Zum Hauptinhalt springen

Kolumne NachspielBeim Beobachten beobachten

«Oh Lord, Phil Collins» – ausgerechnet während der Pandemie boomen die sogenannten Reaktionsvideos auf Youtube.

Wie reagieren, wenn man erstmals «In the Air Tonight» hört? Tim und Fred Williams machen es vor.
Wie reagieren, wenn man erstmals «In the Air Tonight» hört? Tim und Fred Williams machen es vor.
Youtube

Was sind wir Menschen doch für unheilbar soziale Tiere! Immerfort spiegeln wir uns im Blick unserer Artgenossen, und nichts macht uns mehr an, als eine(n) andere(n) angemacht zu sehen.

Gilt übrigens auch umgekehrt. Beim Anblick eines erschrockenen Gesichtsausdrucks rutscht uns auch selbst das Herz in die Hose. Muss so ein Überbleibsel der Urhorde sein, damit alle gleichzeitig flüchten. Die Spiegelneurone, die für eine prompte Übertragung der Aufregung sorgen, haben übrigens auch unsere evolutionären Nachbarn, die Affen, im Kopf.

Was wiederum erklärt, warum ausgerechnet während der Pandemie die sogenannten Reaktionsvideos auf Youtube so boomen. Also Videos, auf welchen man irgendwelche Menschen sieht, die auf irgendetwas reagieren. Nehmen wir das eigenständige Genre «First Time Hearing»: Hip-Hopper hören – zum Beispiel – erstmals Bob Dylan. Gelangweiltes Gesicht wandelt sich in ein nachdenkliches! Wir wohnen dem brühwarm bei. Es gibt «German watches for the first time K-Pop», das dem nervigen Youtuber FloderFlo über eine Million Aufrufe beschert, und auch «American reacts to Swiss Rap» (beschämend wenig klickendes Interesse).

Um diesen Artikel vollständig lesen zu können, benötigen Sie ein Abo.