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Und dann stockt der Atem, fliessen die Tränen...

Die BMG ehrt ihre verstorbenen Mitglieder – und zeigt dabei Gesicht. Das ist eindrücklich beklemmend, geht durch Mark und Bein. Einer der Momente dieser Nicht-Fasnacht.

Sebastian Briellmann
Die BMG im Kreis am Petersplatz: In der Mitte brennt die Laterne. Foto: Nicole Pont
Die BMG im Kreis am Petersplatz: In der Mitte brennt die Laterne. Foto: Nicole Pont

Es ist kalt und und trostlos und die Stimmung eine merkwürdige in der Stadt, die eigentlich in den Genuss von spontanen Bewegungen kommen sollte, von farbigen, wild durcheinandergemischten Einzelmasken und kleineren und grösseren Schyssdräggziigli, von Glücksgefühlen, durchdrungen von purer Freude an der Fasnacht, vom Zusammensein. Selten wirkt Basel so ungeordnet und gleichzeitig vereint wie am Fasnachtszyschdig.

In diesem Jahr ist keine Fasnacht, das mag sein, aber die Basler Mittwoch-Gesellschaft (BMG) möchte nicht auf ihre wunderbare Tradition verzichten, gemeinsam von ihrem Stammlokal, dem «Laiezorn», zum Petersplatz zu gässeln, wo sie ihr Zyschdigs-Ladärnli verbrennt; eine Geste an die Mitglieder, die übers Jahr verstorben sind.

«Am Fasnachtszyschdig simmer zwäg,es isch der scheenscht vo alle Dääg,wo d'Frau Fasnacht uns verschänggt.Die alti Naarrefreyhait läbt, wie wenn's e Comité nit gäbtund kai Route, wo aim drängt.»

Natürlich ist an diesem Abend alles anders, wird auf der Route nicht getrommelt und gepfiffen wie sonst – ja ist es still, beklemmend, traurig, schlicht eindrücklich, dem Anlass aber jederzeit gerecht werdend, und so vielleicht auch ein bisschen versöhnlich für die Angehörigen der Verstorbenen, die am Marsch teilnehmen.

Gänsehaut-Momente

Wo einem sonst fröhliche Fasnächtler begegnen, die ihren ganz speziellen Tag zelebrieren, ist da nichts, kein Mucks, einzig ergriffene Stille. Nur der Klang von klackenden Schuhen ist zu hören. Gänsehaut-Momente.

«No scheener ka's fascht nimme wärde,dr Himmel hämmer scho uf Ärde,wenn farbig-häll d'Ladärne brenne.Drum wänn mir uns im Innere jetzt au an die erinnere,wo nie meh Fasnacht mache kenne.»

Am Petersplatz angekommen, bildet die BMG wie immer einen Kreis, das Mimösli am Revers, die Kerze in der Hand – die Laterne in der Mitte wird entflammt. Nun stockt der Atem, die Tränen fliessen, während das Zyschdigsvärsli aufgesagt wird. Ein Moment, der durch Mark und Bein geht, und noch stärker wirkt als sonst, da sich die Mitglieder direkt in die Augen schauen können, schauen müssen. Keine Larve, kein Goschdym, kein Musizieren. Nur ein Tambour spielt, und das leise und andächtig.

Die Angehörigen nehmen sich in den Arm, halten sich die Hände. Es wirkt ein wenig wie eine Beerdigung, das geht einem nah, aber der Moment in dieser kühlen Nacht fühlt sich dennoch friedlich an, vergebend auch.

«Mit däne wämmer ys verbindeund wänn vom Gligg, wo mir empfindee Bitz ins Himmelrych lo fliesse,ass die, wo mien dert äne blybe,e Fraid hänn an ys, wiemer's drybe,und wiemer unsri Fasnacht gniesse.»

Der Obmann der Clique, David Koechlin, erklärt, man respektiere das Verbot der Fasnacht, aber dieser Anlass sei schon immer einer gewesen, an dem man sich aus der Fasnacht ausklinkt, unter sich ist, innehält.

Ein wunderbarer Fasnachtsmoment

Der BMG ist dann auch nichts vorzuwerfen, das Ladärnli-Verbrennen sinnlich, und ja, natürlich traurig und bedrückend, aber das soll auch so sein. Ein wunderbarer Fasnachtsmoment. Oder Nicht-Fasnacht-Moment? Egal. Es ist der Clique hoch anzurechnen, wie pietätvoll sie erst abgewogen und den Anlass dann durchgeführt hat.

«Wenn mir als pfyffe dien und drummleduet amme n aine mit ys bummle,e Sänsen uf den Ärm, de lange...Au das Johr ischer, wie zum Gschpassverschwunden ine Syttegass, –und e paar sin mitem gange...»

In einem schwierigen Jahr für alle Aktiven, besonders auch für die BMG, die zwei Mitglieder, die der Clique ganz besonders nah gestanden haben, verloren hat, wie Koechlin sagt:

Als alles vorbei ist, der Trauermarsch davonläuft, der Szenerie langsam entschwindet, steht nur noch die Laterne da – ein letztes Lodern, ein letztes Aufflackern ihrer Überbleibsel. Dann brennen nur noch die Kerzen in der Dunkelheit.

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