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Swiss ist bereits KundinBerner Start-up entwickelt in Rekordtempo Covid-Schnelltest

Anfang Jahr hat Tim Pfister noch eine Firma geführt, die Krankheitserreger bei Pferden nachweist. Nun will er mit Ender Diagnostics die Corona-Bekämpfung voranbringen.

Tim Pfister ist der CEO der Ender Diagnostics. Derzeit arbeitet er im Homeoffice an seinem Wohnort Bern.
Tim Pfister ist der CEO der Ender Diagnostics. Derzeit arbeitet er im Homeoffice an seinem Wohnort Bern.
Foto: Christian Pfander

Langweilig wird Tim Pfister in diesen Tagen nicht. Anfang Woche hat er drei neue Mitarbeiter eingestellt, dann mit Experten des Bundesamts für Gesundheit telefoniert und den Markteintritt in Skandinavien und in den USA organisiert. In der Schweiz hat Pfister die Fluggesellschaft Swiss als Kundin gewonnen. Denn als Chef des Berner Start-ups Ender Diagnostics verfügt Pfister über eine Produktgruppe, die derzeit begehrt ist: molekularbiologische Corona-Schnelltests.

Diese ermöglichen laut dem Ender-Chef «ein effektives Pandemie- und Quarantänemanagement». Der 28-Jährige ist überzeugt: Um die Pandemie in den Griff zu bekommen, muss wesentlich breiter getestet werden als bisher.

Ergebnis nach 30 Minuten

Das Start-up Ender hat deshalb in den letzten Monaten drei Schnelltests entwickelt, die mithelfen sollen, die Testkapazitäten zu erhöhen. Pfister nennt als Beispiel die Luftfahrt: Dort setzt die Swiss für ihr Personal auf Tests von Ender.

Während die Durchführung und Laborauswertung der gängigen PCR-Tests mindestens 24 Stunden dauert, liefern die diagnostischen Schnelltests von Ender schon nach 30 bis 45 Minuten ein Ergebnis. «So könnten nicht nur Swiss-Angestellte, sondern auch Passagiere kurz vor Antritt des Flugs und direkt nach der Rückreise prüfen lassen, ob von ihnen eine Ansteckungsgefahr ausgeht», sagt Pfister.

Daneben sollen mit den neuen Tests Labore ihre Kapazitäten erhöhen: Derzeit arbeitet Ender in der Schweiz mit zwei kleineren, privaten Labors zusammen, die grossen Institute seien noch zurückhaltend. Das führe dazu, dass aktuell pro Tag nur rund 30’000 Personen getestet werden könnten.

Die Zulassung von Antigen-Schnelltests Anfang dieser Woche soll nun 50’000 zusätzliche Tests pro Tag ermöglichen, etwa in Arztpraxen oder Apotheken. Ihre Einführung ist aber umstritten, weil die Testergebnisse weniger zuverlässig sind als bei den PCR-Tests und laut Pfister «viele davon nur Infizierte mit offensichtlichen Covid-19-Symptomen erfassen».

Die Nachfrage explodiert

Ender positioniere sich mit seinem Angebot «zwischen den sehr zuverlässigen, aber langsamen PCR-Tests und den schnellen, aber wenig zuverlässigen Antigen-Tests», sagt Firmenchef Tim Pfister. Die Ender-Testverfahren setzen dabei wie die PCR-Tests auf den Nachweis des Viren-Erbguts in der Patientenprobe und erkennen laut Pfister in mehr als 95 Prozent der Fälle, ob jemand mit Corona infiziert ist oder nicht. Die infektiösen Fälle würden allesamt korrekt identifiziert, verspricht er.

Während der Schweizer Markt für Tests laut Pfister eher träge ist, steigt die Nachfrage von Kunden aus dem Ausland rasant an. Derzeit kann das 30-köpfige Ender-Team eine Million Tests pro Monat produzieren, was der aktuellen Testkapazität der Schweiz entspricht. Nun wird die Produktion in Bern auf ein Volumen von vier Millionen Tests pro Monat hochgefahren. Wichtigste Abnehmerregionen sind Afrika, Südosteuropa und der Nahe Osten, gefolgt von Deutschland, Österreich und Skandinavien. «Diese Regionen haben rasch erkannt, wie wichtig es ist, breitflächig niederschwellig zu testen», resümiert Pfister.

Sportpferde als erste Patienten

Der Firmenname ist bei Ender Programm. Er ist vom Ausspruch «Der Ender isch der Gschwinder» abgeleitet, quasi die berndeutsche Variante der Agilität, die Manager weltweit einfordern. Tatsächlich ist Ender in Rekordtempo zu einem wichtigen Akteur im Markt mit Corona-Tests avanciert. Die Grundlagentechnologie zum schnellen Nachweis von Viren, Pilzen und Bakterien wurde schon zwischen 2010 und 2016 am Institut für Infektionskrankheiten der Universität Bern entwickelt und 2017 in die Firma Certus Molecular Diagnostics ausgegliedert.

Im Sommer 2019 lancierte das Gründerteam die zweite Firma Livet, deren Technologie Krankheitserreger bei Sportpferden nachweisen sollte. Diese sind international unterwegs und darum anfällig für Atemwegserkrankungen. Ein Ausfall ist sündhaft teuer. Noch Anfang 2020 plante das Gründerteam, in diesem Markt Fuss zu fassen – bis Corona kam. Am 18. März, zwei Tage nach dem Lockdown, sattelte das Team auf Corona-Schnelltests um. Am 7. April wurde Ender Diagnostics gegründet – und spätestens seit dem Ausbruch der zweiten Corona-Welle hat Firmenchef Tim Pfister keinen ruhigen Moment mehr.

Mathias Morgenthaler war Wirtschaftsredaktor bei Tamedia und ist heute als Autor, Coach und Referent tätig. Er ist Autor der Bestseller «Aussteigen – Umsteigen» und «Out of the Box» und Betreiber des Portals www.beruf-berufung.ch

22 Kommentare
    Peter Siegrist

    Huch! Sensitivität also bei 95%? 5 von 100 Positive bleiben unentdeckt! Was für ein toller Test! Und dann Ist das mit den 30’000 ernst gemeint? Kann man mit diesem Test die Zahl auf 50’000 pro Tag erhöhen? Begreiflich, dass die grossen Institute zweifeln.... Eher Publitest als seriöser Beitrag.