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Verurteilt für überhöhte Handwerker-Rechnungen

Elektriker und Bauleiter sollen komplizenhaft zusammengespannt haben.

Daniel Wahl
Für verschiedene Liegenschaften wurden überhöhte Rechnungen gestellt. Zum Beispiel für diese in Möhlin.
Für verschiedene Liegenschaften wurden überhöhte Rechnungen gestellt. Zum Beispiel für diese in Möhlin.
Kostas Maros

Ungläubig und mit offenem Mund nahmen die zwei Angeklagten, die sich in einem mehrwöchigen Verfahren am Basler Strafgericht verantworten mussten, am Dienstagnachmittag das Urteil entgegen. Zu 24 Monaten Gefängnis bedingt für gewerbsmässigen Betrug und Misswirtschaft ist ein Elektriker verurteilt worden. Der Zweite ist zu 30 Monaten teilbedingt verurteilt worden. Es ist der Bauleiter und Geschäftspartner in einem Basler Architekturbüro, das auf diversen Grossbaustellen in der Region ein veritables Debakel mit Verlusten in Millionenhöhe verursacht hat.

Das Strafgericht sieht es als erwiesen an, dass der Elektriker «vollkommen überhöhte und fiktive Rechnungen gestellt» hat, während sein Komplize, der Geschäftspartner im auftraggebenden Architekturbüro diese Rechnungen tel quel übernommen und visiert hat. Dies, um sich am Architekturbüro und der ahnungslosen Bauherrschaft zu bereichern – in der Höhe von 1,15 Millionen Franken, wie das Gericht errechnet hat. Die härtere Strafe trifft den Geschäftspartner deshalb, weil er die Vertrauensstellung im Architekturbüro ausgenutzt habe und so den visierten Rechnungen eine höhere Glaubwürdigkeit verliehen habe. Die Rechnungen wurden durch seine Unterschriften zu Urkunden, weshalb er sich auch der Urkundenfälschung schuldig gemacht hat.

Keine Kostenkontrolle

Laut dem Gericht zeigte sich eines: Auf allen Baustellen, die von einer Basler Immobilien-Familie initiiert wurden, liefen die Kosten aus dem Ruder. Sicher ist, dass die Kostenvoranschläge und Offerten, sofern es sie überhaupt gab, wesentlich tiefer waren, als die ausbezahlten Geldbeträge. Letztlich war es ein Indizienprozess. Zu viele Unterlagen fehlten, die Dokumentation sowohl aus dem Architekturbüro als auch vom Elektriker über ausgeführte und nicht ausgeführte Arbeiten, über offene Rechnungen und bereits erfolgte Akontozahlungen waren derart lückenhaft, dass das Gericht Annahmen und eigene Berechnungen machen musste. Widersprüchliche Angaben, nur teilweise eingereichtes Material und die Beteuerungen der geschädigten Unternehmerfamilie liessen die beiden Angeklagten vor dem Gericht unglaubwürdig erscheinen.

Inwiefern aber der Bauleiter durch das Visieren überhöhter Rechnungen profitiert haben könnte, blieb in diesem Prozess völlig unausgeleuchtet. Hat sich der Elektriker beim Bauleiter etwa mit Kickbackzahlungen bedankt? Man weiss nichts davon.

Umstritten war die Parteistellung der Bauherren und des inzwischen konkursiten Architekturbüros. Aber Gerichtspräsidentin Katharina Giovannone liess deren Vertreterin, eine Anwältin der Kanzlei Vischer, während der Verhandlung teilnehmen – sie durfte intervenieren. Im Rahmen der Urteilsverkündigung wurde ihr jedoch die Parteistellung in den meisten Punkten abgesprochen. Die Anwältin reichte eine Honorarnote von rund 237’000 Franken ein, deren Berechtigung vom Gericht bis auf 5000 Franken aberkannt worden ist.

Vor dem Eingang des Strafgerichts beklagten sich die beiden Verurteilten zusammen mit ihren Anwälten noch lange über das Urteil und den Prozess. Dass beide in Berufung gehen würden, steht ausser Frage. «Fragen Sie sich doch mal, wer die wahren Profiteure sind?», führte der Bauleiter seine These ins Feld: Der Architekt, der mit der Bauherrin liiert ist, habe auf allen ihren Baustellen das Budget überschritten und so einen Schuldenberg aufgetürmt, um dann sein Geschäft mit diesen Schulden in den Konkurs gehen lassen zu können. Jetzt könne sich der Architekt mit seiner Partnerin in die hergerichteten Nester setzen, während sie als Bauernopfer vor das Appellationsgericht ziehen müssten.

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