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Weihnachtsessen lieber in Saint-Louis als in Basel

Hans-Peter Wessels (SP) und sein Kader schlemmten im Elsass – ein Affront für die Basler Wirte.

Christian Keller
Steuergeld im Elsass ausgegeben. Der Bau- und Verkehrsdirektor feierte mit seiner 15-köpfigen Geschäftsleitung im «Le Trianon» in Saint-Louis Weihnachten.
Steuergeld im Elsass ausgegeben. Der Bau- und Verkehrsdirektor feierte mit seiner 15-köpfigen Geschäftsleitung im «Le Trianon» in Saint-Louis Weihnachten.
zvg

Die Stimmung war heiter und fröhlich, ja geradezu ausgelassen, als sich diesen Donnerstag ab 18 Uhr die festlich gekleideten Chefbeamten des Basler Bau- und Verkehrsdepartements (BVD) in der Bar-Lounge Des Arts am Barfüsserplatz einfanden. Hierhin hatte Regierungsrat Hans-Peter Wessels (SP) die Mitglieder seiner 15-köpfigen Geschäftsleitung bestellt, um das traditionelle Weihnachtsessen mit einem Apéro zu eröffnen.

Die hohen Kader und ihre Begleitung standen in kleinen Gruppen an Stehtischen und stiessen mit Cüpli und Wein auf frohe Festtage an. Ihr Vorgesetzter Wessels – weisses Hemd, Anzug und Schal um den Hals – befand sich lachend in ihrer Mitte, in der Hand hielt er ein Bier.

Wer nun aber glaubte, dass die bestens gelaunten Basler Staatsfunktionäre, für deren Lohn der Basler Steuerzahler aufkommt, im Anschluss ein Restaurant in der Innenstadt oder zumindest auf basel-städtischem Kantonsgebiet aufsuchten, sah sich getäuscht. Gerade im Umfeld des Barfüsserplatzes, wo die Gastrobetriebe wegen der vielen Baustellen im Sommer und im Herbst Umsatzeinbussen von bis zu 50 Prozent hatten hinnehmen müssen, wäre die Bewirtung der rund 30-köpfigen Gesellschaft gewiss hochwillkommen gewesen.

Als Wessels und seine Gefolgschaft um 19.15 Uhr aus dem «Des Arts» in den Regen hinaustraten, galt das Interesse allerdings einzig dem einfahrenden 3er-Tram Richtung Bahnhof Saint-Louis. Tatsächlich sollte die Reise dann auch dorthin führen: in die grenznahe Kleinstadt im Elsass, einen Ort, für den der SP-Magistrat eine besondere Vorliebe zu empfinden scheint – wir erinnern uns an die ominöse BVB-Million, die Wessels in einem Hinterzimmer den Elsässern per Handschlag versprach, um einen «Anreiz» für das Projekt der Tramlinienerweiterung zu schaffen.

Mit dem 3er vors Géant Casino

Man erreichte die Haltestelle beim französischen Einkaufscenter Géant Casino um 19.45 Uhr und schlenderte sodann durch die weihnachtlich geschmückte Rue de Mulhouse. Nach zehn Minuten waren die Gäste aus Basel am Ziel: «Le Trianon» heisst das kleine Lokal, in dem sie verschwanden. Auf der Bewertungsplattform «Tripadvisor» erhält die Gaststätte für ihre französische Küche Spitzennoten: Speis und Trank seien ausgezeichnet, das Preis-Leistungs-Verhältnis sehr gut, der Service zuvorkommend. Ein Drei-Gänge-Menü inklusive Getränke für zwei Personen habe 83 Euro gekostet, wird in einem der Kommentare gelobt.

Welche Köstlichkeiten das «Le Trianon» für Wessels’ Festgemeinde auftischte und aus welchen Flaschen kredenzt wurde, konnte nicht eruiert werden: Wegen der Basler war das Lokal komplett ausgebucht, weshalb das Personal keinen Einlass gewährte.

Rund vier Stunden liess man es sich gut gehen, ehe zur Heimkehr aufgebrochen wurde. Regierungsrat und ÖV-Prediger Wessels entschied sich um Mitternacht für ein vors Restaurant beordertes «Mini Cab»-Taxi, obschon das Tram um 00.28 Uhr noch nach Basel gefahren wäre. Unwissend darüber, unter Beobachtung gestanden zu sein, behauptet die Pressestelle des BVD indes auf Anfrage das Gegenteil: «Jene, die das letzte Tram verpasst hatten, haben sich für den Heimweg jeweils ein Taxi geteilt.»

Zur generellen Frage, weshalb für das Weihnachtsessen auf höchster Führungsebene überhaupt Saint-Louis bevorzugt wurde, wird der BaZ erklärt, man habe die Destination vor dem Hintergrund der kürzlich eröffneten Tramlinienverlängerung «aus gegebenem Anlass» ausgewählt.

«Absolutes No-Go»

Eine Erklärung, die sich für den Basler Wirteverbandspräsidenten Josef Schüpfer wie Hohn anhört. Er ist ausser sich, als er von Wessels Fremdgehen in der elsässischen Gastroszene erfährt. «Das ist ein absolutes No-Go, ein Affront für alle Basler Wirte. Wir bezahlen in der Schweiz hohe Löhne, wir müssen strenge Auflagen erfüllen und uns mit immer noch mehr Regulierung herumschlagen; hinzu kamen dieses Jahr die happigen Umsatzeinbussen wegen der Sanierungsarbeiten in der Innenstadt – und als Dank geht der Regierungsrat mit seinen Leuten dann irgendwo anders hin. Ein wirklich schönes Zeichen der Wertschätzung.»

Es sei ihm zudem nicht bekannt, sagt Schüpfer, dass Offizielle aus dem Elsass oder Deutschland je ein Essen in Basel veranstaltet hätten, nur weil das Tram neuerdings über die Grenze rolle. «Offensichtlich steht die Regierung nicht mehr zu Basel», hält der Wirteverbandspräsident enttäuscht fest.

Der Basler Gewerbeverbandsdirektor Gabriel Barell spricht ebenfalls von einer «wirklich unschönen» Situation. Wessels lasse die Solidarität mit dem lokalen Gewerbe vermissen. «Dabei ist es gerade seine Partei, die immer noch mehr Leistungen von den KMU verlangt und auf höhere Mindestlöhne und Erbschaftssteuer drängt. Wenn es dann darum geht, einmal etwas auszugeben, dann berücksichtigt er just jene nicht, die ihn und sein Personal mitfinanzieren», so Barell.

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