Zurück bleibt ein ungutes Gefühl

Die Angst vor dem Asiatischen Laubholzbockkäfer war grösser als damals beim Borkenkäfer. Nun kann Entwarnung gegeben werden. Trotzdem ist die Bedrohung durch eingeschleppte Schädlinge grösser denn je.

Am Rhein bei Birsfelden machten die Behörden auf die Gefahr aufmerksam.

Am Rhein bei Birsfelden machten die Behörden auf die Gefahr aufmerksam.

(Bild: Henry Muchenberger)

Mischa Hauswirth

Kein anderes eingeschlepptes Insekt zog in jüngster Vergangenheit mehr Aufmerksamkeit auf sich als der Asiatische Laubholzbockkäfer, kurz ALB. Spuren des aus Ostasien stammenden Käfers versetzten 2012 die Region in Alarmbereitschaft. In Weil am Rhein und im Hafen von Birsfelden fanden Experten eine ALB-Larve und Eier. «Da es in den vergangenen vier Jahren keine neuen Hinweise auf ein Auftreten des ALB in Weil am Rhein und Grenzach gab, wurde nun auch in Basel die vorgeschriebene Überwachung abgeschlossen», sagt Stephan Ramin vom Kantonalen Pflanzenschutzdienst Basel-Stadt. Dieser Schritt sei in Absprache mit den Verantwortlichen in Deutschland und Frankreich erfolgt.

Breites Überwachungsnetz

Um die Bevölkerung zu sensibilisieren und auf die Gefahr hinzuweisen, stellte die Stadtgärtnerei Basel 2013 Schilder auf, die auf die Gefahr durch den ALB hinwiesen. Gleichzeitig erhielt Birsfelden ein Sperrgebiet und einen Fokusbereich.

In der sogenannten Pufferzone, im Hardwald, gleich neben dem Hafen- und Industrieareal, kamen speziell ausgebildete Spürhunde zum Einsatz. Sie unterstützten Baumpfleger, Forstfachleute und Pflanzenexperten auf der Suche nach dem Schädling. Gleichzeitig schraubten die Pflanzenschutzbeauftragten von Bund und Kantonen die Information zwischen den involvierten Amtsstellen hoch und installierten eine Hotline für die Bevölkerung.

Eingeschleppt wurde der ALB höchstwahrscheinlich in Holzverpackungen von Steinlieferungen aus China. Da sich diese Lieferungen nicht nur auf die Region Basel beschränkten, kam es in der ganzen Schweiz zu ALB-Sichtungen. Beispielsweise 2014 in der freiburgischen Gemeinde Marly. Bei der weiteren Suche sind eine stark befallene Rosskastanie sowie diverse andere befallene Baumarten entdeckt und beseitigt worden. Das Monitoring mit Baumkletterern und Spürhunden dauere noch an, heisst es bei der Forschungsanstalt für Wald, Schnee und Landschaft (WSL) dazu.

Auch in Brünisried, im bernisch-freiburgischen Grenzgebiet, wurden fliegende ALB gesehen und zudem Eier und Larven entdeckt. Die befallenen Bäume wurden gefällt und entsorgt. Zusätzlich kamen ALB-Spürhunde zum Einsatz. Gut möglich, dass es einen Zusammenhang gibt und der ALB in diesen beiden Gemeinden auf einen Ursprungsbefall zurückgeht.

In Oberwinterthur gingen die Behörden besonders intensiv vor, nachdem 2012 der ALB nachgewiesen worden war: Insgesamt wurden über 400 Bäume gefällt und 55000 Quadratmeter Gebüsche und Stauden gerodet.

Natürliche Feinde hat der ALB hierzulande kaum. In China sind Schlupfwespen und Raupenfliegen sowie parasitische Wespen als Gegenspieler bekannt.

Bisher hat der Kanton Basel-Stadt pro Jahr rund 100000 Franken für die Überwachung ausgegeben. Früherkennung und rasche Intervention gelten auch aus ökonomischen Überlegungen als sinnvoll, denn dadurch werden spätere Behandlungskosten, sollte es tatsächlich zu einem Befall kommen, verhindert. Die Intervention von Behördenseite her war deshalb so rigoros, weil dadurch die beste Chance besteht, den Schädling an einer Etablierung in einem Gebiet zu hindern, heisst es bei der WSL. Das Beispiel Winterthur zeige, dass es möglich sei, den Schädling innerhalb der europaweit vereinbarten Minimalzeit von vier Jahren zu tilgen, so die WSL. An den anderen Orten dauerte der Kampf gegen den Käfer mehr als zehn Jahre.

Auch wenn der ALB vorzugsweise an Weiden und Rosskastanien geht – von denen es in Basel ja nicht wenige gibt –, so ist er bei der Futterwahl nicht sehr wählerisch: Hauptsache, Baum.

Schlimmes Bakterium

Theoretisch könnte der ALB ganze Wälder befallen. Das hätte nicht nur für die Waldbesitzer dramatische Folgen, sondern könnte auch für Waldbesucher gefährlich werden: Denn die Larvengänge im Holz können Bäume so weit destabilisieren, dass einzelne Kronenteile abbrechen oder ganze Bäume umstürzen.

Bei den Basler Behörden ist zwar die unmittelbare Gefahr gebannt, aber das Risiko, dass es dennoch zu einer Einschleppung kommt, besteht nach wie vor.

Grund zur Sorge in Europa gibt ein aus Lateinamerika eingeschlepptes Bakterium namens Xylella, das sehr viele Pflanzenarten befallen und zum Absterben bringen kann, darunter auch für die Lebensmittelproduktion wichtige Nutzpflanzen. «Sollte dieses Bakterium auftreten, wären die Auswirkungen sehr gravierend und die Bekämpfung aufgrund der vielen Wirtspflanzen sehr aufwendig», sagt Ramin. Weitere gefährliche Arten, die durch den internationalen Handel verschleppt werden, sind etwa der Moschusbock oder der Japankäfer. Experten erachten die Einschleppungsgefahr gerade auch wegen den sich verändernden klimatischen Bedingungen als hoch.

Der Basler Pflanzenschutzbeauftragte Ramin sagt dazu: «In Zukunft halten wir die Augen offen, nicht nur betreffend ALB.» Die Mitarbeiter der Stadtgärtnerei, die privaten Baumpfleger sowie viele private Gärtner seien nach wie vor auf den ALB und weitere Quarantäneorganismen sensibilisiert. Auch soll es weitere Überprüfungen geben. «In diesem Jahr werden wir stichprobenartige Kontrollen in Hotspots durchführen», sagt Ramin. «Als Hotspot wird beispielsweise nach wie vor das Hafenareal betrachtet.»

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