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Kunst und CoronaBitte nicht zu viel Publikum

Die Corona-Krise stellt auch die Basler Ausstellungsmacherinnen und -macher vor grosse Herausforderungen. Davon berichten Galerist Nicolas Krupp und das Haus der elektronischen Künste.

Nun gibt es im HEK wieder Führungen durch die Ausstellung «Schweizer Medienkunst». Dort ist auch die Arbeit  «Thulhu Thu Thu, Before the Sun Harms You» der Künstlergruppe Knowbotiq zu sehen.
Nun gibt es im HEK wieder Führungen durch die Ausstellung «Schweizer Medienkunst». Dort ist auch die Arbeit «Thulhu Thu Thu, Before the Sun Harms You» der Künstlergruppe Knowbotiq zu sehen.
Copyright: knowbotiq

Vom Inhalt her könnten die aktuellen Ausstellungen in der Galerie Nicolas Krupp und dem Haus der elektronischen Künste (HEK) unterschiedlicher nicht sein. Eines haben sie aber gemein: Die Vorbereitungen zur Einzelausstellung «Helden, Grundanstrich» des Basler Malers Stephan Melzl und zur Gruppenschau «Schweizer Medienkunst» wurden durch den Corona-Ausbruch und dessen Nebenwirkungen schwer gestört.

In seiner Wahlheimat Deutschland hängen Stephan Melzls Ölgemälde bereits in vielen wichtigen Sammlungen. Hierzulande ist der Basler mit Jahrgang 1959 aber weitgehend unbekannt. Darum ist die Ausstellung in der Galerie Nicolas Krupp Melzls erst zweite Einzelausstellung in der Schweiz.

Sein Ansatz besteht darin, Anspielungen auf die Historie der klassischen Malerei mit modernen Motiven und Elementen aus dem Hier und Jetzt zu kombinieren.

So schafft er surreale Kontraste und narrative Brüche, bei denen es manchmal auch um leise Gesellschaftskritik geht.

Stephan Melzl transportiert in seinen Bildern Motive der klassischen Malerei in die Gegenwart: Wasserwaage 2 (Bild verkauft)
Stephan Melzl transportiert in seinen Bildern Motive der klassischen Malerei in die Gegenwart: Wasserwaage 2 (Bild verkauft)
Foto © Axel Schneider

Im HEK beschäftigen sich die Gewinner des Pax Art Award 2019, welche die Gruppenschau «Schweizer Medienkunst» zeigt, mit unterschiedlichsten Themen. So erzählen die Arbeiten der Künstlergruppe Knowbotiq von Globalisierung, Umweltverschmutzung und Ausbeutung.

Gewinner des Pax Art Award 2019 zu sehen

Alan Bogana erfreut sich hingegen am Medium Licht, das sich in Hologrammen, Virtual Reality und Fotoarbeiten manifestiert. Félicien Goguey setzt sich indes mit den Mechanismen des Überwachungsstaats auseinander.

Ich habe die Bilder in Eigenregie aufgehängt.

Nicolas Krupp, Galerist

Aufgrund der Schliessung der Grenzen zu Deutschland konnte Stefan Melzl beim Aufbau seiner Ausstellung nicht vor Ort sein: Seine Werke kamen ohne ihn nach Basel. «Ich habe die Bilder in eigener Regie aufgehängt», sagt Nicolas Krupp, der Melzl aus der gemeinsamen Schulzeit am Humanistischen Gymnasium Basel kennt.

«Nach 30 Jahren Erfahrung als Galerist traue ich mir so etwas durchaus zu. Ich weiss auch, wie Stephan tickt, und kenne seine Kunst schon lange. »

Kurzfristige Einladung

Die «Helden»-Vernissage Mitte Mai stellte Krupp jedoch vor ungewohnte Herausforderungen. Aufgrund der damals geltenden Versammlungsbestimmungen durfte er nicht mehr als 20 Personen aufs Mal in seiner Galerie an der Rosentalstrasse empfangen.

Darum versandte Krupp die Einladungen erst 24 Stunden im Voraus – in der Hoffnung, dass nicht zu viele Menschen an seine Eröffnung kommen würden.

«Zum Glück hat sich der erstaunlich grosse Andrang auf die ganze Eröffnung verteilt», verrät Krupp. «Es ist also alles optimal verlaufen.»

HEK mit Online-Vernissage

Auch das HEK wollte bei der Eröffnung der Ausstellung «Schweizer Medienkunst» keinen grossen Menschenandrang provozieren. Darum fand diese als Live-Event im Internet statt.

«Trotz einigen technischen Schwierigkeiten haben sich etwa 200 Personen aus dem In- und Ausland über die Open-Source-Videokonferenzsoftware eingeloggt», sagt die HEK-Medienverantwortliche Elena Kuznik.

Führungen wieder möglich

Das Thema Corona beschäftigt die HEK-Leitung auch weiterhin. So können die Ausstellungsbesucherinnen und -besucher die Installation «Amazonian Flesh» von Knowbotiq nicht betreten. Sie müssen von aussen in das Lianen- und Bildschirmgeflecht blicken, das sowohl auf den Amazonas wie auch auf Jeff Bezos’ Konzern anspielt.

Mit der weiteren Lockerung des Versammlungsverbots sind im HEK aber immerhin wieder Führungen mit mehr als 30 Personen möglich. Und wenn die innereuropäischen Grenzen wieder aufgehen, können auch wieder Besucher aus dem Ausland empfangen werden.

Nicolas Krupp hofft deshalb, Stephan Melzl möglichst bald an der Rosentalstrasse empfangen zu können: «Er will sich die Ausstellung auch selber anschauen.»

Stefan Melzl, «Helden, Grundanstrich», Galerie Nicolas Krupp, Basel. Rosentalstrasse 28. Bis 6. Juli, Mi–Fr 14–18 Uhr. www.nicolaskrupp.com

Schweizer Medienkunst: Knowbotiq, Alan Bogana, Félicien Goguey – Pax Art Awards 2019, Haus der elektronischen Künste, Münchenstein, Freilager-Platz 9. Bis 2. August, Mi–So 12–18 Uhr. www.hek.ch