Kleinbasler Rheinufer: Rücksichtsloses Verhalten trübt die Bilanz

Die Bevölkerung lobt die vielen wunderbaren Events – stört sich jedoch an Veloverkehr, Lärm und Abfall.

Viele Besucher am Basler Rheinbord. Das Konzert von Lo & Leduc auf dem Floss im Juli. Foto: Nicole Pont

Viele Besucher am Basler Rheinbord. Das Konzert von Lo & Leduc auf dem Floss im Juli. Foto: Nicole Pont

Das Rheinufer war auch in diesem Sommer der wichtigste öffentliche Erholungsraum Basels für Anwohner und Zugereiste. Besonders eng wurde es auf der Sonnenseite im Kleinbasel. Bevor man vorausschauend ins Jahr 2020 – mit Erweiterungen und neuen Buvetten – blickt, wurde am vergangenen Montagabend eine Bilanz gezogen.

Der Nationalratskandidat und Vize-Präsident der FDP, Daniel Seiler, lud zum offenen Gespräch: «Jetzt, wo die warme Zeit langsam zu Ende geht, möchte ich darüber diskutieren, was all die Massnahmen gebracht haben und ob es in diesem Sommer besser geworden ist. Denn der nächste Sommer kommt bestimmt.»

Ruhiger und friedlicher

Eine bunte Mischung aus Politikern, Anwohnern, Journalisten und Vereinsmitglieder fand sich im Restaurant Rebhaus ein, um über das Kleinbasler Rheinufer zu sprechen. Zweimal wird Seiler in seiner Begrüssung von verspäteten Teilnehmern unterbrochen, dann klingelt irgendwo in einer Tasche ein Handywecker.

Als es schliesslich wieder ruhig wird, wirft der FDP-Politiker die erste Frage in die Runde: «Wie war der Sommer 2019 am Kleinbasler Rheinufer für euch?» Das Basel Tattoo, die Konzerte «im Fluss» und das gastronomische Angebot werden hoch gelobt. Auch sei es ein wunderbarer Badesommer gewesen – das Wasser höher und wärmer als 2018. Im Vergleich zum Vorjahr ist der vergangene Sommer laut Stefan Gasser, Dienstleiter der Sicherheitspolizei Bezirk Kleinbasel, und Pascal Widmer vom Community Policing ruhiger und friedlicher gewesen.

Lärm und Dreck

Doch die Rückmeldungen sind nicht durchs Band positiv. Besonders negativ sei das rücksichtslose Verhalten der Mitmenschen, der Velo- und neu auch Trottinett-Fahrer aufgefallen. Die Zahlen des Bau- und Verkehrsdepartements bestätigen diese Beobachtungen insofern, dass der Fahrradverkehr im letzten Jahr um drei Prozent zugenommen hat – in den letzten acht Jahren betrug der Zuwachs insgesamt sogar knapp 30 Prozent.

Die allgemein wachsenden Menschenmengen am Rhein sorgen zudem für weitere Probleme – wie Ruhestörung. Im Vergleich zu anderen Städten ist der Abstand zwischen Wohnhäusern und dem Rheinbord aussergewöhnlich klein, erklärt Therese Wernli vom Stadtteil-Sekretariat Kleinbasel: Gerade einmal sechs Meter trennen die Anwohner im Kleinbasel vom Fluss. Gasser und Widmer von der Kleinbasler Polizei sagen dazu, man nehme Lärmklagen in den Sommermonaten durchaus ernst, es gelte aber jeweils «Sicherheit vor Ordnung». Und wie viele Einsätze die Polizei in ersterer Angelegenheit habe, hänge auch merkbar mit dem Wetter zusammen: Zu heisse Nächte sorgen für eine spürbare Gereiztheit in der Gesellschaft.

Ein weiteres zentrales Thema ist das sogenannte Littering, und erneut stehen die Polizisten unter Beschuss: Man müsse häufigere, grössere Kontrollen einführen; man solle härter durchgreifen; die Bussen seien zu niedrig. Das Problem liegt laut Pascal Widmer darin, dass die Polizei in Uniform kontrollieren müsse und es äusserst schwierig sei, die Verantwortlichen zu fassen: Keiner wirft  seinen Müll auf den Boden, wenn ein uniformierter Polizist danebensteht.

Auf der Sonnenseite

Pascal Rey, Jungpolitiker der FDP, schlägt vor, auf eine gezielte Kommunikationsstrategie zu setzen, welche das Rheinbord als Wohlfühloase präsentiert. Die CVP-Grossrätin Andrea Knellwolf stimmt ihm zu: Mit dem Argument des Umweltfaktors, der am Rhein verschärft sei, erreiche man auch die junge Generation. Daniel Seiler betont: «Das Littering liegt nicht an der schlechten Erziehung der Einzelnen, sondern an der grossen Masse, die sich am Rhein aufhält.» Lasse jeder im Dunkeln – sei es aus Versehen – eine Kleinigkeit liegen, falle das in der Summe deutlich ins Auge.

Trotz der Verbesserungswünsche der Anwesenden ist der Grossteil der Meinung, die Allgemeinsituation am Kleinbasler Rheinufer habe sich im Gegensatz zum Vorjahr verbessert. So freuen sich dann auch alle auf den nächsten Sommer auf der Sonnenseite des Basler Flusses.

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