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Stundenweise auf die SchulbankBaselbieter Schulen suchen den Mittelweg

Für die letzten drei Wochen des Semesters dürfen auch die Schüler von Gymnasien, Fach- und Berufsschulen wieder die Schulbank drücken. Zumindest teilweise. Lohnt sich das?

Für die letzten drei Wochen des Semesters dürfen die Mittelschüler wieder die Schulbank drücken – unter Einhaltung der Abstandsregel.
Für die letzten drei Wochen des Semesters dürfen die Mittelschüler wieder die Schulbank drücken – unter Einhaltung der Abstandsregel.
Foto: Lea Hepp

Mit Normalbetrieb ist in den Gymnasien und Fachmittelschulen im Kanton Baselland ab dem 8. Juni nicht zu rechnen. Man wolle bis zu den Sommerferien alle Schüler zurück ins Klassenzimmer holen, so Marc Rohner, Leiter der Hauptabteilung Mittelschulen, an der Pressekonferenz vom Dienstag. Doch dies diene vor allem der persönlichen Kontaktaufnahme, um allfällige Lerndefizite abzuklären. So wird der Fernunterricht bis zu den Sommerferien grösstenteils bestehen bleiben – wenn nicht darüber hinaus.

In der ersten der drei Wochen können die Schüler nicht mit viel mehr als einer oder zwei Klassenstunden rechnen. In der zweiten sollen einzelne Schüler oder auch Lerngruppen vor Ort unterstützt werden, und in der letzten Woche wolle man individuelle Gespräche mit jenen Jugendlichen führen, die diese benötigen – zum Beispiel bei einer allfälligen Wiederholung des Schuljahrs.

Nicht genügend Raum

Grund für den spärlichen Präsenzunterricht ist die Infrastruktur. Das Gymnasium Oberwil etwa unterrichtet 950 Schüler. Da Gymnasiasten – sowie auch Lernende der Fachmittelschulen – betreffend Corona-Ansteckungen als Erwachsene eingestuft werden, müssen sie im Gegensatz zu jüngeren Schülern einen Abstand von zwei Metern zueinander einhalten. Die Klassen müssten, um diese Distanz wahren zu können, in grösseren Räumen untergebracht werden. Im Gymi Oberwil brauchte man dazu doppelt so viel Raum, wie zur Verfügung steht, so Rohner. Und diesen hat man schlicht und einfach nicht.

Derselbe Platzmangel besteht bei den Fachmittelschulen. Einzig bei den Berufsschulen, wo die Klassen wesentlich kleiner sind, könne man flexibler agieren, so Heinz Mohler, Leiter Hauptabteilung Berufsbildung und Berufsberatung. Im Kanton Basel-Stadt kehrt hingegen ein Grossteil der Schüler von Gymnasien, Fach- und Berufsschulen am 8. Juni zum Präsenzunterricht zurück. Mitunter, weil man im Stadtkanton über grössere Räume verfügt.

Sinn der Übung

Im Kanton Zug hat man einen ganz eigenen Weg eingeschlagen: Da auch dort die Räumlichkeiten nicht genügen, um die Distanzregel einzuhalten, entschied sich die Bildungsdirektion bereits Mitte Mai dazu, den Fernunterricht bis zu den Sommerferien fortzuführen. Ein paralleles Unterrichten im Präsenz- und im Fernunterricht, etwa mit Halbklassen, würde zudem nur zu einer weiteren Belastung der Lehrpersonen führen, so der Zuger Bildungsdirektor Stephan Schleiss in einem Bericht der «Luzerner Zeitung». Wieso setzt der Kanton Baselland nicht auf dieselbe Lösung, anstatt solch einen grossen Aufwand für die letzten drei Wochen Unterricht des Schuljahrs zu betreiben?

«Wir haben dieses Modell auch geprüft», sagt Marc Rohner. Man habe sich aber für den Mix der zwei Unterrichtsformen entschlossen, weil man die Defizite der Schüler nicht nur per Fernunterricht behandeln wolle. Zudem sei dabei der soziale Aspekt zu berücksichtigen. Heinz Mohler pflichtet Rohner bei und fügt an: «Ein würdiger Abschluss ist im Fernunterricht nicht möglich.»

Auch Jürg Wiedemann, Alt-Landrat und Vorstandsmitglied der Starken Schule beider Basel stellt sich hinter die Entscheidung des Kantons: «Fernunterricht ist lange nicht so effizient wie Präsenzunterricht. Das Konzept ist pädagogisch sinnvoll.»

Ob die Abstandsregel selbst nach den Sommerferien für die Gymnasien, Fach- und Berufsschulen gilt, ist noch unklar. Zurzeit sei aber ein Konzept in Bearbeitung, um auch im Herbst eine Kombination von Präsenz- und Fernunterricht anbieten zu können, so Rohner: «Der Kontakt vor Ort ist unersetzlich.»

3 Kommentare
    Patrick Le Cloarec

    Der Anzahl Kinder/Jugendliche nicht das Problem ist. Vielmehr die Infrastruktur.

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    Ob der Fernunterricht die letzten Wochen effizient seitens der Lehrerschaft und nützlich seitens der Lernenden war, fehlt uns Alle - via die Medien - jegliche durchsichtigen Informationen. Jede/Jeder -ob aus dem Politikum oder aus der SSBB erzählt was er will!

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    Eigentlich und wegen ein paar Wochen, die Schulen [die Kleinklassen sowieso nicht] nie öffnen hätten dürfen weil Kinder/Jugendliche durch die Schuljahr bewertet werden, so ist es zu hoffen!

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    Und jeder Lehrer/Lehrerin sein Schüler/seine Schülerin/ sein Student/seine Studentin kennt.

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    Eine Noten-/Einstufungsdiskriminierung somit nicht stattfinden kann.