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Grosse TräumeBerlusconi kann es nicht lassen

Der frühere italienische Ministerpräsident ist mit seinem neuen Club Monza in die Serie B aufgestiegen. Am grünen Tisch. Ein Schelm, wer Böses dabei denkt.

Viermal war Silvio Berlusconi italienischer Ministerpräsident, vor allem aber formte er als Präsident die AC Milan zu Weltformat. Nun bescheidet er sich mit dem zweitklassigen Monza.
Viermal war Silvio Berlusconi italienischer Ministerpräsident, vor allem aber formte er als Präsident die AC Milan zu Weltformat. Nun bescheidet er sich mit dem zweitklassigen Monza.
Foto: Alessandra Benedetti (Getty Images)

Anfang Woche war es endlich offiziell. Die Tabellenführer der drei Gruppen in der italienischen Liga C1 wurden am grünen Tisch zu Aufsteigern erklärt, weil die Saison nicht mehr aufgenommen wird. Jubel also bei der AC Monza, einem der drei Aufsteiger. Und im Fall des Clubs in der Nähe der Schweizer Grenze ein berechtigtes Verdikt: 11 Runden vor Schluss betrug der Vorsprung 16 Punkte.

Oder hat der Aufstieg am grünen Tisch auch mit den Namen zu tun, die hinter dem Verein stehen? Das ist nämlich ein Duo, das einst neben dem Rasen den Ruf des «Grande Milan» begründete: Besitzer Silvio Berlusconi und sein Geschäftsführer Adriano Galliani. Für beide ist diese Aufgabe eine Herzensangelegenheit: Galliani ist in Monza geboren, Berlusconi residiert in jenem luxuriösen Anwesen in Arcore unweit Monzas, in dem einst auch sagenumwobene Partys gefeiert wurden.

«Vai e fai» – Stunden später war der Club gekauft

Der viermalige italienische Ministerpräsident Berlusconi habe den Club im September 2018 eher zufällig erworben, gab Galliani nun preis. Er, Galliani, hatte erfahren, dass die Besitzerfamilie Colombo in fortgeschrittenen Verhandlungen mit einem amerikanischen Konsortium stehe, und dies Berlusconi beim traditionellen montäglichen Lunch in Arcore beiläufig mitgeteilt. Dieser habe dann seinem ebenfalls anwesenden Bruder, seinen Kindern und einigen Topmanagern der Fininvest eine Frage gestellt: «Wie wäre es, wenn wir Monza übernehmen?» Auf die einstimmig positive Antwort habe er zu Galliani gesagt: «Vai e fai.» Das liess sich der alte Fuchs nicht zweimal sagen: «Am Abend war der Vertrag unter Dach und Fach.»

Silvio Berlusconi (mit Schal) und Adriano Galliani (rechts) nehmen mit ihrem neuen Club Monza nun auch die alte Liebe Milan ins Visier.
Silvio Berlusconi (mit Schal) und Adriano Galliani (rechts) nehmen mit ihrem neuen Club Monza nun auch die alte Liebe Milan ins Visier.
Foto: Antonio Calanni/Keystone

Verständlich, dass diese beiden klingenden Namen sich zu Höherem berufen fühlen: «Wir wollen uns nicht verstecken», sagt Galliani, «wir wollen Monza in die Serie A bringen.» Das Budget solle so hoch sein, dass «wir schon im ersten Jahr um den Aufstieg mitspielen. Wir werden nichts Verrücktes machen, aber das Nötige.» Mario Balotelli, der soeben bei Brescia entlassen wurde, werde kein Thema sein, sagte er sogleich. Trainer Christian Brocchi, ein ex-Milanista, wird es wohl danken.

38-mal nahm Monza bisher Anlauf zum Sprung in die Elite, gelungen ist er noch nie. 2021 soll diese Zahl nur noch Geschichte sein. «Ein Aufstieg in die Serie A und zwei Spiele gegen Milan wären wunderschön», träumt der 83-Jährige von einer Rückkehr in die «Scala des Fussballs». In Arcore würde wohl eine grosse Party steigen.

2 Kommentare
    T Simonett

    Das sind tolle Nachrichten. Die Investments der Amis und anderer Ausländer, die den Europäischen Sport nicht verstehen, bringen nichts siehe EHC Kloten. Berlusconi ist ein Patron der alten Schule, der das sicher auf die Reihe kriegt. Forza Monza!