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In der Stube – und draussen«Belächelt, beschimpft, bejubelt»

Im Rahmen des 50-jährigen Bestehens der nationalen Frauenfussball-Liga hat das Schweizer Fernsehen eine Dokumentation über ein noch wenig beleuchtetes Kapitel Schweizer Sport- und Gesellschaftsgeschichte gedreht.

Lia Wälti hofft, dass spätestens, wenn sie Oma ist, eine professionelle Schweizer Liga existiert.
Lia Wälti hofft, dass spätestens, wenn sie Oma ist, eine professionelle Schweizer Liga existiert.
Foto: Walter Bieri (Keystone)

Die diesjährige Ausgabe der höchsten Spielklasse der Frauen wurde am 30. April abgesagt. Das ist bedauerlich. Vor allem, weil sie dieses Jahr ihr 50-Jahr-Jubiläum gefeiert hätte. Anlässlich des Jubiläums hat das Schweizer Fernsehen allerdings eine Dokumentation über den Frauenfussball in der Schweiz mit dem Titel «Belächelt, beschimpft, bejubelt» produziert. Das Resultat ist eine etwas mehr als 25 Minuten lange Dokumentation, die von der ehemaligen BaZ-Redaktorin Seraina Degen mit verfasst wurde und Licht in ein wenig beleuchtetes Kapitel der Schweizer Sportgeschichte bringt.

Die Frauen begannen schon vor etwas mehr als 50 Jahren dagegen zu rebellieren, dass das Spiel mit dem runden Leder nur den Männern vorbehalten war. Ganz wichtig war bei diesem Prozess die Walliserin Madeleine Boll. Sie war eine Pionierin auf diesem Gebiet, eine der ersten Frauen, die Fussball spielten. Allerdings wurde ihr vom nationalen Verband damals die Spielerlizenz wieder weggenommen. Begründung: Laut dem konsultierten Arzt ist Fussball kein Sport für Mädchen. Die Gründung der Liga erfolgte dennoch 1970. Allerdings wurde sie nicht ernst genommen, sondern belächelt.

In der Schweiz lässt sich kein Geld verdienen

In den 90er-Jahren werden die fussballspielenden Frauen gar beschimpft. Es seien Lesben, die in den Clubs ihre Bedürfnisse ausleben, wurde damals in den Zeitungen geschrieben. Dieses Verständnis hat sich heute zum Glück geändert. Auch wenn gewisse Vorurteile noch heute gültig sind. In der Schweiz ist es beispielsweise unmöglich, Geld zu verdienen. Dafür muss selbst der Captain des Nationalteams Lia Wälti ins Ausland gehen. Sie spielt beim FC Arsenal und kann dort ihren Unterhalt vom Fussball bestreiten.

Dennoch können heute die Schweizer Nachwuchshoffnungen – wie die in der Dokumentation ebenfalls zu Wort kommende Nora Linn Münger – hoffen, dass sie in Zukunft bejubelt werden. Auch durch die Erfolge der Nationalmannschaft, die nun zur erweiterten Weltspitze gehört, hat sich der Frauenfussball in der Schweiz in den letzten Jahren enorm weiterentwickelt. Eine Gleichberechtigung ist zwar noch fern. Aber Wälti hofft, dass spätestens, wenn sie Oma sei, eine professionelle Schweizer Frauenliga möglich wäre.

Die BaZ-Serie «In der Stube – und draussen» gibt täglich Tipps, die dabei helfen sollen, die Corona-Zeit halbwegs sportlich zu überbrücken.