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Wegen CoronavirusBasler Herbstmesse ist abgesagt

Die Regierung setzt die 550. Ausgabe wegen der Ansteckungsgefahr aus. Schausteller beklagen sich.

In diesem Jahr gibt es kein Gekreische auf den Bahnen.
In diesem Jahr gibt es kein Gekreische auf den Bahnen.
Foto: Pino Covino

Die Basler Herbstmesse kann diesen Herbst nicht durchgeführt werden. Regierungspräsidentin Elisabeth Ackermann (Grüne) spricht von einem «schwierigen Entscheid», den die Regierung habe fällen müssen. «Wir bedauern die Absage sehr», so Ackermann. «Da wir am Schluss aber für die Gesundheit der Herbstmesse-Besucher und der Schausteller verantwortlich sind, blieb uns praktisch keine andere Wahl.»

Zu viele Leute aus der Schweiz und aus dem nahen Ausland würden den Traditionsanlass besuchen, und das Risiko sei zu gross, dass sich Besucher mit dem Coronavirus anstecken könnten. Ackermann: «Wie wir in Zürich gesehen haben, reicht ein Superspreader aus, der von Platz zu Platz geht und das Virus verteilt.» Die Regierung habe sich verschiedene Varianten überlegt, wie die Herbstmesse trotz Corona-Krise hätte durchgeführt werden können. So sei eine Verkleinerung zur Diskussion gestanden, zum Beispiel weniger Schausteller und Marktfahrer auf den verschiedenen Plätzen in der Stadt zu platzieren. «Allerdings müsste man die Abstandsregeln nach heutigem Stand wohl auch im Herbst einhalten. Das macht die Durchführung in der Innerstadt praktisch unmöglich», sagt Ackermann.

Leuchtende Kinderaugen werden fehlen

Bis zum letzten Moment auf die Durchführung gehofft hat Franz Baur. Der Messeglöckner läutet den Traditionsanlass jeweils am Samstag um 12 Uhr auf dem Turm der Martinskirche ein. «Dank gebührt dem Büro für Messen und Märkte für die umsichtige Planung einer ‹geschützten› Herbstmesse, die jetzt doch nicht stattfinden wird», sagt Baur. «Der Entscheid zeigt, dass die Coronakrise längst nicht vorbei ist und wie gefährlich die Regierung das Virus einstuft.» Seine Gedanken seien ganz bei den Schaustellern, die schwere Zeiten durchlebten, weil sie kein Geld verdienen könnten und dem Konkurs nahe seien. Ebenso stimmt Baur traurig, dass er die strahlenden Kinderaugen vor den Ständen und Fahrgeschäften in diesem Jahr nicht sehen wird. «Ich bedaure die Absage sehr, die Gesundheit der Leute geht aber vor. Das Bedauern war auch bei der Absage der Fasnacht gross. Im Nachhinein hat sie sich aber als richtig herausgestellt.» Es gelte, nun hoffnungsvoll in die Zukunft zu blicken, ob vielleicht der Weihnachtsmarkt, der Vogel-Gryff und die nächste Fasnacht stattfinden könnten. Baur: «Aber auch das ist nicht in Stein gemeisselt.»

Nach den Sommerferien will der Regierungsrat informieren, in welchem Rahmen der Auftakt des Jubiläumsjahres anlässlich des 550-jährigen Bestehens der Herbstmesse erfolgen soll. Die diesjährige Absage ist nicht die erste in der 550-jährigen Geschichte der Basler Herbstmesse: Bereits in den Jahren 1721 und 1722 musste die Herbstmesse wegen der Pest und im Jahre 1831 wegen der Cholera-Epidemie abgesagt werden. Ebenso wurde sie 1918 wegen der Spanischen Grippe abgesagt. Die Herbstmesse zieht jährlich rund eine Million Besucherinnen und Besucher an. Insbesondere an den Wochenenden rechnen die Veranstalter mit über 100’000 Personen pro Tag.

Schausteller enttäuscht

Das Schaustellerpaar Esther und Charles Stey sind seit Jahren an der Herbstmesse präsent und verkaufen an verschiedenen Orten Ballone für Kinder oder betreiben einen Churros-Wagen. Sie seien den Tränen nahe gewesen, als sie von der Absage der Herbstmesse erfahren hätten. «Für uns ist das finanziell wie moralisch tödlich. Wir haben gute Kunden, und die liegen uns am Herzen», sagt Esther Stey. Zwar habe die Leitung der Herbstmesse alles daran gesetzt, mit Schutzkonzepten eine Lösung für die Durchführung zu finden. Diese Bemühungen seien nun aber offenbar gescheitert, so Esther Stey.

Um finanziell über die Runden zu kommen, müssten Charles und Esther Stey im Winter nun eine andere Arbeit suchen. «Seit dem Beginn des Lockdowns im März konnten wir als Schausteller keinen Franken verdienen. Was wir nun mit der Absage der Herbstmesse erleben, kommt einem Börsencrash gleich. Wir befürchten, dass auch der Weihnachtsmarkt nicht stattfinden wird und aufgrund des Basler Entscheids auch Luzern seine Herbstmesse streicht», sagt Charles Stey.

Hart ins Gericht gehen sie mit dem Bundesrat, der keine Gelder zur Überbrückung für die Schaustellerbranche bereitgestellt habe. «Der Bund hat uns einfach im Regen stehengelassen. Wir leben am absoluten Existenzminimum und hoffen jedes Mal beim Öffnen des Briefkastens, dass keine Mahnung ins Haus flattert», sagt Charles Stey. Der Bund gebe Entwicklungsgelder aus, vergesse aber die eigenen Leute in der Schweiz.