zu Wort. Gezeigt ­wurden auch ­einige Arbeitskämpfe der Ver­gangenheit, als es gelang, die Situation für die Arbeitnehmenden zu verbessern. In dem 20-minütigen Film nannte Edi Belser einen weiteren Grund für gewerkschaftliches Engagement: «Man ist nur mächtig, wenn man etwas veranlassen oder verhindern kann.»

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